Rezensionen Die Namen

Die Namen von Florence Knapp

Autorin: Florence Knapp, Genre: Familienfiktion, Verlag: Eichborn (Bastei-Lübbe), ISBN: 978-3-8479-0229-4, 1. deutschsprachige Auflage 03/2026, 352 Seiten Preis Hardcover €24,00

Aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn

Debütroman

Werbelink*
Werbelink*
Werbelink*

Kann dein Name den Verlauf deines Lebens ändern?
Es ist 1987 und Cora ist auf dem Weg zum Amt, um die Geburt ihres Sohnes anzumelden – und seinen Namen. Noch ahnt sie nicht, wie sehr dieser Moment ihr Leben und das ihres Sohnes prägen wird. Coras Mann Gordon, ein allseits beliebter Arzt, erwartet, dass sein Sohn nach alter Tradition den Namen des Vaters bekommt – und somit den von Generationen herrischer Männer vor ihm. Ihre Tochter Maia möchte den kleinen Bruder Bear nennen, und Cora selbst bevorzugt Julian, in der Hoffnung, dass ihr Sohn sich so zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln kann.
Florence Knapps Debütroman ist die bewegende und hoffnungsvolle Geschichte von drei Namen, drei Versionen eines Lebens und den unendlichen Möglichkeiten, die eine einzige Entscheidung auslösen kann. Es ist die Geschichte einer Familie und ihrer Liebe zueinander – egal, was das Schicksal bereithält. (Klappentext)

Der Name des Sohnes hat den Vater zu ehren, deshalb soll Coras Sohn jetzt wie sein Vater Gordon Atkin heißen. Sie hätte ihn lieber Julian genannt, was Himmelsvater bedeutet und ihr mehr als genug der Ehrerbietung wäre, aber das transgenerative Familientribunal hat entschieden.

Bear Atkin schreibt die Standesbeamtin schließlich in die Urkunde. Cora fühlt sich beflügelt. Sie weiß, dass dieser Moment ein ganz großer im Leben ihrer Tochter Maia ist, denn sie hat den Namen gefunden und wurde gehört. 

Cora weiß ganz genau, was jetzt zu tun ist. Sie bringt Maia bei der Mutter Majas Freundin unter, stellt die Kinderwippe samt Bear in den Kleiderschrank, prüft, ob genug Sauerstoff hereinkommt, wenn sie die Türe nur einen Spalt auflässt. Dann wartet sie. Um halb sieben kommt Gordon aus der Praxis, küsst sie auf die Wange und während er die Kristallkaraffe in die Hand nimmt, erzählt sie ihm, dass sie seinem Sohn einen anderen Namen gegeben hat. Als sie in seinen Augen sieht, dass er ihr nicht glaubt, zieht sie die Geburtsurkunde zwischen zwei Kochbüchern hervor und reicht sie ihm mit zitternder Hand. Die Karaffe zersplittert auf den Küchenfliesen. Gordon greift in Coras Haare, reißt ihren Kopf nach hinten, so als wolle er sie küssen und schlägt ihn dann gegen die Kühlschranktür: „Kannst du nicht … Bumm einmal etwas … Bumm richtig machen … Bumm. Sie weiß, dass die Terrassentür nur angelehnt ist und macht jetzt etwas, das sie sonst nie macht. Sie schreit. Gordon hält ihr den Mund zu, aber Cora beißt zu. Kurz hält der Schmerz Gordon zurück und Cora rennt los.

Fazit: Florence Knapp hat hiermit ein Romandebüt geschaffen, das in über 25 Ländern erscheint. Sie verhandelt gekonnt die Frage, inwiefern uns unser Name prägt. Ihre Protagonistin lebt in einer Ehe mit dem gewalttätigen Gordon. Sie haben einen (noch namenlosen) Sohn und die neunjährige Tochter Maia, nach deren Geburt Cora ihre Ballettkarriere aufgegeben hat. Die Autorin erzählt die Geschichte in drei Szenarien von 1987 an, dem Tag, als Cora aufs Standesamt gehen soll, um den Namen Gordon eintragen zu lassen. Da ist die Geschichte Bears (Wunschname der Tochter), der sich zu einem liebevollen Mann entwickelt. In Bears Realität ist der Mann gestorben, der seiner Mutter helfen wollte, Cora lebt also noch. Dann ist da die Geschichte Julians (Wunschname Coras), der sich ebenfalls zu einem liebevollen Mann entwickelt. In Julians Realität ist Cora tot, der Vater im Gefängnis und er und seine Schwester wachsen bei Coras Mutter auf. Und zuguterletzt ist da noch Gordon (Wunschname des Vaters). In seiner Wirklichkeit leben die Eltern immer noch zusammen. Gordon leidet ebenso unter der mangelnden Wertschätzung seines Vaters, wie der unter seinem eigenen Vater gelitten hat und tritt in ähnliche Fußstapfen. Es war wegen der Sprünge nicht ganz leicht für mich, der Geschichte zu folgen und ich muss auch gestehen, dass ich sehr überrascht war, weil der Klappentext diesen Inhalt, der mich zu Anfang schier überrollt hat, nicht erwarten ließ. Dennoch liest sich diese neue Stimme durchweg gut und die Botschaft, die sie transportiert, finde ich wichtig und lesenswert. Wer sich also mit dem Buchanfang arrangiert, wird mit einer komplexen und tiefgreifenden Erzählung belohnt. 

Die Autorin: Florence Knapp hat ein Sachbuch über Quiltmaking verfasst und an einem Buch für das Victoria and Albert Museum mitgearbeitet. Sie hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit ihrem Mann und ihrem Hund in der Nähe von London. DIE NAMEN ist ihr erster Roman und erscheint in über zwanzig Ländern.

Du magst vielleicht auch

Kommentar verfassen