Migrations Fiktion 2024-25

Unter Dojczen von Mia Raben

Jolanta Maria Szczerbic ist ein beliebtes Importprodukt aus Polen. Sie kommt mit anderen aus ihrer Heimat im Bus nach Deutschland, um bei Familien zu arbeiten. Sie macht Pflegearbeit für alte Menschen, putzen, einkaufen, Hausarbeit, schafft aber auch Leute vom Bett in den Rollstuhl und dann in den Garten. weiterlesen

Zweistromland von Beliban zu Stolberg

Dilan und Johan leben in Istanbul. Er wollte nicht nach Schweden zurück und so folgte er Dilan in die Türkei. Obwohl sich die Sprachlosigkeit zwischen sie geschlichen hat, erwarten sie ein Kind. Dilan fährt alleine zur Beisetzung ihrer Mutter nach Deutschland, vor allem um ihrem Vater beizustehen. Bei der Beerdigung taucht eine Frau auf, die Dilan nie zuvor gesehen zu haben glaubt, aber die Ähnlichkeit mit ihrem Vater ist unverkennbar. weiterlesen

Vaters Meer von Deniz Utlu

Yunus macht sich auf den Weg herauszufinden, wer sein Vater war. Dieser stolze Mann, der nur seine arabische Muttersprache sprach, wenn er schimpfte oder jemanden verfluchte. Sein Sinn für Musik und das geschriebene Wort. Seine Präsenz, wenn er Menschen begegnete. weiterlesen

Streulicht von Deniz Ohde

Ihr Vater hat vierzig Jahre lang vierzig Stunden pro Woche Aluminiumbleche in Laugen getunkt. Er will nichts mit den Menschen im Ort zu tun haben, meidet sie oder wendet sich ab und die Leute weisen ihn ab. Gleich hinter dem Mehrfamilienhaus brummt der Industriepark der Chemiefabrik. Die Luft schmeckt säuerlich, der winterliche Schnee ist klebrig und die Nächte sind hell. weiterlesen

Ruh von Sehnaz Dost

Cemal trifft Georg jetzt regelmäßiger. Für Cemal ist es ein überraschendes und stilles Begehren. Georg ist tiefenentspannt und selbstbewusst, Cemal nachdenklich und unsicher. Ihre Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein. weiterlesen

Meine Katze Jugoslawien von Pajtim Statovci

Emine ist Kosovarin. Sie lebte mit ihren Eltern in den Bergen und träumte von einer großen Stadt. Denn die Kosovarinnen können keinen Beruf ergreifen oder hatte hier je jemand von einer Polizistin, Lehrerin, Juristin oder gar Politikerin gehört? weiterlesen

Als wir Schwestern waren von Fatimah Asghar

Noreen, die Chefin des Spielplatzes und älteste, Aisha, die Stille und Kausar, die Jüngste, das sind die drei Schwestern, die schon früh die Mutter verloren haben und jetzt noch den geliebten Vater. Er wurde auf der Straße erschossen. Nun sitzen viele Tanten im Wohnzimmer und weinen. weiterlesen

Russische Spezialitäten von Dmitrij Kapitelman

Dimchik verzweifelt, weil Mama russisches Fernsehen in Warteschleife konsumiert. In Sibirien werden die Menschen von minus 30° Celsius beherrscht, sagt der Reporter. Daraufhin verkündet Mama stolz: „Na und, es waren auch schon minus 50°!“ Woraufhin Dimchik sich fragt, worauf Mama stolz ist, auf die russische Kälte? weiterlesen

Der Kommandant des Flusses von Ubah Cristina Ali Farah

Yabar blutet aus einem Auge. Es ist mehr als dumm gelaufen. Er ist sich sicher, dass er es noch über diese Brücke des Tiber bis vor die Tür des Krankenhauses schafft und tatsächlich, vor dem Haupteingang bricht er zusammen und verliert das Bewusstsein. weiterlesen

Bruder, wenn wir nicht Family sind, wer dann von Oliver Lovrenski

Marco und Ivor kennen sich seit der fünften. Ivor ist halbe Kartoffel, nur seine Mutter kommt aus Kroatien. Marco ist schwarz wie die Nacht und muslimischer Somali. In der Schule hatten sie es voll drauf, Aufgaben gemacht, sich noch am späten Abend angerufen und ihre Ergebnisse abgeglichen. Ivor wollte Anwalt werden mit fetter Kanzlei und so. weiterlesen

Terafik von Nilufar Karkhiran Khozani

Nilufars Vater Khosrow kommt aus Iran, ihre Mutter aus Deutschland. Sie leben in Gießen in einer Plattenbauwohnung. In Khosrows iranischer Familie sind nahezu alle Ingenieure geworden, deshalb ist Khosrow sehr ambitioniert zu studieren. Sein letzter Versuch zur Nachprüfung steht an, aber an dem Tag kommt Professor Fenner einfach nicht. weiterlesen

Wo die Geister tanzen von Joana Osman

Eine erschütternde Geschichte über den schwelenden und immer aufs Neue eskalierenden Nahostkonflikt, die mit großer Leichtigkeit erzählt und an den richtigen Stellen großzügig mit Humor gewürzt wurde. weiterlesen

Im Morgen wächst ein Birnbaum von Fikri Anil Altintas

Während Anil heranwächst, versucht er seinen Vater zu verkörpern. Er versteckt seine Tränen, wie sein Vater, spricht nicht über Dinge, die ihm unangenehm sind, wie er. Erst als er seinen eigenen Weg geht und sich Hilfe sucht, um seine tiefe Traurigkeit zu überwinden, spürt er das Gewicht, der elterlichen Erwartungen. weiterlesen

Vatermal von Necati Öziri

Die ganze Geschichte ist unfassbar gut geschrieben. Necati beherrscht sein Handwerk mit Bravour. In mir hat er ein emotionales Feuerwerk ausgelöst. weiterlesen

Gegen Morgen von Deniz Utlu

Der Autor schickt seinen Ich-Erzähler auf Spurensuche, zu seiner Mutter, in die alte Wohnung, in der sie jetzt allein wohnt und altert. In die Zimmer der alten Studentenbude, in der er immer noch lebt und lässt ihn alle prägnanten Stellen seines Lebens noch einmal erfahren. weiterlesen

Der Hof im Spiegel von Emine Sevgi Özdamar

Die Autorin hat eine beeindruckende Beobachtungsgabe. Sie sieht alles und schafft es das gesehene in präzise Worte zu fassen. Ich sehe was sie sieht. Die Themen, die die Autorin bearbeitet, sind das Ankommen, das Loslassen, das Anpassen und die Verbindung zweier unterschiedlicher Kulturen. weiterlesen

Hund Wolf Schakal von Behzad Karim Khani

Ein großartiger völlig plausibler Gegenwartsroman. Seine orientalischen Schlenker machen die Sprache besonders. weiterlesen

Als wir Schwäne waren von Behzad Karim Khani

Seit einem Jahr leben sie in der Hochhaussiedlung im Ruhrpott. Seine Eltern haben mit ihm den Iran verlassen, weil die Zustände lebensgefährlich wurden. Sein Vater fährt in der Nacht Taxi und am Vormittag verkauft er im Kiosk Zeitschriften, Schnaps und Bier, damit seine Frau von vorn anfangen kann. Sie wiederholt das Soziologiestudium, das Deutschland ihr aberkannt hat. weiterlesen

Das Schweigen in mir von Layla AlAmmar

Tower 1, dritte Etage Mitte. Der Dad ist mit Sicherheit Trinker. Regelmäßig steht er vor der Haustüre und brüllt nach oben. Sein Sohn oder seine Tochter lassen dann die Schlüsselkarte nach unten fallen. Manchmal huscht der Wind darunter, lässt sie an ihm vorbeisegeln und ihn fluchen. Seine zierliche Frau trägt seine Fingerabdrücke auf ihren Unterarmen. weiterlesen

Die Sehenden von Sulaiman Addonia

Während britische Truppen die Italiener besiegen, die fünfzig Jahre über Eritrea geherrscht hatten, wurde Hannahs Mutter geboren. Als Hannahs Großvater in den Straßen ihre Befreiung feierte, drehte sich ein Engländer zu ihm und sagte: „Ich Hab Das Nicht Für Dich Gemacht! N*****. weiterlesen