Die Dauer der Liebe von Sabine Gruber
Autorin: Sabine Gruber, Genre: Zeitgenössische Romantik, Verlag: C.H. Beck, ISBN: 978-3-406-80696-4, 2. Auflage 2023, 251 Seiten, Preis Hardcover €24,00
Platz 1 der ORF – Bestenliste August 2023
Wie ist es, ohne den andern weiterleben zu müssen?
Ein morgendliches Klopfen an der Tür zu ihrer Wiener Wohnung, die Übersetzerin Renata Spaziani öffnet, und die Nachricht, die ihr ein Polizist überbringt, ändert alles: Konrad Grasmann, mit dem sie die letzten fünfundzwanzig Jahre zusammengelebt hat, die Liebe ihres Lebens, ist, erst Anfang sechzig, schon am vorigen Tag auf einem Parkplatz gestorben.
Seine Herkunftsfamilie war verständigt worden, Renata aber nicht. Und während sie den Schock des jähen Endes ihrer innigen Partnerschaft verkraften muss, Konrad am liebsten nachsterben will und sich doch ins Leben zurückkämpft, muss sie aushalten, dass Konrads Familie diese Partnerschaft nicht respektiert. Renata und Konrad waren nicht verheiratet, ihr Gefährte hat kein rechtsgültiges Testament hinterlassen. Renata wird doppelt beraubt … Ergreifend, poetisch und klug, gelegentlich zornig und auch komisch erzählt Sabine Gruber in „Die Dauer der Liebe“ davon, wie es ist, ohne den anderen weiterleben zu müssen.
– ORF-Bestenliste August und September 2023: Platz 1
– „Sabine Gruber findet eine Sprache für das eigentlich Unfassbare.“ Deutschlandfunk, Undine Fuchs
– „Ein tieftrauriges Buch, das in seiner literarischen Kraft und Schönheit vielen Menschen viel geben kann.“ Deutschlandfunk Kultur Lesart, Joachim Scholl
– Erstmals im Taschenbuch (Klappentext)
Renatas Nichte Paulina ist bei ihr, als der Polizist zum dritten Mal vor ihrer Tür steht und zum dritten Mal klopft, um ihr eine Nachricht zu überbringen, die sie erschüttern wird. Konrad ist tot! Ihr geliebter Partner, mit dem sie die letzten fünfundzwanzig Jahre verbracht hat. Sie waren die besten ihres Lebens.
Konrads Mutter Henriette hat es Renata schwer gemacht. Sie kontrollierte Konrad, wenn er zuhause war. Sie betet vor jeder Mahlzeit demonstrativ und starrt Renata dabei an. Sie ist unsittlich, findet Henriette: zu kurzer Rock, zu tiefer Ausschnitt, der Nagellack auf den Zehen, die rasierten Beine. Wie Maria Magdalena flüstert Henriette, so dass Renata es hört. Sie muss die langen Haare zusammenbinden im Schwiegermutterhaus.
Bevor Renata zu Konrads Mutter fährt, besucht sie Konrads Freunde Leonhard und Elisabeth. Elisabeth ist Scheidungsanwältin und erläutert Renata in groben Zügen, was es bedeutet, dass Konrad kein Testament hinterlassen hat.
Als Renata Henriettes Haus betritt, dreht die sich weg und keift: „Du hast dich nicht genug um ihn gekümmert!“. Ein Blick in Konrads Saab sagt ihr, dass er leergeräumt ist. Alle CDs, die sie auf ihren gemeinsamen Reisen gehört haben, weg.
Henriette konnte nichts für sich behalten, nichts verschweigen und im Verschweigen auch nichts zum Leuchten bringen. Sie musste alles zudecken, mit Worten verdunkeln. S. 67
Fazit: Sabine Gruber hat die Tragik des Verlustes eines geliebten Menschen, mit dem man alt werden wollte, eingefangen. Beide hatten sich in ihrem wohlsituierten Leben eingerichtet und gemeinsame Reisen und Interessen in vollen Zügen genossen. Dann wird er, gerade Anfang sechzig, auf einem Parkplatz, aus dem Leben gerissen. Die Protagonistin hat nicht nur damit zu kämpfen, dass die Trauer sie niederzureißen droht, sondern auch mit einer Familie, die sie tief verachtet und ihr alles wegnimmt. Ich erlebe in Renatas Rückblicken, was die beiden verbunden hat. Die kulturellen Errungenschaften Kunst und Restaurantbesuche sind intensiv und sinnlich beschrieben. Innerhalb der Beziehung wächst Renata neben dem dominanten Konrad auf Augenhöhe heran. Der Kampf, den seine Familie gegen sie führt, hat die Autorin unprätentiös, fast sachlich beschrieben und gerade dadurch echte Wut in mir ausgelöst (ich hasse Ungerechtigkeit) Insgesamt habe ich die Geschichte mit Spannung und Empathie gelesen.
Die Autorin: Sabine Gruber, lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Für ihre Erzählungen, Gedichte, Hörspiele und Theaterstücke sowie ihre Romane „Aushäusige“, „Die Zumutung“ (C.H.Beck, 2003), „Über Nacht“ (C.H.Beck, 2007), „Stillbach oder Die Sehnsucht“ (C.H.Beck, 2011) und „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ (C.H.Beck, 2016) erhielt sie zahlreiche Preise und Stipendien, u.a. den Anton-Wildgans- Preis, den Veza-Canetti-Preis und den Österreichischen Kunstpreis für Literatur. Sabine Gruber war mit „Über Nacht“ für den Deutschen und mit „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ für den Österreichischen Buchpreis nominiert.