Lieber Sohn oder So rettest du die Welt von Emilia Roig
Autorin: Emilia Roig, Genre: Sachbuch, Essay, Verlag: Kjona, ISBN: 978-3-910372-54-2, 1. Auflage 10/2025, 96 Seiten, Preis Hardcover €20,00
Vielfach ausgezeichnete Autorin
Trumps menschenverachtender Turbokapitalismus und die faschistischen Politiken von AfD, Le Pen, Meloni zielen darauf ab, dass wir uns gegenseitig ausbeuten und unterdrücken. Aber was können wir dagegen tun? In einem Brief an ihren Sohn entwirft Emilia Roig eine kühne neue Ethik des Seins in Krisenzeiten. Sie plädiert dafür, in die Mitte unseres Selbstverständnisses und Wertesystems eine radikale Fürsorge zurücken – physisch, intellektuell, spirituell und emotional. Es braucht keine Helden, um die Welt zu retten. Es braucht eine Umwertung unserer Werte. 80 Seiten raus aus der Komfortzone und auf in die Freiheit. (Klappentext)
Die promovierte Politikwissenschaftlerin und mehrfach ausgezeichnete Autorin Emilia Roig hat sich in diesem Sachbuch mit dem Zerfall des kapitalistischen Systems und einer möglichen besseren Zukunft auseinandergesetzt. Sie hat das Stilmittel des Briefes gewählt und richtet ihre Worte stellvertretend für uns Leser*innen an ihren Sohn.
Auf wenigen Seiten beklagt sie diverse Weltanschauungen, wie die Rettungsfantasien der Welt, als ungünstige Sichtweise. Die Apokalypse stehe nicht bevor, sondern habe längst begonnen. Sie begann mit der Unterdrückung indigener, schwarzer und kolonisierten Völker durch Vertreibung, Versklavung, Zerstörung der Kulturen, Genozid, Umweltzerstörung und strukturelle Gewalt. Und so sieht sie die Klimakrise nicht als Kipppunkt, sondern als Fortsetzung kolonialer Zerstörung. Das Prinzip des Kapitalismus und der unstillbaren Gier macht eine Rettung unmöglich. Stattdessen empfiehlt sie eine radikale Neuorientierung aus der Erinnerung an den kulturellen Reichtum, den wir hatten und die Trauer darüber, was wir verloren haben. Wir müssten zuerst einmal ein Bewusstsein schaffen, um zu verstehen, was die Welt eigentlich für uns bedeutet.
Die Welt stehe für die gewohnte Ordnung. Sie „retten“ zu wollen bedeute nichts anderes, als unser Gefühl von Kontrolle zu sättigen. Die Erde brauche uns nicht. Sie hat Eiszeiten, Meteoriteneinschläge und das Massensterben überlebt.
Emilia Roig plädiert für gegenseitige Fürsorge, Empathie und soziale Verbundenheit, um dieser kapitalistischen Weltanschauung, die jeden Einzelnen entwertet und zu kollektiver Erschöpfung führt, etwas entgegenzusetzen. Statt Produktivität, Lebendigkeit. Statt Kontrolle, Vertrauen. Statt Macht, Beziehung und Fürsorge.
Divide et impera, das entzweiende Prinzip des „Herrsche und Teile“ befeuert den Kapitalismus, weil es uns in die Beschäftigung mit unserem Gegenüber zwingt und Zeit raubt. Ähnliche Zeiträuber sind Medien, der ständige Drang nach mehr und Leistung. Wer keine Zeit hat, kann sich nicht mit den wichtigen Fragen des Lebens auseinandersetzen. All das bringt Frust hervor, der wieder mit Konsum kompensiert werden muss, ein Teufelskreis.
Die Autorin macht deutlich, wie der Kapitalismus mit dem Patriarchat zu koexistiert. Und welche strukturellen Ungleichheiten uns die Lebendigkeit nehmen. Sie zeigt, was wir eigentlich brauchen und welche Irrtümer hier herrschen.
Ein kleines Buch mit wichtigem Inhalt, das dazu anregt, gegebene Überzeugungen zu hinterfragen.
Die Autorin: Emilia Roig, 1983 geboren, ist promovierte Politikwissenschaftlerin und Autorin der Bestseller ‚Why We Matter‘ und ‚Das Ende der Ehe‘. 2020 war sie Mitglied der Jury zum Sachbuch des Jahres. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet.