Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es genauso gemacht von Mieze Medusa
Autorin: Mieze Medusa, Genre: Fiktive Unterhaltungsliteratur, Verlag: Residenzverlag, ISBN: 978-3-7017-9331-0, 1. Auflage 09/2025, 320 Seiten, Preis Hardcover €26,00
Melanie hat vermutlich nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen: Sonst wäre sie nicht die zweite Ex eines reichen Mannes mit internationalem Lebensstil, der bei Ehefrau Nummer drei angekommen ist und die gemeinsame Tochter Adele nach Neuseeland mitgenommen hat. Melanies Alltag in Wien ist eine holprige Angelegenheit: Ohne Unterhaltsanspruch plagen sie Geldnöte und ohne ihr fernes Kind plagt sie die Sehnsucht. Doch sie ist nicht allein: Melanie jobbt in einem feministischen Hotelprojekt, sie hat wirklich gute Freundinnen und irgendwann wird ja auch Adele nach Europa zurückkehren. Warmherzig und mutmachend zeigt Mieze Medusa, dass Zusammenhalt und Humor mit Geld nicht zu bezahlen sind – und dass das Leben ohne falsche Entscheidungen verdammt langweilig wäre … (Klappentext)
Melanie kann nicht schlafen. Sie denkt an ihre Adele, die mit Vincent nach Neuseeland gegangen ist. Sie liegt auf dem Rücken, die Arme locker seitlich. Die Donau zieht an ihrem inneren Auge vorbei, dort wo sie immer mit dem Rad entlang fährt. Die Wachau mit Weinbergen, die aussehen wie Reisfelder in Hanglage. Es war ein Familienentscheid zwischen Melanie, Vincent, Adele und Sally, Vincents neuer Partnerin. Melanie hat nachgegeben. Woher hätte sie auch wissen sollen, dass diese Pandemie den Planeten lahmlegen wird.
Bei Ines und Sam kann sie sich ausquatschen. Ines ist mit Herbert verheiratet. Sie haben ein Haus, zwei liebe Mädchen, geordnete finanzielle Verhältnisse und eine stabile Ehe. Melanie würde Ines hassen, wenn sie sie nicht so lieb hätte. Dass sie Ines so lieb hat, hat mit Sam fast soviel zu tun wie mit Ines.
Sie hatte die beiden auf einem Power-Lunch, getarnt als Gartenparty, kennengelernt auf der Vincent eingeladen war. Vincents Freunde verstanden sich als Weltbürger, die unter sich bleiben wollten. Und so schlenderte Melanie ziellos durch die Gäste, bis sie an Sam hängen blieb. Sie amüsierten sich köstlich miteinander und als sie laut lachten, stieß Ines dazu, um zu erfahren, was so komisch wäre. Ab da trafen sie sich öfter zu dritt.
Melanie arbeitet in dem Hotel, das den gleichen Namen trägt wie ihre Tochter. Die Zimmer sind schick eingerichtet und tragen alle einen Namen berühmter Frauen. Den Job hat sie durch Ines ergattert.
Fazit: Mieze Medusa, Rapperin, Spoken World Performerin und Autorin aus Wien hat ihren vierten Roman veröffentlicht. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich eine unterhaltsame Geschichte über eine Frau aus einfachen Verhältnissen, die, Pretty Woman like, einen Mann mit viel Geld trifft, ihr Studium hintanstellt und schwanger wird. Der Kindsvater verlässt sie nach wenigen Jahren für eine andere. Das Kind lebt bei ihm in Neuseeland und bricht der Mutter das Herz. Fortan muss sie ihr Leben selbst stemmen. In den Nebenrollen: zwei beste Freundinnen, ein Cousin, gleichzeitig Weltenbummler und Surfboy, eine Mutter auf dem Jakobsweg. Nebenschauplätze: eine arbeitsintensive Almhütte nebst Baumbestand und eine Drag Parade in Schottland. Nebenereignisse: Corona, Inflation, Hitzewellen, Klassismus und Umweltkipppunkt. Das war mir und meinem autistischen Gehirn, das nicht multitaskingfähig ist, thematisch zu viel. Die Stimme der Autorin ist temporeich und quecksilbrig. Vielleicht zeigt die Geschichte aber auch einfach, wie es um das Leben der meisten Menschen mittleren Alters bestellt ist, schnell und oberflächlich und ich bin einfach da rausgewachsen. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass dieses Buch für viele Leser*innen einen echten Unterhaltungswert hat und deswegen empfehle ich es hier gerne.
Die Autorin: Mieze Medusa, geboren 1975, heißt im bürgerlichen Leben Doris Mitterbacher und lebt in Wien. Sie steht als Rapperin und Spoken-Word-Performerin seit 2002 auf internationalen Bühnen und hat ihren MC-Namen in die Prosa mitgenommen. Ihr Debütroman „Freischnorcheln“ erschien 2008, seitdem hat sie Prosatexte, aber auch Sammlungen von Poetry-Slam-Texten und Tonträger des Hip-Hop-Duos „mieze medusa & tenderboy“ publiziert sowie Theaterarbeiten und musikalischexperimentelle Projekte realisiert. Zuletzt erschienen: „Du bist dran“ (2021), „Was über Frauen geredet wird“ (2022) und „Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es genauso gemacht“ (2025).