Rezensionen Mittendrin im Lilabunt

Mittendrin im Lilabunt von Mirjam Müntefering

Autor*in: Mirjam Müntefering, Genre: Zeitgenössische Romantik, Verlag: Ulrike Helmer, ISBN: 978-3-8974-495-2, 1. Auflage 2025, 297 Seiten, Preis Paperback €20,00

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Inge Klottka (71) lebt auf dem Dykenhof ihren Traum einer Frauenwohngemeinschaft. Als der benachbarte queere Facettenhof sein zehnjähriges Jubiläum mit einem großen Fest feiern will, zieht Inge nach – mit ihrer eigenen Feier zum Dreißigsten, am selben Tag! Wiesenbüttel steht Kopf. Bald findet die 17-jährige Kati im Ruhrgebiet eine rätselhafte Einladung. Kati ahnt: In Wiesenbüttel könnte sie das Geheimnis um die Trennung ihrer Mütter lüften. Ihre Reise führt sie mitten hinein in ein turbulentes Doppel-Jubiläum – zwischen lila Luftballons, bunten Festtagsfähnchen und Begegnungen, die ihr Leben für immer verändern … (Klappentext)

Die fünfundsechzigjährige Mechthild lebt seit dreißig Jahren mit ihren beiden Esel*innen bei der sechs Jahre älteren Inge auf den Dykenhof. Sie hatte Hanni und Nanni seinerzeit vor dem Schlachthof gerettet. Bisher hat es niemand so lange bei Inge ausgehalten, vielleicht weil sie keine romantischen oder leidenschaftlichen Gefühle verbindet. Das Pärchen Nadine und Lena teilen sich seit sechs Jahren die Zweiraumwohnung im Erdgeschoss. Inge hatte den Hof von ihrem Großvater geerbt, lange nachdem die Eltern sie rausgeworfen haben, weil sie Frauen liebt. In den späten 80er-Jahren war der Dykenhof das erste Resthof-Lesben-Wohnprojekt in ganz Deutschland und Inges ganzer Stolz, aber dann hat sie bei einer demokratischen Abstimmung einen schweren Fehler gemacht, für den sie sich noch heute in den Hintern beißen könnte. 

Vor zehn Jahren hat dann Konstanze am anderen Dorfende den Facettenhof gegründet. Ein Begegnungsort für alle queeren Menschen. Im Gegensatz zu ihr regiert sie matriarchal alleinbestimmend. Jetzt erfährt Inge ganz nebenbei, dass der Facettenhof zehnjähriges Bestehen feiern will und das schlägt ihr gewaltig auf den geschundenen Magen. Sie hatte damals das ganze Dorf gegen sich gehabt und es in mühevoller Umstimmungsarbeit für ihren Hof gewinnen können, insofern sollte sie, die Vorreiterin aller Emanzen, gefeiert werden. Nachdem sich der Schock gesetzt hat, bläst Inge zum Gegenangriff.

Die siebzehnjährige Kati lebt mit ihrer Mutter in Bochum, das ihr Großstadtplaque verursacht. Mit Adam ist sie nur zusammen, weil er der Bruder ihrer besten Freundin Jasna ist. An dem Tag, als sie sich von ihrer besten Seite zeigen muss, bringt sie den Papiermüll zur Tonne. Auf dem Bodes des Korbs entdeckt sie ein lilafarbenes Blatt Papier, eine Einladung aus der Lüneburger Heide. Sie weiß, dass Jasna in den Ferien nach Berlin fährt und hält es für eine gute Idee, ganz allein in den Norden zum Dykenhof zu fahren. 

Fazit: Mirjam Müntefering hat eine unterhaltsame Prosa über queere Menschen geschrieben. Die sture Protagonistin, Gründerin einer Frauenkommune, Vorreiterin für Frauenrechte, genießt ihr Leben in der idyllischen Ruhe ihres Dorfes. Ihre etwas jüngere Mitstreiterin gibt sich die Ehre und in Inge erstarken allerlei menschliche Gefühle wie Ablehnung, Neid und Unwille. Ganz ihrer alten Zeiten treu bleibend sagt sie der Konkurrentin den Kampf an, wie sellemols dem Patriarchat. Es kommt zu allerlei komischen Verwicklungen, die Inge nicht kommen sah. Und auch die Vergangenheit und frühere Fehlentscheidungen kreisen sie ein. Die junge Generation holt sie aus ihrer stolzen Erstarrung, weicht sie auf und verbindet die Streithennen. Eine muntere, amüsante Geschichte, die mich keine Seite gelangweilt hat. 

Die Autor*in: Mirjam Müntefering ist Filmwissenschaftlerin und Fernsehredakteurin, arbeitete für TV- und Print-medien. Seit 1998 ist sie mit Romanen für Erwachsene und Jugendliche erfolgreich und war in diversen Fernsehtalkshows zu Gast. Als hauptberufliche Autorin fühlt Mirjam Müntefering sich in vielen Genres wohl. Seit jeher setzt sie sich für die rechtliche Gleichstellung aller Partnerschaften ein und wirbt für mehr Diversität in der Literatur. In ihrer Freizeit widmet sie sich dem Tierschutz und führte viele Jahre lang eine eigene Hundeschule. Bisher erschienen im Helmer Verlag: ‚Anders geht immer‘ (2015), ‚Son-nenröschenwinter‘ (2018), ‚Unversehrt‘ und ‚Luna und Martje‘ (beide 2022).

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