Rezensionen In Bloom

In Bloom von Liz Allan

Autorin: Liz Allan, Genre: Coming-of-Age, Verlag: Unionsverlag, ISBN: 978-3-293-00636-2, 1. deutschsprachige Auflage 7/2026, 272 Seiten, Preia Hardcover €24,00

Romandebüt

Aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn

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1994, eine abgehängte australische Kleinstadt: Vier Freundinnen wollen dem Mindestlohn-Schicksal ihrer Mütter entkommen und mit ihrer Musik beim Battle of the Bands durchstarten. Kurt Cobain ist ihr Kompass, Grunge ihr Rhythmus, und dieser Wettbewerb soll ihr Ticket in die Freiheit werden – auch wenn sie nur drei Akkorde können. Doch als die Leadsängerin Lily ihren verehrten Musiklehrer Mr P des Missbrauchs beschuldigt, droht alles zu zerbrechen. Wie weit sind die übrigen drei Mädchen bereit zu gehen, um ihren Traum zu retten – und was sind sie bereit zu opfern? Eine kritische Hommage an die nicht so rosigen 90er und ihre zweifelhaften Helden, ein ungeschönter Blick auf Freundinnenschaft und das Aufwachsen in prekären sozialen Verhältnissen – smells like disillusioned teen spirit. (Klappentext)

Vincent ist das verschlafene Nest mit den alleinerziehenden Müttern wegen den abgehauenen Vätern. Hier leben „The Bastards“, vier vierzehnjährige beste Freundinnen. Violet, Jade, Lily und Amy, aber eigentlich sind sie eine totale Einheit, ein „Wir“, denn sie sitzen im gleichen beschissenen Boot und sind gemeinsam stärker. Mr. P. ihr Musiklehrer hat sie zum Battle of the Bands angemeldet, er ist der einzige Erwachsene, der sie ernst nimmt und die einzige Chance, je aus diesem Kaff rauszukommen. Ihr Sound ist Grunge und sie verehren Kurt Cobain, der ihnen aus der Seele singt. 

Und dann wurde Lily bei den Bullen gesehen und weil Lily feige ist, muss wirklich was passiert sein. Amys großer Schwarm im wirklichen Leben Sunny, weiß mehr. Lily wurde in einen weißen Lieferwagen gezerrt und jemand hat Gott weiß was mit ihr gemacht. Und dann behauptet sie, der Fahrer sei Mr. P gewesen, sie habe ihn an der Stimme erkannt. Und dann hatten sie keine Leadsängerin mehr, weil die Schlampe ihnen den Laufpass gegeben hat. Ab da hatten die drei Verlassenen wieder Augen für ihre Asbest-Häuser, abgewrackten Mütter und kleinen Geschwister mit den klebrigen Händen. Sie schrien „Raus!“, schlugen ihre Zimmertüren zu und rissen die Poster von den Wänden. Sie kletterten aus ihren Fenstern, trafen die übrig Gebliebenen, beratschlagten und weinten. 

Mr. P., der, den sie brauchen, um überhaupt zu dem Songcontest Award zu kommen, der, der ihnen seit Monaten Musikraum und Instrumente zur Verfügung stellt, ohne den sie nie soweit gekommen wären, sitzt in einer Zelle und man lässt sie nicht mit ihm sprechen. Dieser miese Buddy, der Macker von Lilys Mutter, der Lily ständig am Hintern hängt und auch mal härter zulangt, der wird das mit dem Lieferwagen gewesen sein und Lily zu feige ihn anzuzeigen, hat den guten Mr. P. angeschwärzt und ihnen die Chance ihres Lebens vermasselt. 

Fazit: Die Autorin Liz Allan hat in ihrem Romandebüt („Best Debut Novelist 2026“ Observer), eine 90er-Jahre Mädchenfreundschaft erzählt. Vier beste Freundinnen seit Kindertagen, aus einem australischen Randbezirk, wachsen in sozial prekären Verhältnissen auf. Ihre Mütter sind arm und meistens schwanger, die Väter nicht vorhanden. Sie können drei Akkorde und die wollen sie nutzen, um ihre Chancen auf ein lebenswertes Dasein zu verbessern, doch dann dreht Lily scheinbar durch und zeigt ihren Musiklehrer, den einzigen Vertrauten der Mädchen an. Liz Allan schreibt szenisch, zerrt mich mitten rein und lässt mich hilflos zuschauen, wie das Drama seinen Lauf nimmt. Die Geschichte ist aus Amys Sicht erzählt, die immer von wir spricht und mir zeigt, wie stark sie sich zusammen fühlen. Sie sind überzeugt, dass sie aufeinander aufpassen, sich gegenseitig schützen, bis es aus dem Ruder läuft und etwas in ihnen zerbricht. Als die Mädchen versuchen, den wahren Angreifer Lilys zu finden, bekommt das Ganze so einen Crime-Smell, den ich sehr gelungen finde. Immer wieder blitzen Szenen auf, in denen ich sehe, wie Lily von ihrem Stiefvater gedemütigt wird. Das Ende hat mich in seiner unerwartbaren Heftigkeit emotional sehr gefordert. Der Sprachstil hat mich locker flockig durch die Seiten flattern lassen. Auch ein großes Lob an die Übersetzungsakrobatin Lisa Kögeböhn für die gelungene Arbeit. Ein ganz großes Lesevergnügen mit unaufdringlicher Tiefe. Es geht um männlichen Machtmissbrauch, Vertrauensbruch und den Wunsch nach Zugehörigkeit und Individualität.

Die Autorin: Liz Allan ist eine australische Schriftstellerin und Lehrerin, die in Großbritannien lebt und arbeitet. Sie absolvierte einen PhD in Creative Writing und einen Masterabschluss in Pädagogik an der Universität in Adelaide. Ihre Prosa wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rachel Funari Prize for Fiction und dem Alan Marshall Short Story Award.

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