Politische Fiktion

Unter Grund von Annegret Liepold
Untergrund von Annegret Liepold

Franka steht mit der Klasse am Eingang zum Oberlandesgericht. Hans Koser, genannt HK hat als Betreuungslehrer ein Auge auf die junge Referendarin. Franka stellt den Schülerinnen ihre Mitbewohnerin Hannah vor. Sie berichtet als Prozessjournalistin regelmäßig über den NSU-Prozess. weiterlesen

Das Institut von Christian Haller

Thyl Osterholz hat sein Biologiestudium hinter sich und ist unschlüssig, was er als nächstes machen soll. Er bewirbt sich für einen Aushilfsjob am Institut für Soziales. Der Institutsleiter Lavetz sieht vor, dass Thyl eine kleine Aufgabe in Seymours Abteilung übernimmt. Thyl wird markierte Zeitungsartikel in fünf Stichworten in vorgedruckten Formularen zusammenfassen. Ein Computer ermittelt dann, welche gesellschaftspolitischen Diskussionen wichtig werden. weiterlesen

Innerstädtischer Tod von Christoph Peters

Fabian Kolb hat es geschafft, er darf seine Werke in der Konrad-Raspe-Galerie nicht nur ausstellen, nein ihm zu Ehren will der Galerist eine Vernissage geben. Nachdem Russland unter Putin der Ukraine unter Selenski den Krieg erklärt hat, herrscht in der deutschen Gesellschaft große Unsicherheit, das wissen sich Künstler und Galerist zunutze zu machen. weiterlesen

Die Rassistin von Jana Scheerer

Nora Rischer, 44 Jahre, Sprachwissenschaftlerin, Germanistikdozentin, lesbische Cis Frau mit Kinderwunsch, sitzt im unbequemen gynäkologischen Stuhl ihrer Frauenärztin, um sich künstlich befruchten zu lassen. Ein kurzes Pling signalisiert ihr einen E-Mail-Eingang und die Botschaft: Rassistischer Vorfall an unserer Uni! springt ihr ins Auge. weiterlesen

 

370 m über NN von Jirí Hájícek

Hana und Frederik sind seit vier Jahren ein Paar. Sie unterhalten ein Hostel in Holland, das ganz gut läuft. Hana ist Frederik schon seit einer Weile mit ihren Familiengeschichten auf die Nerven gegangen. Jetzt ist er sie für die nächsten vier Wochen los. Sie ist auf dem Weg in ihr Heimatdorf. weiterlesen

Der Toyen Effekt von Bjarte Breiteig

Kalle vermisst Papa, doch Jostein ist in Kopenhagen. Kalle zockt am Tablet, obwohl er das nicht soll. Seine grenzenlose Langeweile treibt ihn immer wieder zum Controller. Seine Mutter Mona will, dass er sich mit anderen Kindern trifft. Er weiß das und entschuldigt sich. Seine Gefügigkeit ist ihr unangenehm. Sein Klassenlehrer hat sie schon darauf angesprochen, dass Kalle Konflikten grundsätzlich aus dem Weg geht. weiterlesen

Nachbeben von Dirk Kurbjuweit

Im Juni 1989 sitzt der Seismologe Luis Sommerfeldt, verlässlich wie immer, auf dem kleinen Feldberg im Taunus. Die Nadel zittert über das Papier. Die Magnitude zeigt einen Erdstoß von vier auf der Gutenberg-Richter-Skala. Gleich wird das Telefon im Haupthaus klingeln. Die Polizei fragt in solchen Fällen gleich nach, ob ein Beben verzeichnet werden konnten, denn sonst müssten sie von der Detonation einer Bombe ausgehen. weiterlesen

Das Geschenk von Gaea Schoeters

In Vorfreude schwelgend ersinnt Fuchs seine große Karriere im Bundestag. Er hat leicht einen sitzen, als er am frühen Morgen am Spreeufer entlang schlendert und selbstgefällig vor sich hingrient. Er zückt sein Handy, lächelt gewinnend, hinter sich die Kuppel des Reichstages. Währenddessen badet in der Spree ein Elefantenbulle. weiterlesen

Die Ausweichschule von Kaleb Erdmann

Ob der Autor glaube, dass die Geschichte für ein größeres Publikum interessant wäre, der hegt gerade Zweifel. Herr Mertens ringt um Worte. Er müsse sich überlegen, ob er etwas Literarisches schreiben oder den Zeitgeist treffen wolle. Das Ganze sei fast akademisch brav und er sei doch nicht traumatisiert. Schließlich habe er zwar den Täter gesehen, aber keine Toten. weiterlesen

Wasserspiel von Tim Staffel

Robert muss sich sein Seepferdchen erschwimmen. Es regnet. Er steht mit den anderen Kindern im Wasser, zittert, die anderen nicht. Ein Pfiff ertönt und alle starten mit ihren Schwimmzügen, nur Robert nicht. Seine Mutter hilft ihm aus dem Becken, legt das Handtuch um seine Schultern und flüstert „Du kannst jetzt die Augen öffnen“. weiterlesen

Am Anfang wieder die Nacht von Martin Mader

Marcel knallt die Bierkisten aufeinander. Glas splittert, es riecht hefig. So langsam steigen ihm die Probleme mit seinem Club Koma zu Kopfe. Die Anwohner beschweren sich wegen der Lärmbelästigung, die Stadtverwaltung brummt ihm Lärmschutzauflagen auf. Die Müllentsorgung wird immer schwieriger und die Subventionsquellen für die Künstler*innen versiegen. weiterlesen

An der Kreuzung der Parallelstraßen von Gary Victor

Eric hörte sie schreien, während er an dem Magazin der alten 45er Automatik bastelte. Der Spiegel, der Spiegel, heulte sie auf. Er wandte den Blick ab, konnte sie nicht mehr sehen, wie sie sich halb nackt in den Hüften wiegte, ihre Stimme, ihr Geruch widerte ihn an. Sie konnte von Glück reden, dass die Feder des Magazins klemmte, sonst hätte er ihr eine Kugel in die Stirn gejagt. weiterlesen

fundamentalös von Nussaibah Younis

Nadja ist in Bagdad angekommen und verblüfft. Sie hatte mit dem kontrollierten Blackout gerechnet, von dem die Medien sprachen. Sie sieht es nicht, das böse zugerichtete Stromnetz, stattdessen ein strahlendes Nationalmuseum, geschmacklose Lichterketten an Palmen und reihenweise glänzende BMWs und Audis am Flussufer. weiterlesen

Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider

Noah steht auf dem Dach und beobachtet seine Tauben. Anders als sonst schließen die nervösen Vögel Allianzen mit fremden Gruppen. Er setzt den Lockvogel auf den Zaun und sieht seine Tauben zurückfliegen. Ein donnerndes Dröhnen erklingt, dann sieht Noah direkt vor sich, wie sich die Rotorblätter zweier Hubschrauber in den Himmel schrauben. weiterlesen

In den Flügeln das Licht von Aidin Halimi

Kaveh hatte bisher neun Jahre gelebt, als sein Vater starb. Kaveh sagte okay, als seine Mutter es ihm erzählte. Er hatte kein Gefühl für die Endgültigkeit des Todes. Sein Vater war seit drei Jahren in seinem Alltag abwesend, eingesperrt im Evin-Gefängnis, was konnte sein Tod noch verschlimmern? weiterlesen