Rezensionen Zorniger

Zorniger von Eva Förster

Autorin: Eva Förster, Genre: Fiktion, Verlag: Schiler & Mücke, ISBN: 978-3-89930-476-3, 1. Auflage 2025, 129 Seiten, Preis Taschenbuch €15,00

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Nachdem schon seine Frau Franziska vor einigen Jahren an Krebs verstorben war, erleidet Wolfgang Mühlberger den nächsten Schicksalsschlag, als er vom rätselhaften Tod seiner Tochter Nathalie in der Psychiatrie erfährt. Warum ist die Anfang Zwanzigjährige so plötzlich gestorben? Was hat es mit dem Broken-Heart-Syndrom auf sich, das der Psychiater vermutet? Und wer trägt die Schuld an Nathalies Tod? Mühlberger versucht den Tod seiner Tochter zu rekonstruieren und Erklärungen zu finden. Er fährt in ihre Wohnung, durchforstet ihr Handy, liest Tagebucheinträge, trifft sich mit ihrer besten Freundin. Bei dieser Suche lernt er nicht nur seine Tochter ganz neu kennen, sondern stößt auch auf einen ehemaligen Kommilitonen, mit dem er einen schicksalhaften Streit hatte, in den achtziger Jahren, an der Humboldt-Universität. Alte Geschichten und verdrängte Gefühle holen ihn ein. (Klappentext)

Wolfgang Mühlberger hat seine Frau Franziska an den Krebs verloren. Jetzt überfällt ihn der überraschende Tod seiner Tochter Nathalie. Die Zwanzigjährige hatte sich in die Psychiatrie einweisen lassen. Er fährt mit dem Taxi nach Hause und wird von seiner Haushälterin Galina empfangen. Sie war Franziskas Pflegerin und nachdem sie verstorben ist, einfach bei ihm geblieben. Er öffnet die Bar und entnimmt die Cognacflasche, lässt die goldbraune Flüssigkeit direkt durch seine Kehle laufen. Galina bringt ihm das Telefon, das er widerspenstig entgegennimmt. Dr. Hahnefeld möchte mit ihm über Nathalie sprechen, ob er gleich vorbeikommen könnte. Er packt die Cognacflasche in seine Aktentasche und wankt in den Flur. Galina folgt ihm besorgt und fragt, was los ist? Mühlberger winkt ab, hält vor der Haustür inne, lehnt sich mit dem Rücken gegen die Wand und lässt sich daran hinabgleiten. Nathalie ist tot, stammelt er. Der Taxifahrer, den Galina gerufen hatte, hupt genervt vor der Tür. Mühlberger steht auf und sieht im Spiegel, dass die Wand sein Jackett verfärbt hat. Fluchend zieht er das Schurwollgemisch aus und entscheidet sich für einen Trenchcoat.

Er steigt auf den Rücksitz und der Fahrer blafft ihn wegen der fehlenden Begrüßung an. „Guten Tag“, sagt Mühlberger zerknirscht. Er schämt sich, denn der Mann kann ja nicht wissen, was ihm in der letzten Zeit widerfahren ist. Vor der Klinik nimmt er noch einen großen Schluck Cognac, dann geht er nach oben. Dr. Hahnefeld begrüßt ihn überschwänglich und spricht ihm sein Beileid aus. Der attraktive Arzt mit den schneeweißen Zähnen und der bronzefarbenen Haut hat keine Ahnung, warum Nathalie gestorben ist. Sie hatte eine schwere Depression und eine generalisierte Angststörung. Er hatte ihr ein Antidepressivum verordnet, das auch leicht gegen die Ängste half. Sie bekam darüber hinaus aber auch Bedarfsmedikation. Er möchte ihrem Tod nachgehen und sie obduzieren.

Fazit: Eieiei, was war das denn? Eva Förster hat nach mehreren Gedichtbänden nun ein Prosastück geschrieben. Ich fand die Beschreibung im Klappentext interessant, allerdings hat mich die Umsetzung gar nicht abgeholt. In dieser Erzählung ist in etwa alles passiert, was ein gutes Lektorat vermieden hätte. Zu viel Dramatik, die zwar den Kopf, aber das Herz nicht erreicht. Syntax:

Mühlberger hatte schon einmal erlebt, dass er die ganze materielle Wucht eines vergangenen Lebens übergeholfen bekommen hat. S. 24

Er bemerkte, wie die Flasche leer wurde. S. 25

Die Dialoge sind dürftig und gestelzt. Die Autorin hat an beliebigen Stellen Fremdworte eingestreut. Möglicherweise um den Eindruck zu erwecken, dass sie eine besondere Bildung genossen hat, es erschwert aber ungemein den Lesefluss. 

Zu viele Adjektive. Zu viele Informationen

Bewertungen: Sein bester Freund ist bisexuell und

frönt im Darkroom seiner fleischlichen Lust. Dadurch, dass er trinkt, schwinden wohl auch seine Ansprüche.“ S. 67

Die Autorin lässt sich in ellenlangen Personenbeschreibungen aus, ich hätte gerne mehr über die charakterlichen Eigenschaften erfahren.

Der Protagonist ist unsympathisch, hochneurotisch, lahm und langweilig. Seine „Schicksalsschläge“ müssten mich doch eigentlich rühren und auf seine Seite ziehen, aber da war kein Gefühl in mir.  

Man kann dieses anspruchsfreie 130 Seiten Büchlein fix weghapsen, man kann es aber auch lassen. 

Die Autorin: Eva Förster wurde im Jahr 1968 in Berlin-Prenzlauer Berg geboren. Sie arbeitete im Berliner Ensemble und studierte Theaterwissen­schaft in Berlin und Paris. Ab Mitte der neunziger Jahre arbeitete sie journalistisch für Hörfunk und Zeitung, verfasste Features, Theaterkritiken und ein Hörspiel. In den Jahren 2009, 2012, 2015 und 2022 erschienen im Verlag Schiler & Mücke ihre Lyrikbände Weit Gehen, Vom Weg ab, Das Gedächtnis des Handrückens und Des Sterbens müde. Neben ihrem Schreiben betreut sie seit 2023 das Werk ihres Vaters, des Bildhauers Wieland Förster. Eva Förster lebt in Berlin-Pankow.

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