Rezensionen Täuschend echt

Täuschend echt von Charles Lewinsky

Autor: Charles Lewinsky, Genre: Literarische Fiktion, Satire, Verlag: Diogenes, ISBN: 978-3-257-07306-5, 1. Auflage 2024, 342 Seiten Preis Hardcover €26,00

Werbelink*
Werbelink*
Werbelink*

Ein Werbetexter verliert alles auf einen Schlag: Liebe, Geld und Karriere. Dank künstlicher Intelligenz schafft er es, sich wieder aufzurappeln. Die neue Technologie hilft ihm, ein Buch zu schreiben, das große Beachtung findet, weil es angeblich die »Geschichte eines wahren Schicksals« erzählt. Nur eine Frau weiß, dass das nicht stimmt: die ehemalige Geliebte, die den nun so gefeierten Autor schon einmal um alles gebracht hat. (Klappentext)

Ihr Vokabular richtet sich gegen ihn. Er sei von A wie altmodisch bis Z wie zickig unerträglich und auch dazwischen fand sie nichts Gutes. Sie dagegen switchte durch die sozialen Medien, denen er sich vorenthält, fraß Reality Shows und behauptete, dass sie das nur auf der Metaebene betrachte, als kulturelles Phänomen.

Forscher in den USA haben festgestellt: Wenn sie ihre Scheiße kulturelles Phänomen nennen, stinkt sie nicht mehr. S. 13

Sie vergaß ihr Handy in einem Coffee Shop an der Bar, an der auch er saß. Dann rief sie sich selbst an, mit einem Handy, das ihr jemand geliehen hatte. Er war so dumm ranzugehen und es ihr dann zu einer ultrawichtigen Wohnungsbesichtigung für ein WG-Zimmer, das sie doch nicht bekam, zu bringen. Sie drückte ein paar Tränchen die Wangen hinunter, weil sie nicht wußte, wo sie schlafen sollte und er bot ihr seine Couch an. Dann blieb sie doch, bis sie was Eigenes finden würde und fand nichts. Zum Schluss sagte sie ihm: „Leute wie er würden beruflich bald so überflüssig sein, wie er es privat schon immer war.“ 

Und dann wollte er ihr das Gegenteil beweisen, hat das Wort Frühstücksmüsli eingegeben und die KI rangelassen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Sein Todesurteil als Werbetexter! Und dann hat Andenberg ihn rausgeschmissen, fristlos, nicht wegen der KI, sondern weil er zu viel Arbeitszeit mit persönlichen Belangen verbracht hat. Und danach oder kurz zuvor ist seine Kreditkarte verschwunden und auf Bali aufgetaucht.

Fazit: Dieses ist mein erstes Buch von Charles Levinsky und ich bin voll überzeugt von seiner Schreibkunst. Mit leidenschaftlichem Biss schickt er seinen Protagonisten in sein Unglück. Lässt ihn erkennen, dass seine Geliebte ihn belogen und betrogen hat. Lässt ihn den langweiligen Job und das sichere Einkommen verlieren und konfrontiert ihn mit künstlicher Intelligenz und ChatGPT. Die Sprache ist voller Selbstironie und insgesamt so situationskomisch, dass ich mich köstlich amüsiert habe. Sehr gelungen fand ich auch den Ansatz, die kreativen Möglichkeiten einer Technologie, die im Allgemeinen einzig verteufelt wird, wie mittelalterliche Phänomene, spielerisch erlebbar zu machen. Der Autor jammert und polemisiert nicht, sondern schafft eine sehr moderne, gut durchdachte, kreative Story. Alle Eindrücke, die er in seinem Buch aus Wikipedia und KI generierten Texten verwendet, hat er kursiv dargestellt. Das war besondere Unterhaltung auf hohem humoristischem Niveau. Chapeau!

Der Autor: Charles Lewinsky, 1946 in Zürich geboren, ist seit 1980 freier Schriftsteller. International berühmt wurde er mit seinem Roman -Melnitz-. Er gewann zahlreiche Preise, darunter den französischen Prix du meilleur livre étranger. -Der Halbbart- war nominiert für den Schweizer und den Deutschen Buchpreis. Sein Werk erscheint in 16 Sprachen. Charles Lewinsky lebt im Sommer in Vereux, Frankreich, und im Winter in Zürich.

Du magst vielleicht auch

Kommentar verfassen