Rezensionen Und alle so still

Und alle so still von Mareike Fallwickl

Autorin: Mareike Fallwickl, Genre: Politische Fiktion, Feminismus, Verlag: Rowohlt, ISBN: 978-3-498-00298-5, 1. Auflage 2024, 367 Seiten, Preis Hardcover €23,00

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Ein großer feministischer Gesellschaftsroman über Widerspruchsgeist und Solidarität  An einem Sonntag im Juni gerät die Welt aus dem Takt: Frauen liegen auf der Straße. Reglos, in stillem Protest. Hier kreuzen sich die Wege von Elin, Nuri und Ruth. Elin, Anfang zwanzig, eine erfolgreiche Influencerin, der etwas zugestoßen ist, von dem sie nicht weiß, ob es Gewalt war. Nuri, neunzehn Jahre, der die Schule abgebrochen hat und versucht, sich als Fahrradkurier, Bettenschubser und Barkeeper über Wasser zu halten. Ruth, Mitte fünfzig, die als Pflegefachkraft im Krankenhaus arbeitet und deren Pflichtgefühl unerschöpflich scheint.
Es ist der Beginn einer Revolte, bei der Frauen nicht mehr das tun, was sie immer getan haben. Plötzlich steht alles infrage, worauf unser System fußt. Ergreifen Elin, Nuri und Ruth die Chance auf Veränderung? (Klappentext)

Ganz früh am Morgen schleicht Elin in das Gewölbe des Spa Hotels. 36°C hat das Wasser in der Therme, die ihre Mutter Alma leitet. Solange die Gäste schlafen, dreht sie ihre Runden und hört ihren Gedanken zu. Die, die sie bedrängen und ihr das Gefühl geben, die Kontrolle zu verlieren, sind die, die ungefragt den Hatespeach wiederholen.

Elins normschöner Körper. Plötzlich kam der Erfolg. Kosmetik. Mode. Ein gratis Lockenstab, ein Ringlicht, ein Social-Media-Marketing-Kurs. Und eine Followerzahl, die ihr an den guten Tagen Herzrasen beschert und an den schlechten auch. S. 25

Dann kamen die Stimmen, die sich unter Elins Postings gerotzt haben, anonym und böse. Ein bisschen Sicherheit findet ihr Selbstwert noch bei den spontanen, schnellen Ficks, für die sie sich verabredet, aber dann geht etwas schief, das ihr eine riesen Angst macht. 

Nuri mixt in einem Club Cocktails, während er seinen schönen Kumpel Valentin dabei beobachtet, wie ihm die Mädels mit den fetten Dekolletés und glänzenden Augen zuklimpern. Wenn der Club schließt, reicht Nuris Zeit gerade für zwei Energydrinks und einen Schokoriegel, bevor er sich aufs Fahrrad und ins Krankenhaus zwingt. Er fährt Patienten von A nach B. Röntgen, spezielle Untersuchungen, holt Betten aus dem Keller, bringt sie auf die Stationen. 

Nuri hat vier Stiefgeschwister. Die Kinder seines Vaters aus erster Ehe. Als seine Frau gestorben war, brauchte er eine Amme und eine die putzt und kocht und so, da hat er Nuris Mutter geheiratet. Wenn Nuri aus der Klinik kommt, sitzt seine Mutter in der Küche und stopft an einem Stück Stoff herum, redet nicht, fragt nichts, sieht ihn nicht an. 

Ruth arbeitet als Krankenschwester und schiebt endlos viele Überstunden. Wenn sie frei hat rufen sie sie an, damit sie einspringt. Sie bringt es nicht übers Herz, die anderen Kolleginnen im Stich zu lassen. Es ist auch niemand zuhause, dem sie Rechenschaft schuldet. Als ihr Sohn gestorben ist, wäre sie ihm am liebsten hinterhergegangen, so schmerzlich hat sie sein Verlust getroffen. Die anderen konnten das nicht verstehen, weil er schwerstbehindert war und sie ihn gepflegt hat. Sie sagten solche Sachen wie: „Sei doch froh, jetzt hast du die Belastung nicht mehr“. 

Fazit: Wow, das habe ich gerne gelesen. Mareike Fallwickl erzählt über das Patriarchat und wie es sich bis heute stabil halten konnte. Wie es sich feiert, weil auch wir Frauen es so freundlich unterstützen. Sie zeigt uns die Menschen, die jeden Tag unbezahlte Sorgearbeit verrichten, einfach, weil sie so erzogen wurden. Wie sie ihren Wert in der Gesellschaft zu finden versuchen, indem sie sich kümmern. Die systemischen Ungerechtigkeiten des Gender-Gap, Sparmaßnahmen, häusliche Gewalt, Ausbeutung, Migrationshintergründe. Alles das, hat sie in ihren Roman gepackt und es passt, macht nachdenklich und ist großartig erzählt. Es ist anregend, alle diese Begriffe in einem Sachbuch zu finden, das über Gleichberechtigung spricht. Richtig grandios finde ich allerdings, dass Mareike Fallwickl mich mitnimmt und mir zeigt, wie sich die ganze Benachteiligung anfühlt, das ist lehrreich und sitzt. Danke für diesen gelungenen Beitrag in der ganzen gesellschaftlichen Debatte. Ebenso mochte ich „Die Wut, die bleibt“

Die Autorin: Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, lebt mit ihrer Familie im Salzburger Land. 2018 erschien Dunkelgrün fast schwarz. 2019 folgte Das Licht ist hier viel heller. Ihr Bestseller Die Wut, die bleibt war ein großer Erfolg bei Presse und Publikum. Die Bühnenfassung hatte im Sommer 2023 Premiere bei den Salzburger Festspielen. Mareike Fallwickl setzt sich für Literaturvermittlung ein, mit Fokus auf weiblichen Erzählstimmen. 

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