Rezensionen Im Prinzip ist alles okay

Im Prinzip ist alles okay von Yasmin Polat

Autorin: Yasmin Polat, Genre: Fiktion, Verlag: Goya, ISBN: 978-3-8337-4563-8, 1. Auflage 2023, 333 Seiten, Preis Hardcover €22,00

Debütroman

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Miryam ist dreißig Jahre alt und vor wenigen Monaten Mutter geworden. Auf der Party einer alten Bekannten strahlt sie mit ihrem weißen T-Shirt um die Wette. Aber ist wirklich alles gut?
Seit der Geburt ihres Kindes ist Miryam von Selbstzweifel geplagt. Sie kann nicht stillen, leidet an postnatalen Depressionen und versucht trotzdem alles richtig zu machen.
Getrieben von der Scham über ihre Herkunftsfamilie und aus Angst, ihre gewaltvolle Kindheit zu wiederholen, tut sie alles, um so heil zu wirken wie die Mütter aus ihrem Umfeld und Instagram-Feed. Sie postet weichgefilterte Selfies von sich und ihrem Kind, informiert sich zu bedürfnisorientierter Erziehung und gesunden Beikost-Snacks.
Doch Miryam zieht sich immer mehr zurück. Auch online findet sie keinen richtigen Austausch. In den sozialen Medien wird zwar vieles besprochen, nicht aber die eigenen Familientraumata, die möglicherweise wieder auftauchen, sobald man selbst Mutter wird. Sie fühlt sich immer stärker überfordert, auch ihre Partnerschaft geht zu Bruch, doch schließlich findet sie ihren ganz eigenen Weg aus der Krise – und damit doch noch zu sich selbst.
Dem Roman gelingt es, mit ironisch-humorvollem Ton die Emanzipation einer jungen Mutter von familiär erlernten, destruktiven Mustern zu erzählen und ihren Weg in die Selbstbestimmtheit aufzuzeigen. Der Roman widmet sich den wichtigen Themen Mutterschaft und familiäre Gewalt mit viel Ironie und Eindringlichkeit.
„Schonungslos mitteilsam: Selbstausdruck ist für Yasmin Polat online wie offline eine Passion – und ihr täglich Brot. … Es gefällt ihr ‚einer Art Wahrheit nahezukommen‘, und dabei Freude oder ‚wenn es sein muss‘ – Trauer auszulösen“ Carolin Sprick, turi2
„Das Debüt von Yasmin Polat geht unter die Haut. Lest diesen Roman!“ Gina Schad, Autorin
„Yasmin Polats Roman ist wie ein Fenster, das man öffnet und sofort kommt frische Luft rein.“ Judith Poznan (Klappentext)

Miryam ist dreißig und gerade Mutter geworden. Bei der Selbstliebe-Hochzeit einer guten Bekannten taucht sie mit Freund Robert, ihrer Tochter und einer Schüssel Buchweizensalat auf. Ihr T-Shirt trägt sie über dem Rock um den offenen Reißverschluss zu verdecken. Sie hat ihre alte Figur noch nicht zurück und kaschieren ist das Mittel der Wahl. Während Freund Robert vorgibt auf die gemeinsame Tochter aufzupassen platziert Miryam sich in Büffetnähe in der Hoffnung, dass jemand ihren Salat lobt. Seit der Geburt giert sie besonders nach Bestätigung. Schuld daran sind die Selbstzweifel, weil sie schlecht drauf ist und nicht in der Lage die Kleine zu stillen. Sie hat auch Angst, dass sie ihrem gewalttätigen Vater ähnlicher ist, als sie möchte, zumindest spürt sie ihre große Ungeduld intensiv. Ihr Robert behandelt sie besser als ihr Ex-Ex-Freund. Damals war sie sechzehn und er dreißig. Und weil sie geweint hat, hat er ihr einen seiner Schuhe mit der Ledersohle durchs Gesicht gezogen. 

Eigentlich hat sie bisher alles verbockt, so war es auch mit Diego. Alles war traumhaft, bis sie ihren ersten gemeinsamen Urlaub in Ägypten verbrachten. Er war so lieb zu ihr, doch nach einem Tag in der Sonne (sie) und im Meer auf dem Surfbrett (er) spürte sie plötzlich nichts mehr für ihn. Da wo zuvor noch Liebe war, klaffte nun ein Vakuum. Ihr jetziger Robert gefällt allen Freundinnen gut. Er ist ihr Fels und sie seine Brandung. Gerade scrollt er am Handy und lässt die Kleine zwischen den Zigarettenkippen im Gras herumkrabbeln, das muss sie gleich mal verhindern.

Ihr Bruder Deniz ist ihr der liebste Mensch, ihn hat sie vor dem Vater beschützt und so wurden sie eine Einheit, eine Festung. Miryam hat früh damit angefangen den Vater zu lesen, wie er das Kinn vorschob und Alarmstufe rot signalisierte. Ihre Mutter schien blind für die Vorzeichen und deswegen hat sie die ganze Wucht seiner Wut abgefangen.

Fazit: Yasmin Polat hat ein Debüt geschaffen, das in allen Facetten den Leidensdruck häuslicher Gewalt einfängt. Die Protagonistin hat früh Verantwortung zu übernehmen und war in ständiger Alarmbereitschaft. Die Unberechenbarkeit ihres Vaters hat ihr Vertrauen in die Welt nachhaltig gebrochen. Die schweigende, depressive, aber auch manipulative Mutter und die Gewaltbereitschaft des Vaters, liefern den gut durchmischten Cocktail für Miryams Wut und Selbstsabotage. Sie möchte den roten Faden, der sie ebenfalls einspannt unbedingt kappen, ihrer Tochter ein besseres Vorbild sein, aber ihre Konditionierung steht ihr im Weg. Die Geschichte zeigt sehr gut die Schwierigkeiten einer solchen Traumatisierung, war mir persönlich jedoch stellenweise zu oberflächlich. 

Die Autorin: Yasmin Polat wurde 1989 geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Schon während ihres Studiums der Islamwissenschaften an der Freien Universität Berlin begann sie zu schreiben, unter anderem für den Tagesspiegel, ZEIT Campus, Edition F, taz, fluter.de und Focus Magazin. 2017 wurde sie vom Medium Magazin in die „Top 30 unter 30“-Liste gewählt. 2019 wurde ihr Sohn geboren, nach der Elternzeit war sie im ARD-Hauptstadtstudio Social-Media-Redakteurin. Danach zwei Jahre HOST beim Podcast „FOMO – Was habe ich heute verpasst?“, bis März 2023. Heute arbeitet sie als Moderatorin, Autorin und Podcast-Host, zum Beispiel bei „Verdammt Berühmt“. Im Prinzip ist alles okay ist ihr erster Roman.

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