Rezensionen Wie du mich ansiehst

Wie du mich ansiehst von Eva Lohmann

Autorin: Eva Lohmann, Genre: Familienfiktion, Verlag: Eisele, ISBN: 978-3-96161-250-5, 1. Auflsge 2025, 237 Seiten, Preis Hardcover €24,oo

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Zwei Dinge hat Karl seiner Tochter Johanna hinterlassen: Den geliebten, verwilderten Garten – und eine tiefe Sorgenfalte auf der Stirn, die einfach nicht mehr weggehen will. Den Garten möchte Johanna behalten, aber die Sorgenfalte soll weg: Sie lässt das erste Mal in ihrem Leben ‚etwas machen‘ und ist fasziniert, wie scheinbar einfach sich die Erschütterungen eines vierzigjährigen Lebens ausradieren lassen. Mit dem Verschwinden der Falte treten allerdings neue Fragen auf: Warum ist Johanna ihr Aussehen überhaupt so wichtig? Wie erklärt sie die Sache ihrer Tochter, der sie immer gepredigt hat, sich selbst bedingungslos schön zu finden? Und kann das Älterwerden für Johanna nicht auch eine große Freiheit bedeuten? (Klappentext)

Johanna sieht ihrer Tochter dabei zu, wie sie sich für eine Party schminkt. Sie erinnert sich zurück, als sie der zweijährigen Rosa das Zähneputzen beibrachte und sie dazu einfach ins Waschbecken setzen konnte. Oder wie sie sich beide mit der Kinderschminke Schmetterlinge ins Gesicht gemalt haben. Sie hatte Rosa immer die Zöpfe geflochten, bis auf einmal, da hat es die neue Kindergärtnerin gemacht und Rosa wollte sie sich partout nicht wieder lösen lassen. Johanna hatte es heimlich versucht, als sie dachte, Rosa sei eingeschlafen, aber die hatte ihr die Hände weggeschlagen und sie böse angeschaut. Das war wie ein Stich für Johanna, die auf ihrer Eifersucht herumkaute.

Hendrik ist wieder zur See gefahren und die beiden leben mindestens einen Monat allein miteinander. Johanna hat mit ihrem Blumenladen so viel zu tun, dass sie abends nicht mehr kochen mag und Rosa und sie arrangieren sich damit, essen Tiefkühlpizza oder Brote. Nur den Haushalt macht keine, darum kümmert sich immer Hendrik, wenn er zu Hause ist, bis dahin lassen sie es schleifen.

Johanna möchte sich ins Bett legen, sie ist furchtbar müde und muss sehr früh zum Großmarkt, aber sie weiß, dass sie nicht einschlafen kann, wenn ihre Tochter unterwegs ist. Rosa allerdings will vor dreiundzwanzig Uhr daheim sein. Sie stellt einen Wecker vor Johannas Schlafzimmertür und wird ihn später ausstellen, bevor er klingeln kann. Johanna schaut in den Spiegel und sieht die tiefe Zornesfalte über ihrem Nasenrücken. Sie ist gerade einmal Anfang vierzig und merkt im Alltag, wie sie verblasst und zu verschwinden droht. Sie zieht die Stirn nach oben und die Falte wird schmäler, vielleicht sollte sie etwas machen lassen, nur ein ganz klein wenig nachhelfen. 

Fazit: Tja, wo fange ich an? Eva Lohmann hat hiermit ihren zweiten Roman geschrieben. Ich habe ihn gelesen, weil mir ihr erster „Das leise Platzen unserer Träume“ gut gefallen hat. In vorliegendem Buch erzählt die Autorin von einer Frau mittleren Alters, deren geliebte Tochter flügge wird. Die Protagonistin möchte die enge Bindung zu ihr beibehalten, möchte weiterhin gebraucht werden. Im Alltag fühlt sie sich alt, farblos und unsichtbar. Als sie etwas „machen lässt“ gerät sie mit Mann und vor allem Tochter in Konflikt. Sie beginnt zu hinterfragen, was wirklich zählt im Leben und ordnet ihre Prioritäten neu. Zu Anfang der Geschichte fand ich ihre Sorgen über das Älterwerden trivial, vielleicht liegt es am Erzählstil. Denn tatsächlich passieren im Körper einer Frau, die die Vierzig überschreitet ja unendlich viele neue und verunsichernde Prozesse, die für die Betroffenen alles andere als oberflächlich erlebt werden. Dann war mir die Klüngelei zwischen Mutter und Tochter zu viel, der perfekte Ehemann, die lange Zeit, die sie durch seinen Beruf getrennt sind so easy, weil sie gut allein sein kann. Und dann kam mir alles, was ich las fad vor, so heil und harmonisch. Hier und da ein paar kleine Herausforderungen, die halt gemeistert werden. Für mich ein flacher Unterhaltungsroman, der wichtige Themen anschneidet, aber nicht vertieft.

Die Autorin: EVA LOHMANN, Jahrgang 1981, lebt als freie Autorin in Hamburg und hat eine Tochter. Ihr Debütroman Acht Wochen verrückt stand ebenso auf der SPIEGEL-Bestsellerliste wie ihr Sachbuch So schön still. Wenn Eva Lohmann nicht gerade schreibt, berät sie in der Agentur I.do Mütter beim Wiedereinstieg in den Job – oder kocht in einer kleinen Eventlocation für Hochzeiten und Geburtstage.

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