Rezensionen Supertoskana

Supertoskana von Max Küng

Autor: Max Küng, Genre: Gesellschaftsroman, Verlag: Kein&Aber, ISBN: 978-3-0369-5094-5, 1. Auflage 06/2026, 498 Seiten, Preis Hardcover €27,00

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Eigentlich fantastisch, die Idee: Drei Paare verbringen zusammen die Sommerferien in der Toskana. Ein bisschen am Pool liegen, ein bisschen  dolce far niente , ein bisschen sich den Bauch vollschlagen. Vielleicht auch einfach mal wieder einen guten Krimi lesen. Die Tage im Süden sind auch ganz wunderbar – wäre da nicht die junge Partnerin des einen, wäre da nicht das hässlichste (und lauteste) Baby der Welt, wäre da nicht der Schriftsteller mit schütterem Haar und ebensolcher Lebensenergie. Die bringen das Gefüge jener durcheinander, die sich aus Ferien in Frankreich bereits kennen. Und dann sind da noch die Geschichten der Vergangenheit, welche sie einzuholen drohen, sowie die Konflikte innerhalb und zwischen den Paaren. Bald schmoren alle nicht nur auf dem Liegestuhl unter der strahlenden Sonne der Toskana, sondern auch im eigenen Saft. Bis der Regen kommt. Der Regen, der nicht mehr aufhören will – und das Paradies endgültig in eine Hölle verwandelt. (Klappentext)

Jean und Jaqueline sitzen in der Kirche und betrauern die Eltern von Salome und Filipp, die in einem Bus in Tunis ertrunken sind. Jean sieht sich verstohlen um, ob Bernhard und Veronika anwesend sind. Er hatte Veronika seit ihrem letzten Frankreichurlaub mehrmals gegoogelt und die Firmenfotos von ihr angesehen und fand, dass sie mit dem blonden Bob und der Brille regelrecht verwegen aussah. Das hatte ihm einige süße Träume beschert. In der Realität natürlich undenkbar, sicher wäre sie sich zu fein für einen wie ihn und dann die Sprengkraft einer Affäre, die seine Familie auseinanderschlagen könnte. Das wäre es ihm nicht wert, aber träumen durfte man doch. 

Filipp hatte eine wunderbare Rede gehalten, das sagten Jaqueline und Jean ihm auch, als sie den beiden kondolierten. Sie hatten sich ergriffen in die Arme genommen, so als seien sie beste Freunde und das hat Jean gefreut. Filipp war von seinen Worten selbst ganz angetan und bereute, den fetten, feisten Pfarrer mit ins Boot geholt zu haben, der gelangweilt alle möglichen Metaphern von Häusern herausschwafelte, nur weil Salomes Vater Immobilienhändler gewesen ist. Filipp hatte den Alten nicht ausstehen können und nun lag er in der Holzkiste neben seiner Frau, die Filipp bei jeder sich bietenden Gelegenheit spüren ließ, dass er ihr nicht genügte. 

Als wenige Wochen später Jaquelines Handy klingelte und Salome ihr vorschlug, gemeinsam in die Toskana in ihre Ferienvilla zu fahren, staunte sie nicht schlecht. Sofort sah sie die Gelegenheit, über ein Promoting für die beiden Künstler, die Insolvenz ihrer Firma abzuwenden und noch mal günstig wegzukommen. 

Fazit: Max Küng, Reporter, Kolumnist und Autor aus der Schweiz, hat mit diesem Buch einen Gesellschaftsroman geschaffen, der sich sehen lassen kann. Ich lerne sechs Menschen beziehungsweise drei Paare kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da sind Jean und Jaqueline, die sich von ihrer Werbefirma trennen mussten. Er, der Genießer kulinarischer Höhepunkte, die er selbst zaubert, hat ein ordentliches Alkoholproblem. Sie sensationslüstern, horcht gerne ihre Mitmenschen aus. Salome und Filipp, die Sängerin und der Schauspieler, genießen den Millionenzuwachs, der ihnen durch den Tod ihrer Eltern in den Schoß gefallen ist. Filipp sprüht vor Ideen, den unverhofften Zugewinn schnellstmöglich zu dezimieren und seine zarte Frau sucht und findet ihre sexuelle Neuorientierung. Bernhard und (Veronika ist Geschichte) Crissy, die fünfzehn Jahre jüngere, erleben gerade die Freuden der Elternschaft. Max Küng erzählt mit bissiger Ironie, wie unterschiedliche Interessen und Befindlichkeiten aufeinanderprallen. Die Charaktere sind fein ausgearbeitet und so überzeugend, dass ich keinen davon kennenlernen möchte. Die ungeahnte Anwesenheit eines Stalkers bringt noch ein wenig Spannung in die Story, und das Ganze wird zur vergnüglichen Unterhaltung und eines Urlaubsromans würdig. Einzig das abrupte Ende hat mich leicht ratlos zurückgelassen.

Der Autor: Max Küng, geboren 1969 in Maisprach bei Basel, ist seit 1999 Reporter und Kolumnist beim Magazin des Tages-Anzeigers . Neben diversen Veröffentlichungen erschienen bei Kein & Aber seine Kolumnensammlung  Die Rettung der Dinge und seine Romane Wenn du dein Haus verlässt, beginnt das Unglück sowie Fremde Freunde . Wir kennen uns doch kaum ist sein Romandebüt. Max Küng lebt in Zürich.

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