Nichts in den Pflanzen von Nora Haddada
Autorin: Nora Haddada, Genre: Psychologische Fiktion, Verlag: Eccoverlag, ISBN: 978-3-7530-0087-9, 1. Auflage 2023, 237 Seiten, Preis Hardcover €24,00
Die junge Drehbuchautorin Leila hat ihren ersten Vertrag bei einer großen Produktionsfirma unterschrieben. Ihre mäßig gelingende Schreibroutine kompensiert sie mit Nächten in Eckkneipen und auf Dinnerparties, die sie insgeheim langweilen. Man hält sich gegenseitig mit Erfolgsgeschichten am Leben – doch wie überlebt man wirklich zwischen Neid und Affären im harten Konkurrenzkampf der Kulturschaffenden?Witz, Verzweiflungstaten, Glamour, Selbstüberschätzung und Sinnsuche in einer scheinbar oberflächlichen Welt, deren Untiefen sich Stück für Stück beim Lesen auftun.
»Klug, abgründig und hintersinnig. Nora Haddada hat ein faszinierendes Debüt geschrieben, ich konnte kaum aufhören zu lesen.« Benedict Wells (Klappentext)
Die Ich-Erzählerin Leila liegt im oktoberlichen Brandenburg in Leons Datscha und sieht ihm beim Suchen seiner teuren Zuchtkatze Bessie zu. Er weiß nicht, dass sie tot ist, aber sie.
Einige Monate zuvor war Leila auf einer dieser Partys. Als angehende Drehbuchautorin muss man sich solche Versammlungen Kunstschaffender antun, vor allem, wenn man sein Drehbuch im Belde an den Mann oder die Frau bringen will. Sie bekommt den Tip, dass der gut aussehende Leon, sich mit ProduzentInnen umgibt und so versucht sie bei ihm zu Landen. Leon nimmt sich ihrer und ihres Drehbuchs an und reicht es tatsächlich weiter. Leila lernt Lenka kennen, eine obsessiv, sexy gestilte Frau, die ihr Drehbuch verfilmen will. Leila erhält einen Vertrag und einen Vorschuss, das muss gebührend gefeiert werden.
Nach einer ausgiebigen Leseprobe will Lenka, dass Leila die Protagonistin ihres Drehbuches freundlicher gestaltet, denn niemand würde einem so arschigen Charakter folgen wollen, mutmaßt Lenka.
Leon ist beruflich über die Maße eingespannt, muss sich richtig ins Zeug legen. Wenn sie sich am Wochenende sehen ist er so müde, dass er bald auf dem Sofa einschläft.
Leila gibt sich für ihre Verhältnisse wirklich Mühe ihr Drehbuch zu Ende zu schreiben, aber zuerst kommt immer etwas dazwischen und dann kommen die Fliegen.
Fazit: Die Autorin hat eine Protagonistin geschaffen, die niemand sein möchte. Eine Antiheldin, die ganz und gar auf sich konzentriert ist, die ihr Umfeld manipuliert, um ihr Ziel zu erreichen. Leila ist gehässig, brutal, frivol, boshaft und verletzend. Das sind viele Eigenschaften in einer Person, die mir den Lesefluss erschwert haben. Nichts desto Trotz mag ich die Geschichte, weil sie technisch gut gemacht und unterhaltsam ist. Die Autorin beginnt im Oktober und erzählt in der Rückschau, arbeitet sich Monat für Monat voran, bis die Person Leila immer klarer wird. Lässt mich in eine zutiefst oberflächliche Welt eintauchen, von der ich sagen kann, dass ich froh bin, nur Zuschauerin gewesen zu sein.
Die Autorin: Nora Haddada, geboren 1998 in Neunkirchen (Saar), studierte Kreatives Schreiben und Literaturwissenschaft in Hildesheim, Paris und Berlin. Sie arbeitete unter anderem als Drehbuchautorin, Vertretung in der Deutschen Botschaft Paris und Agentin in der Agentur Petra Eggers. Veröffentlichung in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt im Missy Magazin und Bella Triste. Einladungen auf Konferenzen und Festivals wie das „Insert Female Artist Festival- und „The Power(s) of Language“ (Stockholm). Sie lebt in Berlin.