Sommer der schlafenden Hunde von Laura Dürrschmidt
Autor*in: Laura Dürrschmidt, Genre: Coming -of- Age, Verlag: Aufbau Verlage, ISBN: 978-3-351-04268-4, 1. Auflage 03/2026, 432 Seiten, Preis Hardcover €22,00
‚Hassliebe, hat Trice mal gesagt. Ich hassliebe dich mehr als mein Leben.‘ Lena und Trice sind alles füreinander – beste Freundinnen, schlimmste Feindinnen, Geliebte. Ihre Schulzeit in der tristen mitteldeutschen Vorstadt vertreiben sie sich mit ihrem eigenen Fight Club und Partys im Keller, später wohnen sie gemeinsam in der Großstadt. Doch es gab noch eine Dritte im Bunde, die geheimnisvolle Sascha, das Zentrum ihrer toxischen Dreiecksbeziehung. Sascha kommt am Ende der Schulzeit ums Leben. Was haben Lena und Trice mit ihrem Tod zu tun? Während eines unerbittlich heißen Sommers drängt die Vergangenheit ans Licht.
Laura Dürrschmidt schreibt Sätze, die vor Wahrheit funkeln und schonungslos treffen wie ein Schlag in die Magengrube. ‚Dürrschmidts Buch legt den Kern des Menschlichen frei, wo Gewalt, Hingabe und Sehnsucht keine Widersprüche sind. Dieser Text strotz vor Courage.‘ Julia Jost ‚Atmosphärisch, intensiv, bewegend & lustig: Laura Dürrschmidt schreibt über Liebe, Gewalt und Abhängigkeit und erschafft Figuren, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen.‘ Mascha Unterlehberg ‚Dark girlhood – flirrend, intensiv, voller zerstörerischer Wut und abgründiger Liebe.‘ Lisa Krusche (Klappentext)
Laika liegt im Bach, ihr schwarzes Fell voller Blut, der Schädel gespalten. Die Zunge hängt blau aus dem Maul, da wo vorher alles rosa gewesen war. Warum sie sie umgebracht hat, wollte Josef wissen. Der Köter hatte sie nie leiden können. „Sie hat es verdient!“
Als das mit Josef passiert ist, hat Laura sich im Bett versteckt und nur noch geheult, wochenlang nicht auf Trice Nachrichten reagiert, bis die ihr fast die Türe eingetreten hätte. Als sie sie reinließ, schrie Trice sie an: „Du blöde, selbstgefällige Schlampe, warum machst du so was immer mit mir? Warum muss ich mich ständig um dich kümmern, immer und immer und immer?“ Danach nahm Trice sie pflichtbewusst und sehr liebevoll in ihre Arme und Lena weinte und weinte.
Trice Mitbewohner musste gehen, weil er zu viel groß musste. Jetzt sucht sie jemand Neuen und Lena soll das in ihren Kontakten teilen, aber sie hat ja gar keine scheiß Kontakte.
Sie war die mieseste Mitbewohnerin, die sie je hatte, sagte Trice ihr danach. Nachdem ihre Großmutter gestorben war, hatte sie noch bei Josef gewohnt. Er fragte sie ständig, was er ihr Gutes tun könne. Dann zog sie zu Trice und zuerst war alles gut. Doch dann war Trice genervt von ihrer Unordnung. Sie war genervt, weil sie Trice ständig bekochen musste, weil Trice es nicht lernen wollte. Sie musste gehen, wenn Trice jemanden mitbrachte, weil die sich nicht einlassen konnte, wenn Lena in der Nähe war.
Bis ich anfing, mich verstoßen zu fühlen, bis sich jedes Augenverdrehen von Trice anfühlte, wie ein Schlag ins Gesicht, bis wir einmal stritten und Trice eine Steinvase nach mir warf, die dann ein Loch in die Küchentür schlug und so weiter, immer so weiter. S. 14
Fazit: Laura Dürrschmidt hat mich mit flirrender Intensität in das Dasein dreier zutiefst verletzter Seelen geführt. Lena wurde von ihrer zu jungen, alleinerziehenden Mutter bei ihrer Großmutter abgesetzt. Der Freund der Familie, Jakob nimmt sie nach dem Tod der Großmutter auf. Lena kommt hinter sein Geheimnis und stürzt ins Bodenlose. Lena wechselt in der neunten die Schule und lernt Trice kennen, die Königin, immer in ihrem Windschatten, die unheimliche Sascha. Beide umringt von vier coolen Jungs. Lena schleicht sich in den Dunstkreis der Gruppe, gehört irgendwann dazu und das Spiel um Ressourcen (Trice) beginnt. Die Autorin bedient sich großartiger Dialoge, um Stimmung zu machen. Die Sprache ist boshaft, schlagfertig und schmerzhaft ehrlich, aber auch witzig, wie sie eben ist bei jungen Menschen, die um so mehr Selbstbewusstsein vortäuschen, je kleiner sie sich fühlen. Im Laufe der Erzählung eskalieren die Mädchen völlig und machen sogar den Jungs Angst. Die vorherrschenden Gefühle sind Eifersucht, Missgunst, Wut und Hass. Die Geschichte entblättert sich langsam durch die Ich-Erzählerin Lena, die in ihren trüben Erinnerungen fischt. Auf erschütternde und auch fesselnde Weise zeigt die Autorin, wie Grenzen überschritten werden und macht mich froh, nicht mehr jung zu sein. Eine sehr gelungene Entwicklungsgeschichte, die dann am Ende doch Heilung durch Weitsicht erfährt.
Die Autor*in: Laura Dürrschmidt, geboren 1994 in Seligenstadt am Main, studierte Buchwissenschaft und British Studies in Mainz, wo sie sich auf Typographie spezialisierte. 2020 wurde sie beim jungen Literaturforum Hessen-Thüringen ausgezeichnet und nahm an der Romanwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung in Edenkoben teil. 2021 erschien ihr Debüt Es gibt keine Wale im Wilmersee. Laura Dürrschmidt lebt mit ihrer Frau in Leipzig.