Rezensionen Was wollt ihr denn noch alles?

Was wollt ihr denn noch alles von Alexandra Zykunov

Autorin: Alexandra Zykunov, Genre: Sachbuch, Feminismus, Verlag: Ullstein, ISBN: 978-3-548-06824-4, 1. Auflage 2023, 304 Seiten, Preis Hardcover €15,99

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»Alexandra Zykunov will das Patriarchat brennen sehen.«
Julia Knörnschild, Autorin und Potcasterin
In ihrem neuen Buch versammelt die Bestsellerautorin unbekannte, aber leider sehr reale Zahlen, Studien und Absurditäten, die nicht nur aufzeigen, wo Frauen hierzulande benachteiligt werden, sondern wie ihr Leben dadurch anstrengender, ärmer und im Zweifelsfall lebensgefährlicher wird. Auch heute noch. Ein paar Beispiele? Frauen haben ein 32 Prozent höheres Risiko zu sterben, wenn sie von einem männlichen Chirurgen operiert werden. Die Energiekrise hat die Preise für Frauenbekleidung und andere weibliche Produkte höher steigen lassen als für männliche. Algorithmen zeigen Frauen absichtlich schlechter bezahlte Jobs an, und deutsche Gesetze hindern Väter daran, Kinderkrankentage zu nehmen. In ihrem wütend-witzigen Ton zerlegt Alexandra Zykunov das Märchen von der Gleichberechtigung und liefert endlich stichfeste Antworten auf die nervtötende Frage: »Was wollt ihr denn noch alles?!«

Alexandra Zykunov ist wütend. Wütend darüber, dass die sogenannte Gleichberechtigung der Frau in Deutschland, eben keine Gleichheit ist, wie vielerorts geglaubt wird. Ihre zeitintensiven Recherchen haben ergeben, dass der Thomas-Kreislauf, in deutschen Vorständen darüber entscheidet, dass eher ein Mann namens Thomas, von einem Mann namens Thomas in den Vorstand gewählt wird, als eine Frau. Absurd? Das ist noch nicht alles.

An dieser Stelle ruft Karl-Heinz, der weiße, christliche, europäische, heterosexuelle, cis-Mann gerne dazwischen: „Na dann traut euch doch och mal!“ 

Wir reden hier von Frauen, die vielleicht mit Pipi Langstrumpf großgeworden sind, deren Poesiealben aber gleichzeitig voll waren mit Sprüchen wie „Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ S. 48

Von Frauen deren Selbstwert während des Aufwaschsens erheblich gelitten hat, nicht nur wegen dem deutschen Sprachgebrauch, der Frauen per se nicht die große Anerkennung zollt ( Herr herrlich-Dame dämlich), sondern auch, weil ein, von Frauen als sehr lustvoll erlebtes Körperteil, bis vor Kurzem geradezu verleugnet wurde.

„Die Klitoris aber zum Beispiel wurde jahrhundertelang regelrecht geghostet“, sagt Mandy Mangler, eine der 9% Gynäkologinnen, die die Organe der Frau überhaupt richtig benennen können, die außerdem Chefärztin ist. 

Wenn das umgekehrt so wäre und der Penis nur einen Tag lang so missachtet, der falsch bezeichnet würde, wie die Klitoris (mit ihren SCHAMlippen)! Lediglich als Eichel statt als Penis oder als „Schamwurst“. Was da los wäre?! S. 64

So wie Männer dazu erzogen wurden, stark zu sein, wurden Frauen dazu erzogen, sich kümmern zu s(w)ollen. Womit wir beim Thema Care-Arbeit wären, die in Deutschland zum größten Teil von Frauen verrichtet wird. Die unbezahlte Zeit, die Frauen stillen, sich um die Kinder kümmern, wäsche waschen, einkaufen und kochen, die Eltern pflegen, die sie dazu zwingt, ihren Hauptberuf aufzugeben und eine Weile danach in Teilzeit zu gehen. Damit entgeht Frauen viel Geld, das später bei der Rente fehlt. Unser Steuersystem begünstigt Familien, in denen der Mann das Gros verdient und die Frau wenig bis gar nichts. (Ehegattensplitting) Was die Frau wiederum abhängig von ihrem Partner macht. 

Auf Wikipedia, der weltweit größten Entyklopädie, findet man kaum eine eingetragene Feministin, dafür allerdings, die Erwähnung unzähliger Pornofilme, mit Erwähnung jeder einzelnen Darstellerin. Das liegt sehr wahrscheinlich daran, dass bei Wikipedia ein deutlicher Männerüberschuss an Autoren überwiegt.  Und naja: 

„Wer heute nicht googlebar ist, war gestern nicht vorhanden.“ Karin Hartmann

Fazit: Alexandra Zykunov berichtet von einer strukturellen Ungleichheit, die von Männern gemacht und von Frauen unterstützt, sehr viele Frauen in diesem Land nicht nur benachteiligt, sondern ihre Zeit, ihre Energie, ihre Gesundheit und ihren Selbstwert frisst. Ich finde es wichtig den Thomasen und Karl-Heinzen dieses Landes auf ihre Einwände und Unwilligkeiten, warum wir das System nicht frauenfreundlicher gestalten werden, antworten zu können. Dabei hilft Alexandra Zykunov. Deshalb ist es ein wichtiges Buch, das auf ebenso wütende, wie humorvolle Weise Licht ins Dunkel bringt. Liebe FreundInnen, dieses Buch wird euch dabei helfen, euch zu emanzipieren. Werdet mündig!

Die Autorin: Alexandra Zykunov, geb. 1985, ist Journalistin für feministische und gesellschaftliche Themen bei der Brigitte und Autorin des Bestsellers »Wir sind doch alle längst gleichberechtigt!«. Als Speakerin hält sie Keynotes in internationalen Unternehmen zu Themen wie Feminismus, Care-Arbeit oder Gender bias und ist als @alexandra___z eine reichweitenstarke Stimme auf Social Media. Ihre pointierten Texte und Analysen zur Unsichtbarkeit von Frauen- und Familienthemen in der Politik sprechen Tausenden von Frauen aus der Seele und gehen regelmäßig viral.

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