Rezensionen Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent

Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent von Michael Ebert

Autor: Michael Ebert, Genre: Fiktion, Verlag: Penguin (Penguinrandomhouse), ISBN: 978-3-328-60388-7, 1. Auflage 2025, 235 Seiten, Preis Hardcover €24,00

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Das lebensverändernde Abenteuer des Hannes Hennes zwischen Familiendrama, Gerichtssaal und Selbsthilfe-Kurs
Dr. Hannes Hennes, leicht unterforderter Mathelehrer, glücklicher Ehemann und Vater, könnte ein zufriedener Mensch sein. Doch seit dieser demütigenden Sache bei der Nobelpreisverleihung in Stockholm und dem peinlichen Auftritt bei Günther Jauch läuft in seinem Leben alles schief. Natürlich hätte er auch niemals mit dem Jagdgewehr seines besten Freundes schießen dürfen. Als Hannes erfährt, dass das Gehirn seines Idols, des berühmten Mathematikers Carl Friedrich Gauß, gestohlen wurde, macht er sich auf zu einem Abenteuer, das ihn in ein Luxushotel, in die Katakomben der Charité und in ein gnadenloses Männerseminar führt. Seine Pechsträhne scheint zu enden, als ihm ein geheimnisvoller Wissenschaftler ein unwiderstehliches Angebot unterbreitet. Aber das Schicksal hat noch viel mit ihm vor. In seinem zweiten Roman erzählt Michael Ebert die atemberaubende Tragikomödie eines ganz normalen Mannes – in seiner ihm eigenen funkelnden Sprache, voller Geist, Witz und Empathie. ‚Ein mitreißendes Buch! Michael Ebert erzählt mit großer erzählerischer Kraft, der man sich gern überlässt.‘ Juli Zeh (Klappentext)

Dr. Hannes Hennes findet sich in einem nach Männerschweiß stinkenden Essenssaal wieder. Er trägt Frauenkleider, Perücke und hält eine ziemlich große, blutige Suppenkelle in der Hand. Eine Horde Männer will sich mit Gebrüll auf ihn werfen. Er schleudert die hochhackigen Schuhe von sich und rennt los.

Rückblick: Dr. Hennes unterrichtete die Klasse 8c des Gymnasiums in Mathematik. Dabei dissoziierte er sich zuweilen in die Krone seines gedanklichen Birnbaums. Er konnte immer noch die Martensbrüder sehen, die sich Kaugummi vor die Nasenlöcher klebten um durch grobes Ausatmen große Blasen entstehen zu lassen, aber eher wie durch ein Fernglas. 

Wegen den vier vorangegangenen Katastrophen schliefen Marlene und er getrennt. Zuerst hatte sein Bruder Wilhelm den Nobelpreis für Medizin in Stockholm gewonnen und die Feierlichkeit hatte in Hannes Gefühlswelt eine Eigendynamik entwickelt, der er sich gewaltsam entziehen musste. Danach war Hannes bei „Wer wird Millionär“ aufgetreten und er hatte in seinem Leben schon heller gestrahlt. Im Anschluss kochte er Marlene in Venedig eine Portion Spaghetti alla puttanesa zu und beförderte sie fast ins Grab und schlussendlich spricht seine geliebte Tochter Klara nicht mehr mit ihm. 

Fazit: In Michael Eberts zweitem Roman verhandelt er das Leben und Wirken eines mittelalten, weißen, heterosexuellen Mannes mit Profilneurose und geringem Selbstwert. In wenigen Tagen reihen sich diverse Katastrophen aneinander und machen dem Protagonisten das Leben zur Hölle. Er schlittert kompromisslos in verschiedene Situationen, die ihm, aus seiner Sicht, zustoßen. Wie sage ich es? Dieses Buch war zu null Prozent nicht meins. Die Geschichte ist stark konstruiert. Manche Szenen könnten, so amüsant wie sie geschrieben sind, lustig sein. Sie sind es aber nicht, weil das, was passiert voll heftig ist. Der Autor ist immer eine Spur drüber. Die Aneinanderreihung der Szenen ist vorhersehbar, kein Ereignis überrascht wirklich. Es gibt jede Menge Infodump im Sinne aller möglichen Namen für blaue Farbtöne, natürlich mathematische, aber auch medizinische Begrifflichkeiten. Am Rande werden philosophische Krümelchen eingestreut a lá Sinn des Lebens. Dabei blieb mir der Sinn der Geschichte verborgen. Das war mir von allem zu viel, aber so what Juli Zeh hat es laut Cover, das wortreich gute Unterhaltung verspricht, gefallen. 

Autor: Michael Ebert, 1974 in Freiburg geboren, ist Chefredakteur des Süddeutsche Zeitung Magazins und wurde für seine journalistische Arbeit bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. In seinem Debütroman »Nicht von dieser Welt« führte er uns an den verwunschenen Ort, an dem er selbst aufgewachsen ist: ein Krankenhaus in einer süddeutschen Kleinstadt. »Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent« ist Michael Eberts zweiter Roman – mit dem er abermals beweist, dass man von den großen Themen des Lebens ganz leicht erzählen kann.

 

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