Nach uns der Himmel von Simone Buchholz
Autorin: Simone Buchholz, Genre: Fiktion, Verlag: Suhrkamp Nova, ISBN: 978-3-518-47442-6, 1. Auflage 2024, 219 Seiten, Preis Hardcover €20,00
Acht Menschen auf einer Insel im Mittelmeer. Ein idyllisches Urlaubsparadies mit traumhaften Buchten, viel Sonne, pittoresker Architektur, Bars und Cafés an jeder Ecke. Konflikte? Einfach vergessen, bitte! Doch etwas stimmt nicht. Die ganze Szenerie wirkt fahl, die Inselbewohner seltsam abwesend. Und wo sind eigentlich die anderen Passagiere, mit denen die acht im Flugzeug gesessen haben? Claudius hat mal wieder alles bezahlt, für sich und Elisabeth, aber auch für ihre Studienfreunde Annike und Benedikt. Claudius zahlt immer, weil er’s kann. Sara und Marc sind mit ihrem Sohn Vincent hier, der schwer krank ist, vielleicht machen sie zum letzten Mal gemeinsam Ferien. Gäbe es Vincent nicht, wären Sara und Marc längst kein Paar mehr. Schließlich ist da noch Heidi, die gerade wieder eines ihrer Start-ups verkauft hat und auf die nächste heiße Idee wartet – das lenkt so schön ab von der Sache, über die sie nicht gern nachdenkt.
Die Wege der acht kreuzen sich immer wieder in der kleinen Stadt am Meer. Sie finden sich, zerstreiten sich, lieben sich oder lieber doch nicht. Ferien eben. Doch aus den zu Beginn kleinen Ungereimtheiten um sie herum werden immer größere Löcher, und ihr Bewegungsradius scheint stetig kleiner zu werden. Nach und nach wird ihnen klar, dass hier und jetzt die letzte Gelegenheit sein könnte, sich noch mal richtig lebendig zu fühlen – bevor alles um sie herum zerbricht. (Klappentext)
Eine Boeing auf dem Weg ins Urlaubsparadies gerät in heftige Turbulenzen. Das Flugzeug wird so durchgerüttelt, dass sogar das Flugpersonal betreten schweigt. Die Gewitterfront macht die Landung unmöglich. Die Pilotin dreht ab, versucht zwischenzulanden. In Athen zittern die Passagiere die Treppe hinunter. Ein Shuttle fährt sie zum Flughafen.
4621 Cahuega Boulevard (Los Angeles)
Er sitzt an seinem Schreibtisch. Als es an der Türe klopft hebt er die Füße von der Tischplatte und stellt sein Whiskyglas in die unterste Schublade. Die Frau vom Controlling steht vor ihm, habe ein paar Fragen in vorausgegangener Sache.
Währenddessen fährt der Shuttle die Fluggäste zurück über die Rollbahn in den frisch betankten Flieger. Das Gewitter hat sich verzogen, sie fliegen weiter.
Benedikt erwacht wie immer um sechs in der Früh. Er dreht sich zu Annike, weil seine Lenden ihm das signalisieren. Die hat wie so oft keine Lust, also geht er laufen. Der Traum der letzten Nacht, vom Himmel abgestürzt zu sein, hat ihm viel Schweiß auf der Haut beschert und so trinkt er zuerst einmal viel Wasser.
Sara dreht sich zu Marc, sieht ihm kurz beim Schlafen zu. Ihr erster Blick des Tages gilt ihrem Mann, doch den ersten Gedanken widmet sie ihrem Sohn. Ob er diese Nacht geschlafen hat? Wie jeden Morgen wenn sie erwacht, hat sie auch dieses Mal die Mauer um sich herum errichtet.
Claudius, der schwer in der Matratze versunken ist, grunzt vor sich hin. Seine Hand versucht Elisabeth zu ertasten, aber ihre Seite ist leer. Sicher bereitet sie in der Appartementküche schon das Frühstück für Benedikt, Annike und sie beide. Wohlig grinst er vor sich hin, weil er die beiden eingeladen hat. Benedikt ärgert sich seit Jahren darüber, dass Claudius so spendabel ist, einfach, weil er es kann.
Fazit: Simone Buchholz hat mehrere Charaktere miteinander verwoben. Alle haben ihre Probleme, die sie im Beziehungsalltag herausfordern. Hier auf dieser Insel werden die Defizite sichtbar, weil sie sich schlecht wegdrängen lassen. Außerdem stolpern die Urlauber über allerlei Merkwürdigkeiten, die sie sich nicht erklären können. Die Inselbewohner beachten sie nicht. Eine Bootsfahrt führt zu erstaunlichen Beobachtungen, Gebäude verschwinden und Wetterphänomene häufen sich. Immer wieder richtet die Autorin den Blick nach Los Angeles, wo zwei seltsame Menschen dubioses Treiben. Es ist eine absolut fiktive Geschichte voller Wendungen, fast schon ein bisschen überzogen und doch so interessant geschrieben, dass mich nichts gestört hat. Und obwohl mich nichts mehr hätte überraschen sollen, hat mich das Ende erstaunt.
Die Autorin: Simone Buchholz, geboren 1972 in Hanau, zog 1996 nach Hamburg, wegen des Wetters. Sie wurde auf der Henri-Nannen-Schule zur Journalistin ausgebildet und schreibt seit 2008 Kriminalromane. Ihre Reihe um die Staatsanwältin Chastity Riley wurde vielfach ausgezeichnet. Simone Buchholz wohnt auf St. Pauli und schreibt regelmäßig die Kolumne ‚Getränkemarkt‘ im SZ-Magazin sowie Texte für Die Zeit.