Rezensionen Alles, was du wolltest

Alles, was du wolltest von Christina König

Autorin: Christina König, Genre: Zeitgenössische Romantik, Verlag: Otto Müller, ISBN: 978-3-7013-1328-0, 1. Auflage 2025, 203 Seiten, Preis Hardcover €24,00

Debütroman

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Alex und Viktoria sind ein Paar und leben unter einem Dach. Es ist Viktorias Dach – schick möbliert, große Räume, Terrasse mit Pool. Alex darf mietfrei dort wohnen, muss jedoch Putzfrau und Haushälterin spielen. Sie nimmt Viktorias Geschenke und ihre finanzielle Unterstützung an, nutzt auch gerne das Massagestudio im Gartenhaus für ihr berufliches Fortkommen, wird dafür aber zunehmend zu Viktorias Marionette degradiert. Das eigene Massagestudio war schon lange Alex‘ Traum – also richtet sie sich ein in diesem ungesunden Kompromiss. Ein Verlobungsring, den Alex bei Viktoria findet, zwingt dann einen Entschluss herbei. Doch weil dieser Roman ein wenig ungewöhnlich ist und genauso schlecht Entscheidungen treffen kann wie Alex, erzählt er gleich mehrere Möglichkeiten: Wird Alex Viktoria verlassen? Wenn ja, wie geht es dann für Alex weiter, beruflich und privat? Schafft sie es, sich endgültig von Viktoria zu lösen?
Auf direkte und schonungslose Art erzählt Christina König von einer toxischen Beziehung und deren weitreichenden Folgen und umkreist dabei auf originelle Weise Möglichkeiten, daraus wieder herauszufinden – oder auch nicht. (Klappentext)

Sie frühstücken in der weißen Küche mit den Hochglanzfronten. Hinter Alex die Umzugskartons, vier Stück an der Zahl mehr hat sie nicht, braucht sie auch nicht. Viktoria schlägt vor, dass sie auspackt. Es dauert ihr zu lange, also greift Viktoria zum Messer und lässt es durchs Klebeband gleiten. Ein erster ernüchterter Blick auf die alte grün graue Decke, die Alex Lieblingsschwester ihr genäht hat, zündet ihr die Idee, alles in den Keller zu räumen, aber Alex braucht ihre Sachen um sich. Sie darf sie im Büro unterbringen, in einer eigens für sie erworbenen Kiste, versprochen.

Viktoria schenkt ihr ein Handy zum Einstand, fast so teuer wie ihres. Du bist verrückt, sagt Alex. Sie habe sich schon geschämt, wegen dem alten gammligen, meint Viktoria. Darüber ist Alex sauer, sagt aber nichts. Sie hüpft ein bisschen auf der Stelle und ruft Laute des Entzückens, das mag Viktoria.

Nach einigem Hin und Her und der Suche nach geeigneten Massageräumen für ihre Praxis schlägt Viktoria vor, dass sie ihr Poolhaus nutzt. Nach einigem Hin und Her lässt sich Alex darauf ein. Sie will Viktoria Miete zahlen, aber die will das nicht. Weil Viktoria gut in Innenausstattung ist -geschultes Auge durch ihre Hausverkäufe- richtet sie Alex das Massagestudio ein. 

Viktoria lässt alle ihre Bekannten und Freundinnen wissen, dass ihre Geliebte nun Massagen anbietet. Sie hat ihre Webpräsenzfirma involviert, für Alex Außenwirkung zu sorgen. Alex massiert Viktoria, weil die sich steif fühlt und massiert werden möchte. Alex wird scharf, hält sich aber zurück, weil sie nicht den Eindruck vermitteln will, das passiere ihr bei ihren Kundinnen. Als sie zu Viktoria ins Bett kommt, schmollt die. Auf Alex Bohren sagt sie, sie fände es erstaunlich, dass sie nackt vor Alex rumlaufen könne, ohne sie zu erregen. Sie wittert, dass die Beziehung schon zu Anfang am Ende ist.

Fazit: Christina König hat ein Paar erschaffen, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Während Viktoria alles per Herkunft in die Wiege gelegt wurde, muss sich Alex alles selbst erarbeiten. Viktoria möchte sie unterstützen und fühlt sich auch ein bisschen geil dabei. Sie profiliert sich vor Freunden und Bekannten mit ihrer Errungenschaft, die sie wie ein Püppchen in Kleidchen steckt, die Alex nie tragen würde. Viktoria erschafft sich eine Frau ganz nach ihren Vorstellungen und kann sich dabei als Wohltäterin aufspielen. Alex gewöhnt sich an die Fülle, die ihr Leben erleichtert und spielt bis zu einem gewissen Dreh mit. Der Schreibstil ist so authentisch und modern, dass ich bei Alex Gedanken köstlich amüsiert bin. Die ganze Geschichte ist aus Sicht Alex im Präsens geschrieben. Die Autorin hat sich für eine Du-Erzählung entschieden und das macht es noch unterhaltsamer. Es liest sich, als wenn eine Freundin mit mir quatschen würde. Die Charaktere sind wirklich originell. Die ruhige Alex, die ziemlich cool wirkt und gerne erst mal Situationen aussitzt und die alles bestimmende, übergriffige und narzisstische Viktoria. Ein Träumchen. Solche Beziehungsmuster sind übrigens weit verbreitet. Das hat mich exzellent unterhalten. Eine 100 pro Empfehlung von mir.

Die Autorin: Christina König, geboren 1993 in Linz. Wollte schon als Kind Buchschreiberin und Hasenzüchterin werden. Eins davon hat funktioniert. Studierte Germanistik und Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft in Salzburg und nahm von Werbetexterin bis Korrektorin immer Jobs an, die mit Schreiben zu tun hatten. Ihre Texte wurden zuletzt in Die Rampe, erostepost, mosaik und Am Erker veröffentlicht, sie war unter anderem bei zeilen.lauf 2024 und FM4 Wortlaut 2022 unter den Finalist:innen und stand auf der einen oder anderen Shortlist.
„Alles, was du wolltest“, wofür sie ein Arbeitsstipendium des Bundesministeriums für Kunst und Kultur erhielt, ist nicht ihr erster Roman, aber der erste, der das Licht der Literaturwelt erblickt.

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