Rezensionen Haus aus Wind

Haus aus Wind von Laura Naumann

Autorin: Laura Naumann, Genre: LGBTQ Fiktion, Gegenwartsliteratur, Verlag: S. Fischer, ISBN: 978-3-10-397536-9, 1. Auflage 2024, 332 Seiten, Preis Hardcover €25,00

Debütroman

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»Ein Buch von radikaler Schönheit.«
Antje Rávik Strubel
Getrieben von düsteren Gedanken in ihrem Alltag und einem unentwegten Rasen im Körper strandet Johanna in einem Surfcamp an der Algarve. Anstatt nach zwei Wochen Sommerurlaub nach Hause zurückzukehren, ihre Karriere als Synchronsprecherin wieder aufzunehmen und die Beziehung zu Rosa zu retten, bleibt sie an der Atlantikküste. Sie beginnt im Surfcamp zu arbeiten, verliebt sich in zwei Frauen auf einmal und scheint sich mit jedem Tag in den Wellen etwas leichter zu fühlen. Doch mit dem Herbsteinbruch holt sie das wieder ein, was sie eigentlich hinter sich lassen möchte.
»Haus aus Wind« ist ein Surfroman ohne Surferboys, ein Sommerroman mit einem stürmischen Winter. Das verspätete Coming of Age eines zu früh erwachsen gewordenen Kindes. Und die Geschichte einer queeren ostdeutschen Frau, die nach ihrer eigenen Stimme sucht. (Klappentext)

Johanna ist Synchronsprecherin seit ihrem elften Lebensjahr. Ihre Mutter hatte sie für ein Casting angemeldet und kurz darauf war sie zum Shootingstar avanciert. Johanna hat sich in der Branche einen Namen gemacht, ist breit aufgestellt, angenehm und unkompiziert in ihrem Wesen. Zehn Jahre später hat sie eine Agentin, die sie regelmäßig vermittelt und so was wie Burnout. Zu allem Übel hat Rosa, Johannas Freundin sich nach sieben Jahren getrennt, weil sie Kinder will und Johanna Kinder nicht ausstehen kann. 

Johanna nimmt sich eine zweiwöchige Auszeit, flieht aus ihrer Zweizimmerwohnung, die ohne Rosa still geworden ist und checkt in den Flieger an die Algarve ein. Im Atlantik surfen schwebt ihr vor, nur lernen muss sie es noch.

Am strandnahen Boardverleih trifft sie auf die Portugiesin Luz (Lusch). Sie ist nicht nur Surftrainerin, sondern die Koryphäe im männerdominierten Sport. Ganz weit oben war sie, bis sie unfreiwillig geoutet wurde, aus dem Team flog und alle Sponsoren ihr den Rücken kehrten. Johanna leiht sich ein Board, macht keine gute Figur und lässt sich von Luz bevormunden. Tags darauf ist Johanna um 9 Uhr 30 wieder da, angezogen durch Luz Attraktivität und Fähigkeiten. Während des Trainings gesellt sich die sommersprossige Robyn zu Luz. Sie kommt aus Australien, lebt aber schon länger in Portugal.

Fazit: Laura Naumann hat mich mit ihrer großartigen Geschichte im Sturm erobert. Sie zeigt das Leben ihrer sanftmütigen Protagonistin, die unter der großen Angst leidet, etwas falsch zu machen. Statt einen unbedachten Schritt zu gehen, macht sie lieber keinen. Und so treibt das Leben sie vor sich her. Ihre Familie aus dem Osten Deutschlands geht im Westen den Schritt in die Selbständigkeit und baut sich eine gut florierende Baufirma auf. Die Mutter realistisch, kühl und leistungsorientiert findet selten Zeit für ihre Tochter. Die wiederum verdient schon mit elf Jahren ihr eigenes Geld, hat aber nicht gelernt ihre Grenzen zu erkennen und Nein zu sagen. An der Algarve schlitterte sie in mehrere Fettnäpfchen, kommt sich aber auch näher. Ich habe die Geschichte so gerne gelesen, weil es um eine junge Frau geht, die Probleme mit sich selbst hat, obwohl ihre Eltern keine Monster sind. Und im Gegensatz zu verschiedenen anderen LGBTQ Geschichten geht es einmal nicht ständig um Begehren, Leidenschaft und den körperlichen Akt, auch das hat mir gut gefallen. Verschiedene Stilblüten, die ich sonst nirgendwo gelesen habe, fand ich besonders. Viele Dialoge sind realitätsnah in Englisch erzählt und obwohl ich keine Granate der englischen Sprache bin, habe ich das, worum es geht emotional erfassen können. Das war rundum gelungene Unterhaltung, die die Schwierigkeiten der Protagonistin ohne großes Pathologisieren aufgezeigt hat. 

Die Autorin: Laura Nauman, geboren 1989 in Leipzig, lebt in Berlin. Ihre Theaterstücke wurden im deutschsprachigen Raum zahlreich aufgeführt und ausgezeichnet, u.a. schrieb sie Auftragswerke für das Schauspielhaus Bochum, das Schauspiel Frankfurt und das Staatsschauspiel Dresden. Sie ist Mitbegründerin der Performancekollektive machina eX und Henrike Iglesias. Sie studierte bis 2012 Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim und seit 2022 Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. ‚Haus aus Wind‘ ist ihr Romandebüt. 

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