Gegenwartsliteratur 2022-24

Blutbuch von Kim De L´Horizon

In mir weckt Kims fast hysterische Suche nach der eigenen Identität ein Gefühl der Einsamkeit. Nichts scheint wirklich verlässlich, nichts so bedeutungsvoll, dass es bleiben darf. weiterlesen

Ein Sommer in Niendorf von Heinz Strunk

Großartige Erzählkunst. Heinz Strunk hat einen Charakter geschaffen, dem er bis zum Ende treu bleibt. Es ist eine Geschichte, wie sie nur das Leben zu schreiben vermag und ebenso unangenehm ehrlich. weiterlesen

Die spürst du nicht von Daniel Glattauer

Familie Strobl-Marinek und die befreundete Familie Binder, nehmen die Schulfreundin ihrer Tochter, ein Flüchtlingskind aus Somalia mit in ihren Toskanaurlaub aber das geht gründlich schief. weiterlesen

Die Wut, die bleibt von Mareike Kallwickl

Die Geschichte beginnt mit einer schier unglaublichen Szene, einem Urknall gleich. Helene, die Mutter dreier Kinder stürzt sich so unprätentiös wie unerwartet vom Balkon, in zwölf Meter Tiefe. Aus. Das wars. weiterlesen

Der gelbe Elefant von Heinz Strunk

Heinz Strunk lässt mich in gewohnter Manier in die Köpfe meiner/seiner? Mitmenschen schauen. Er spricht aus, was mir während einer Unterhaltung oftmals verborgen bleibt. Die allergeheimsten Gedanken, die ein Mensch im Austausch mit einem anderen oder sich selbst hat. weiterlesen

Liebeskind von Caroline Schmitt

Die Autorin hat eine zutiefst abgefuckte Liebesgeschichte geschaffen. Die Sprache ist destruktiv, ein bisschen schmutzig und extrem unterhaltsam. Die Dialoge sind so unverkrampft, verspielt, realistisch und amüsant, als stünde ich gerne dabei und würde zuhören. weiterlesen

Zeiten der Langeweile von Jenifer Becker

Trotz Tinder, Okcupid und Co. hat Mila sich schon länger nicht mehr daten lassen, seit Nicki und sie nicht mehr zusammen sind. Ihre Accounts bei Facebook, Instagram und TicTok hat sie längst gelöscht. Sie entwickelt die Angst in einem digitalen Inferno gelyncht zu werden. weiterlesen

Nordstadt von Annika Büsing

Als Boris und Nene miteinander schlafen wollen, sagt sie es ihm. Er sieht sie betroffen an und zum ersten Mal weiß sie, dass es um sie geht, weiß, dass es ihr passiert ist, keiner anderen. Er fragt, ob sie Angst hat. Sie weiß es nicht, horcht in sich hinein und merkt, dass sie dieses Gefühl, das in ihrer Kindheit so eine Übermacht hatte, einfach gelöscht hat. weiterlesen

Die Verletzlichen von Sigrid Nunez

Dann bricht die Pandemie aus, die Autorin sitzt ganz allein inmitten einem verwaisten New York, und versucht ihre Schreibblockade zu überwinden. Deshalb kommt der Hilferuf, ihrer schwangeren Kollegin, auf ihren Papagei aufzupassen, der zu vereinsamen droht, nicht ungelegen. weiterlesen

Krähen im Park von Christoph Peters

Christoph Peters hat ein grell-bunt schillerndes Potpourris verschiedener Charaktere, in unterschiedlichen Lebensituationen entworfen. Fröhlich und geistreich, greift er alle möglichen Klischees auf. Von alten weißen Männern, die nur eines wollen, über die Gewaltbereitschaft von Arabern im Allgemeinen, bis zum Umgang mit der leidlichen Pandemie, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. weiterlesen

Koller von Annika Büsing

Chris ist dermaßen angetan von Kollers blond gelockter Schönheit und seiner ungezwungenen Art, dass er ihn verhohlen anhimmelt. Koller sagt ihm, dass er mutiger werden muss und eigentlich weiß er das auch, aber seine Spießigkeit steht ihm im Weg. Er hat es gern ordentlich und vorhersehbar. weiterlesen

Liebes Arschloch von Virgine Despentes

Oscar unterstellt Rebecca, dass sie sich zur Ratgeberin junger Feministinnen aufgeschwungen hat und verrät damit, das ganze Ausmaß des Dilemmas, in dem er steckt. Seine ehemalige Pressereferentin Zoé Katana unterhält einen feministischen Instaaccount mit tausenden Followern. weiterlesen

Trophäe von Gaea Schoeters

Van Heeren hat ihn wieder einmal nach Afrika eingeladen. Er betreibt eine Lodge umgeben von einer Unmenge Land, an den Grenzen zum Nationalpark. Hunter hatte schon alles vor der Linse, wendige Springböcke, schlanke Antilopen, gefräßige Löwen, sogar eine Giraffe, aber das war irgendwie unschön. Das stolze Tier hat sich gar nicht gewehrt. weiterlesen

Liebe ist gewaltig von Claudia Schumacher

Julis Vater war unantastbar der Allerbeste im Hause Ehre, er war immer noch so attraktiv, dass sich die jungen Frauen nach ihm umdrehten, wenn er in seinem Cabriolet saß. Als Jurist war er sehr angesehen weil man Intelligenz und Sinn für Gerechtigkeit voraussetzte. Julis Mutter, immer am Hungern, um Kleidergröße 34 zur Schau zu tragen. Julis Vater kontrollierte das Wiegen und nannte seine Frau bei der geringsten Gewichtszunahme “Fette Sau”. weiterlesen

An Rändern von Angelo Tijssens

Es ist windig. Dunkelheit legt sich über den Ort seiner Herkunft. Er fährt mit dem Fahrrad, lauscht den verstummenden Vogelstimmen, Regen klatscht in sein Gesicht. Fährt vorbei an den alten Gewächshäusern des Gartencenters, sieht durch geborstene Fenster Dunkelheit. Der Imbiss liegt verlassen da, ein Schild bietet den Verkauf an. weiterlesen

Prima Facie von Suzie Miller

Tess ist Anwältin, hat sich auf Strafrecht spezialisiert. Sie ist zugleich gefürchtet und geachtet, erlaubt sich einfach keine Fehler. Der Weg hierher war hart. Mit einem Stipendium ehrte man ihre vorherigen Leistungen. Die meisten hielten das für Glück. Sie lässt sich ihre Herkunft nicht anmerken. weiterlesen

Das Tal der Blumen von Niviaq Korneliussen

In Dänemark fühlt sie sich anders, mit ihrer schmutzig braunen Haut und ihren dunklen Schlitzaugen. Sie versteht den spöttischen Ton ihrer Kommiliton*innen nicht. Sie macht die Leute nervös, weil sie direkt und burschikos ist. weiterlesen

Windstärke 17 von Caroline Wahl

Das Malen hat Ida aufgegeben. Immer düsterer wurden ihre Bilder. Ihre Gedanken haben sich regelrecht darin verfangen. Jetzt schreibt sie, also schrieb, hat alles rausgelassen, bis zu dem Tag, als sie mit ihrer besten Freundin Samara aus Prag zurückkam. An den Tag kann sie sich sehr genau erinnern. weiterlesen

Die schönste Version von Ruth-Maria Thomas

Jella hat Anzeige erstattet, sonst kann sie es keinem erzählen, beim besten Willen nicht, denn dann ist es ausgesprochen und wahr. Sie zweifelt an sich, war es wirklich so schlimm? Er hat ihr in den Bauch geschlagen, in den, den er sonst streichelt und ihr ihre Bauchwürde genommen, den Hals zugedrückt und ihr ihre Halswürde genommen. Ihre Alleswürde hat er ihr genommen und es war schlimm. Jella vermisst Yannick, nicht den, den anderen Yannick. weiterlesen

Schnall dich an, es geht los von Domenico Müllensiefen

Marcel, Steffi, Jessica und Pascal wachsen in der Nähe von Magdeburg auf. Sie gehen gemeinsam in die Klasse, die von Steffis Mutter, der Frau Baumann geleitet wird. Steffi ist trotzdem klassenbeste, Marcel und Pascal sind die Lichter ganz am Ende des Dunkels. weiterlesen