Rezensionen Bittersüss

Bittersüss von Hattie Williams

Autorin: Hattie Williams, Genre: Zeitgenössische Romantik, Verlag: Ullstein, ISBN: 978-3-550-20293-3, 1. deutschsprachige Auflage 07/2025, 429 Seiten, Preis Hardcover €23,99

Aus dem Englischen von Hanna Hesse

Debütroman

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So überwältigend und süchtig machend wie die erste Liebe
Charlie lebt ein Leben, von dem sie nach dem Tod ihrer Mutter nie zu träumen gewagt hätte. Sie arbeitet in London in dem Verlag, der bald das neue Buch des preisgekrönten Richard Aveling herausbringt. Als Charlie bei einer Zigarette im Regen mit dem dreißig Jahre älteren Richard zusammenstößt, ist sie überwältigt. Zum ersten Mal fühlt sie sich gesehen und ernst genommen. Was als filmreife Begegnung im Regen beginnt, entfaltet sich zu einer Affäre, die auf Macht, Kontrolle und Schweigen beruht. Charlie wird verzehrt von der Liebe, dem Unverständnis ihrer Freunde, den Anforderungen von allen Seiten. Bis es sie zerreißt.
‚So eindringlich, kraftvoll und schön – ein Roman, der lange nachhallt und zu Diskussionen anregt.‘ Jodi Picoult ‚Hattie Williams schreibt so ehrlich über Liebe und Verlust, dass es weh tut. Bei diesem Buch werden Sie sich nach Ihren Zwanzigern sehnen und gleichzeitig froh sein, dass Sie sie überlebt haben.‘ Abigail Dean (Klappentext)

Richard Aveling, Mitte Fünfzig, grau melierte Schläfen mit dichtem schwarzen Haar. Er ist der Vorzeigeautor des Verlags Winden & Shane und Charlie bewundert ihn schon seit Jahren. Sie hätte nie geglaubt, dass sie ihm einmal leibhaftig begegnen würde. Doch dann steht er vor ihr, als sie die Hintertür des Verlags aufstößt, um eine Zigarette zu rauchen. Charlie bewarb sich mit zweiundzwanzig, jetzt arbeitet sie seit einem Jahr dort als Assistentin der Pressearbeit unter ihrer direkten Vorgesetzten Cecile. 

Ihre beste Freundin Ophelia bot ihr für kleines Geld ein Zimmer in einem Haus ihrer Eltern an. Schöner hätte sie im teuren London nirgendwo wohnen können. Jetzt wohnen sie mit Eddy in einer WG. Alle arbeiten bei Winden & Shane, kochen jeden Abend miteinander, besuchen Partys und tauschen sich über den neuesten Verlagsklatsch aus. Das hätte Charlie sich nicht träumen lassen, als sie aus dem Haus ihres Stiefvaters ausgezogen ist. An ihren richtigen Vater hat sie keine Erinnerung mehr, ihre Mom trennte sich frühzeitig und heiratete wieder. Auch das Bild ihrer Mom, ihr Geruch verblasst langsam. Sie starb, als Charlie sechzehn war. 

An einem für London typischen regnerischen Montagmorgen schickt Cecile Charlie zu Avelings Wohnung, damit sie ihm die Druckfahne seines neuen Buches bringt. Cecile möchte, dass Charlie keinesfalls seine Wohnung betritt, aber dann bittet er sie mit nach oben zu kommen und lädt sie zu einem Kaffee ein. Sie kommen ins Gespräch und Charlie kann nicht anders, als diesen attraktiven, erfolgreichen Mann zu verehren.

Ich wollte locker und unkompliziert rüberkommen, ihm nicht zeigen, wie ich eigentlich war, ein nervöses Mädchen, das es allen recht machen wollte. S. 111

Fazit: Hattie Williams ist mit ihrem Debütroman etwas Besonderes gelungen. Sie lässt ihre Ich-Erzählerin die Vergangenheit rekonstruieren und schafft mit dieser fiktiven Geschichte eine Nähe von autobiografischer Schönheit. Die emotional labile Charlie trifft einen exzentrischen, verheirateten Mann, der ihr Vater sein könnte. Ihre Bedürftigkeit nach Sicherheit und das Bedürfnis, gesehen zu werden, treibt sie in eine Affäre, die er forciert. Sie ist ihm weder körperlich noch emotional gewachsen. Die Intension des Autors bleibt für Charlie nebulös. Im Laufe der Affäre spaltet er sie von ihren Freunden ab und treibt sie in die Isolation. Entweder er blockt ihren Wunsch zu reden ab, oder er erregt ihr Mitgefühl. Letztendlich geht es nur darum, sein Ego zu streicheln. Er wird größer und wichtiger, sie kleiner. Eine toxische Beziehung par excellence, die sich so subtil entwickelt, dass auch ich als Außenstehende zwischenzeitlich meine Zweifel an der Nichtaufrichtigkeit Avelings hatte. Das vorauszusehende Ende der Liaison ist grausam und weckt tiefes Mitgefühl und das Ende des Buches ist so berührend und heilsam. Die Autorin beherrscht die Kunst, sich ganz tief in ihre Figuren hineinzuversetzen und alle Gefühle zu zeigen. Auch das Thema Depression hat sie bestens umgesetzt. Chapeau, das hat mich unglaublich gut unterhalten

Die Autorin: Hattie Williams ist als junge Musikerin ausgiebig durch Europa getourt. Sie hat drei Studioalben aufgenommen und erfolgreich als Komponistin gearbeitet. Ihre Tracks werden nach wie vor regelmäßig im Fernsehen und bei Streaming-Diensten in aller Welt gespielt. Mit Mitte zwanzig landete sie eher zufällig in der Verlagsbranche, und aus einem Aushilfsjob wurde eine zwölfjährige Karriere, in der sie mit einigen der größten Autoren der Welt zusammenarbeitete. Sie verbringt so viel Zeit wie möglich in Island und organisiert das Iceland Noir Literary Festival, das jeden November in Reykjavík stattfindet.
Instagram @hattiewilliamswrites

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