Rezensionen Ghost Mountain

Ghost Mountain von Rónán Hession

Autor: Rónán Hession, Genre: Fiktion, Verlag: Blessing (Penguinrandomhouse) ISBN: 978-3-89667-762-4, 1. deutschsprachige Auflage 2024, 350 Seiten, Preis Hardcover €24,00

Aus dem irischen Englisch von Andrea O´Brien

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Auf unerklärliche Weise steht plötzlich ein Berg dort, wo zuvor nur brachliegende Felder waren. Die neue Erhebung bringt das Leben der lokalen Bevölkerung über Nacht durcheinander: Da sind der Landeskartenbeamte, der seine Stunde gekommen sieht, und seine schöne Frau mit den Korkenzieherlocken, die sich sehnlich ein Kind wünscht. Da sind der stadtbekannte Säufer, der aber kein Alkoholiker ist, und die frühpensionierte Kunstlehrerin, deren Hund tragisch an einem Ball erstickt. Und da sind ein junger Mann mit einer jungen Seele und seine junge Frau mit einer alten Seele. Alle sind sie miteinander verbunden, ihr Schicksal und das ihrer Nachfahren wird unausweichlich durch den Berg bestimmt.

»Dieser Roman fasziniert (…). Er ist witzig, intensiv und seltsam fesselnd; schließlich sind es die kleinen, scheinbar unbedeutenden Ereignisse (…), die die Textur eines Lebens ausmachen.« Financial Times (Klappentext)

Ganz in der Nähe von dort, wo Ruth und Ocho wohnen, erschien der Berg. Zuerst fiel es nur Elaine auf, die mit ihrem Hund – verbotenerweise – dort spazieren ging. Verbotenerweise, weil der ehemalige Großgrundbesitzer per Gerichtsbeschluss erwirkte, dass das Gassigehen auf seinem Grund und Boden zu untersagen ist. Elaine hielt dagegen und ging aussichtslos in die Berufung. Nun lebt der Unmensch nicht mehr und sein Sohn weilt in der Ferne, denn er habe sich seines Vaters entfremdet. 

Ocho sitzt auf der Mauer hinten im Garten und schaut der Sonne beim Sinken und seinen Gedanken beim Weiterziehen zu. Irgendetwas hatte sich verändert, hatte Selbstzweifel in ihm ausgelöst und ihn in seinen Grundfesten erschüttert. Seine Angebetete Ruth weiß, dass Ocho zu Neurosen neigt. Sie erklärt es sich damit, dass er eine junge Seele und sie eine alte Seele sei. Die junge Seele neigt zu Erschütterungen, weil sie noch nicht so oft gelebt und entsprechend wenige Erfahrungen sammeln konnte. Ruth dagegen ist eher rational und besonnen.

Der stadtbekannte Säufer wirft zuweilen Backsteine durch die Gegend. Gerne direkt ins Polizeirevier und selten auch bei Privatleuten. Um sich zu erkennen zu geben und seine Forderungen zu untermauern, befestigt er einen Zettel daran. Die Polizei ist das schon gewohnt und schickt per Beschluss die Zahlungsaufforderungen für die zerstörten Fenster. Der Säufer, der kein Alkoholiker ist, sondern literweise Selbstvertrauen tankt, stundet die Beträge. 

Fazit: Rónán Hession hat eine wundersame Erzählung geschrieben, die mich veranlasste zu hinterfragen, worum es eigentlich geht. Tja, er hat zehn Menschen um einen Berg herum versammelt. Jede*r von ihnen hat ihre/seine Eigenarten, wie im wirklichen Leben. Der Autor hat die Schicksale der Leute miteinander verwoben und lässt mich bei der erstaunlichen Entwicklung der Ereignisse zusehen. Alles ist einfach gehalten. Es gibt keine Schachtelsätze, daher liest es sich angenehm. Einige Sequenzen haben mich schmunzeln lassen, andere fand ich eklig und ein paar Szenen haben mich erschüttert. Alles in allem war es nicht meins. Vielleicht hatte ich mir nach dem erfolgreichen Debütroman „Leonard und Paul“ etwas anderes vorgestellt. Auch dieses Mal ist er seinem Schreibstil treu geblieben, aber mit dieser Handlung konnte ich wenig anfangen.

Der Autor: Rónán Hession, geboren 1975, lebt als Schriftsteller und Musiker in Dublin. Unter dem Namen Mumblin‘ Deaf Ro hat er drei Musikalben produziert. Die letzte Veröffentlichung, ‚Dictionary Crimes‘, wurde für den ‚Choice Music Prize‘ (Album des Jahres) nominiert. Sein international gefeierter Debütroman ‚Leonard und Paul‘ war u. a. auf der Shortlist der ‚Irish Book Awards‘ (Newcomer of the Year 2019) und stand in Deutschland auf der Shortlist für das ‚Lieblingsbuch der Unabhängigen‘ 2023.

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