Mein Leben mit Autismus

Autismustagebuch

Insuffizienz

Einkauf

Wenn ich anderen Menschen begegne, wie beim Einkauf, bin ich mit der Vielzahl der Eindrücke überfordert. Die Farben in den Regalen, musikalische Berieselung im Hintergrund. Eine Kundin vor mir steht ewig vor der Joghurtkühlung, kann sich nicht entscheiden. Die Metzgereiverkäuferin handelt mich schroff ab. Die Kassiererin pampt mich an. Ich schaffe die Einkäufe ins Auto, setze mich, atme durch und versuche, meine einzelnen Teile wieder zusammenzusetzen.

Viele Menschen

Mir graut vor Einladungen jeder Art. Ein Geburtstag mit zwanzig Gästen. Ich betrete mit Ulf den Raum und grüße freundlich in die Runde. Ein genervter Blick trifft mich und ich fühle mich wie angeschossen. Frage mich, was ich falsch gemacht habe, meide weiteren Blickkontakt mit dem Übellaunigen. 

Ich versuche, mich abzulenken von dem Gefühl nicht gemocht zu werden, schaue durch den Raum, fange hier ein Lachen ein, dort ein kreischendes Kind, dass auf dem Boden robbt. Die Gastgeberin fragt mich etwas, aber ich bin schon mit Eindrücken geflutet, verstehe sie nicht richtig, sage einfach ja, sie lächelt mich an.

Ich halte drei Stunden durch, dann steuert Ulf uns Richtung Heimat. Im Auto gähne ich ununterbrochen, lasse meine Scheibe hinunter, tanke frische Luft. Zuhause ziehe ich die Schuhe aus, falle ins Bett und schlafe zwölf Stunden durch. Am nächsten Morgen fühle ich mich, wie vom Bus überfahren.

Aus meinem Buch Mutterkuchen

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