Rezensionen Sonnenhang

Sonnenhang von Kathrin Weßling

Autorin: Kathrin Weßling, Genre: Frauenfiktion, Verlag: Rowohlt (Hundert Augen), ISBN: 978-3-498-00391-3, 2. Auflage 2025, 215 Seiten, Preis Hardcover €23,00

Werbelink*
Werbelink*
Werbelink*

Aufrichtig und kompromisslos schreibt Kathrin Weßling über das Nicht-mehr-jung-Sein, zerbrochene Lebensträume und darüber, dass man manchmal an den ungewöhnlichsten Orten Freundschaft findet.
Während ihre Freundinnen Kinder bekommen und Instagram eine einzige Happy-Wife-Happy-Life-Show zu sein scheint, sitzt Katharina in ihrer Wohnung und betäubt sich mit Arbeit und Trash-TV. Mit Ende dreißig hat sie sich arrangiert mit diesem recht ereignislosen Leben, in dem noch alles möglich ist. Das zumindest glaubt sie, bis sie erfährt, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann. Plötzlich fühlen sich die Nächte in Kneipen und die Tage am Schreibtisch nur noch sinnlos an. Dann nimmt sie eine ehrenamtliche Stelle in der Seniorenresidenz
Sonnenhang
an. Die Wochenenden bestehen nun aus Eierlikörschmuggel, Kniffeln und skurrilen, liebenswürdigen Begegnungen. Als die nächste große Entscheidung ansteht, muss Katharina sich fragen, was sie eigentlich will. Und ob sie nicht ganz unbemerkt schon längst gefunden hat, wonach sie so verzweifelt sucht. (Klappentext)

Katharina klickt sich durch Instagram. Sie hasst diese Wifey-Accounts, die Frauen, die ständig schwanger sind und in ihrem Mutterding aufgehen. Sie hasst es deshalb, weil sie eben auch gern schwanger wäre, aber weit und breit keine Aussicht auf einen liebenden Ehemann besteht, denn die sind alle vergeben. 

Seit dieser unsäglichen Sache ist sie im Homeoffice. Weil ihr die zeitliche Orientierung abhandenkommt, steht sie immer später auf und arbeitet dann bis in den Abend ohne Pause. Sie ist selbstständige Beraterin, arbeitet wenig für sehr viel Geld und hat sich mit Aktienpaketen abgesichert. Darüber hinaus raucht sie zu viel, trinkt zu viel und schläft schlecht. Insgesamt will ihr das mit der Selbstfürsorge nicht gelingen. 

Bis vor Kurzem konnte sie gut Entscheidungen treffen, aber seit der Operation zweifelt sie oft, weiß einfach nicht mehr, was ihr guttut. 

Sie hasst diese Menschen, die alles ewig abwiegen und an allem zweifeln und die so langsam leben, dass die Angst sich gelangweilt von ihnen abwendet. S. 124

So war auch Schnittlauch, ihr Ex, der wollte immer, dass sie ihm die Verantwortung abnahm, wollte einfach nicht erwachsen werden. Er stand nicht einmal zu ihr, stellte sie niemandem vor. Und sie machte das mit, lächelte ihren Frust einfach weg, bis sie dann auf Teneriffa platzte, in ihrem letzten gemeinsamen Urlaub.

Fazit: Kathrin Weßling hat eine Frau Ende dreißig porträtiert. Sie ist gewollt Single, sehnt sich aber nach Körperkontakt und matcht sich durch Dating-Apps. Ihre Freizeit verbringt sie mit Zocken und Fernsehen. Sie ist beruflich erfolgreich und verbirgt damit ihren geringen Selbstwert. Eine Gebärmutterentfernung stürzt sie in die Depression und ihre Ablenkungsmechanismen funktionieren nicht mehr. Auf sich allein geworfen sehnt sie sich nach nichts mehr als nach einem Partner und entwickelt Aversionen gegen Mütter. Es ist die Geschichte einer modernen Frau, die keinen rechten Sinn im Leben findet. Sie weiß nicht, wer sie ist und was sie braucht. Der Zufall spielt ihr eine neue Aufgabe zu, die Veränderung möglich macht. Die Autorin hat eine Menge guter Sätze geschrieben, jung, frech und amüsant. Die Traurigkeit und Frustration der Protagonistin überwiegt allerdings. Ich fand die Schwermut, das Selbstmitleid und die Hysterie (gezeigt durch unzählige Adjektive und Wortwiederholungen) zum Teil anstrengend, ebenfalls die vielen inneren Monologe, im Gegensatz zur geringen Interaktion. Den körperlichen und psychischen Auswirkungen der tragischen Hysterektomie bei einer so jungen Frau hätte ich mehr Aufmerksamkeit gewünscht. Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, der hauptsächlich das Innenleben der Protagonistin umkreist.

Die Autorin: Kathrin Weßling ist Autorin und Social-Media-Expertin. Ihre Postings und Beiträge verfolgen über 70.000 Menschen. Ihr Buch Super, und dir?, wurde von Presse und Leser*innen als ‚der Roman ihrer Generation‘ gefeiert. Sie schreibt außerdem regelmäßig für ZEIT ONLINE, Spiegel, ZEIT uvm. Kathrin Weßling lebt in Berlin.

 

Du magst vielleicht auch

Kommentar verfassen