Rezensionen Die Gouvernanten

Die Gouvernanten von Anne Serre

Autorin: Anne Serre, Genre: Fiktion, Verlag: Berenberg, ISBN: 978-3-949203-67-1, 2. Auflage 2023, 92 Seiten, Preis Hardcover €22,00

Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky

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Sie sind zu dritt, und in dieser abgeschiedenen Villa hinter hohen Bäumen sind sie die Königinnen: die Gouvernanten.
Auf die Erziehung der ihnen anvertrauten Jungen geben sie wenig, lieber lassen sie sich melancholisch durch die hellen Tage treiben. Manchmal zieht es sie zum goldenen Tor, das ihr Reich be grenzt, wo sich, wild vor Verlangen, die Männer drängeln. Erhört werden sie alle nicht, denn hier stellen die Gouvernanten die Regeln auf. Verliert sich aber ein Fremder in den Garten, gehen sie wie im Rausch auf die Jagd, richten den Ahnungslosen unerbittlich zu, mit Küssen und mit Bissen. Und all das vor den Augen des Nachbarn, der die angebeteten Frauen mit seinem Fernrohr auf Schritt und Tritt verfolgt
… Mit Eleganz und dunkler Sinnlichkeit – und durchaus mit subtiler Komik – erzählt Anne Serre in diesem fantastischen Märchen von der Macht der Blicke und von weiblichem Begehren. (Klappentext)

Drei junge, nun, nicht mehr ganz so junge Frauen, versuchen die vier Jungen, von Madame und Monsieur Austeur zu hüten. Versuchen, weil sie stets auch dazu neigen sich ihren eigenen Befindlichkeiten hinzugeben. Kurz, sie machen was sie wollen. Ist ihnen nach Müßiggang, so sitzen sie im Salon, leger auf ihren Stühlen, die Röcke gerafft bis zu den Schenkeln, die feine Zigarette im Mundwinkel, konzentriert auf das Kartendeck blickend.

Winkt die Tristesse, so kann man sie auch bisweilen im Gras liegen sehen, die feuchte Haut der sanften Sonne entgegengereckt, das enge Mieder gelüpft und die befreiten Brustwarzen dunkelbraun, fest, aufgestellt.

Und wenn die Arbeit es so fordert, lassen sie sich dazu herab eine Feier auszurichten, darin sind sie unübertroffen und laufen, eine jede von ihnen, zu Hochformen auf. 

Man muss den Gouvernanten zugestehen, dass sie unschlagbar sind, wenn es ums feiern geht. Sobald von einem Fest die Rede ist, einem Geburtstag oder jemandem anderen Jubiläum, erwacht diese Fantasie aus dem Schlaf der Gerechten, entfaltet sich, breitet die Arme aus, wirft die Beine in die Luft und springt mit anmutigem Schwung über Bord. S. 8

Und wenn sie diese, sie auszehrenden, ihnen alles abverlangenden Tage gemeistert haben, dann sieht man sie artig durch den Park flanieren und über Männer konversieren.

…und wenn der Nachmittag vorbei ist und es gegen sechs im Park und in seiner Umgebung kühl wird, kleben sie schließlich alle drei wie große tote Falter am Gartentor. S.11

Fazit: Herrlich! Dieses kleine Büchlein steckt so voller schlüpfriger Erotik, gepart mit Humor, wie ich es noch nie gelesen habe. Süffisant erzählt Anne Serre von der weiblichen Lust, die es genießt beobachtet zu werden, aufwallt und sich schamlos nimmt, was sie will. Sie lässt die drei unersättlichen Damen, venusfliegenfallengleich, im Garten der Sinne lustwandeln. Was für ein reizvoll, frivoles Lesevergnügen.

Die Autorin: Anne Serre, geboren 1960 in Bordeaux, hat seit ihrem Romandebüt 1992 sechzehn Romane und Bände mit Kurzgeschichten veröffentlicht. Für »Im Herzen eines goldenen Sommers«, 2022 bei Berenberg erschienen, erhielt sie 2020 den Prix Goncourt de la Nouvelle. »Die Gouvernanten« wird derzeit u. a. mit Lily-Rose Depp in Hollywood verfilmt.

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