Rezensionen Lichtungen

Lichtungen von Iris Wolff

Autorin: Iris Wolff, Genre: Literarische Fiktion, Verlag: Klett-Cotta, ISBN: 978-3-608-98770-6, 1. Auflage 2024, 256 Seiten Preis Hardcover €24,00

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»Du hättest zurücksehen müssen, ­dachte er, allein um zu wissen, ob sie sich nach dir umgewandt hat.«-
Zwischen Lev und Kato besteht seit ihren Kindertagen eine besondere Verbindung. Doch die Öffnung der europäischen Grenzen weitet ihre Lebensentwürfe und verändert ihre Beziehung für immer. Voller Schönheit und Hingabe erzählt Iris Wolff in ihrem großen neuen Roman von zeitloser Freundschaft und davon, was es braucht, um sich von den Prägungen der eigenen Herkunft zu lösen.
»Sich auf diesen Roman einzulassen, in ihm zu ­versinken, ist ein großes, sehr berührendes Erlebnis.« Denis Scheck, druckfrisch, zu »Die Unschärfe der Welt«
»Iris Wolff führt mit nichts als Sprache in ein Reich, das jenseits der Sprache liegt. Dieser Magie kann man sich nicht entziehen.«-Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung zu »Die Unschärfe der Welt« (Klappentext)

Lev lernte Kato auf eigentümliche Weise kennen, auf eine Art, die er sich nicht gewünscht hat, denn eigentlich wollte er mit dem eigenbrötlerischen Mädchen, aus seiner Klasse nichts zu tun haben. Doch dann lernen sie sich kennen und schätzen. Viel später, nach dem Fall der Grenzen, fahren sie gemeinsam von Zurich, nach Paris, Nantes, Montpellier, Richtung Osten, an der Küste entlang. 

Dann erscheint Tom, der göttlich aussehende Hamburger, mit langem blondem Haar und goldbraunen Augen, der auf anziehende Weise keine Manieren hat und sich nicht um Konventionen schert, der Sprachbarrieren einfach weglächelt. Katos Interesse für den unabhängigen Tom wächst, ihr fiebriger Blick verrät es. Er ist ihr Freifahrtschein in die Welt, um ihrem Unglücklichsein zu entkommen.

Sie schreibt Lev regelmäßig Postkarten und auf einer davon, stehen nach fünf Jahren die Worte: Wann kommst du? Nicht mehr, nur diese drei Worte. 

Fazit: Zuerst tat ich mich schwer, hatte Schwierigkeiten der Erzählung zu folgen, wenn mitten in einer interaktiven Szene, Levs eigene Gedanken auftauchten, konnte ich das nicht gleich ihm zuordnen. Im weiteren Verlauf klarte meine anfängliche Verwirrung auf. Die Autorin begann die Geschichte in der Gegenwart und widmete jedes Kapitel Levs Vergangenheit, schrieb immer weiter zurück und verdichtete ihr Konstrukt zu einem stimmigen Gesamtbild. Lichtungen, so der Titel, sind die Flächen in einem Wald, die heller, weil frei von Bäumen sind. So habe ich die Geschichte empfunden. Jedes Kapitel bringt mehr Licht ins Dunkel, Levs Geschichte, seine Freunde, Familie, sein Land und seine Werte, ans Tageslicht. Ich verstehe, was er erlebt hat und wer er dadurch ist. Verstehe, wer Kato ist. Die Sprache ist poetisch, zart und besonders, jedes Wort sitzt und gehört an die Stelle, für die es steht. Kein unnötiger Balast stört die Wahrnehmung. Lichtungen ist kein bequemes Buch, das man mit einem Haps wegliest, es mag erarbeitet werden. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer außergewöhnichen Geschichte belohnt, die einen tiefen Eindruck hinterlässt.

Die Autorin: Iris Wolff, geboren in Hermannstadt, Siebenbürgen. Die Autorin wurde für ihr literarisches Schaffen mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Marieluise-Fleißer-Preis und dem Marie Luise Kaschnitz-Preis für ihr Gesamtwerk. Zuletzt erschien 2020 der Roman »Die Unschärfe der Welt«, der mit dem Evangelischen Buchpreis, dem Eichendorff-Literaturpreis, dem Preis der LiteraTour Nord und dem Solothurner Literaturpreis ausgezeichnet sowie unter die fünf Lieblingsbücher des Deutschen als auch des Deutschschweizer Buchhandels gewählt wurde. Die Autorin lebt in Freiburg im Breisgau.

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