Hofsommer von Hanna Heim
Autorin: Hanna Heim, Genre: Familienbiografie, Verlag: Heyne (Penguinrandomhouse), ISBN: 978-3-453-27531-7, 1. Auflage 04/2026, 290 Seiten, Preis Hardcover €24,00
Debütroman
Wer Leben will, muss auch die Konsequenzen tragen
Schon seit Doreen denken kann, ist Fallera für sie ein Sehnsuchtsort. Auf dem Pferdehof im Osten der Republik ist sie aufgewachsen, bei ihrer Mutter und den Großeltern, die den Hof in der DDR aufgebaut haben. Ausgerechnet als Doreen sich in München ein eigenes Zuhause aufbauen will, fassen ihre Großeltern einen Entschluss: Sie möchten sterben, freiwillig und gemeinsam, bevor die letzte Meile anbricht. Als Doreen davon erfährt, packt sie ihre Sachen und lässt das Großstadtleben hinter sich, fest entschlossen, das Vorhaben ihrer Großeltern zu verhindern und ihnen das Leben wieder schmackhaft zu machen. Doch Maria und Helmut sind genauso dickköpfig wie ihre Enkelin – und Doreen wird langsam klar, dass nach Hause kommen auch bedeuten kann, Abschied zu nehmen. (Klappentext)
Doreen klaubt Amelie vom Boden auf. Die will bei achtzehn Grad Außentemperatur ihre gefütterten Einhornstiefel anziehen. Doreen hat keine Zeit, das auszudiskutieren. Sie hat ihr die Turnschuhe übergestreift, ihr brüllendes Kind auf die Arme gehoben und lässt sich jetzt treppabwärts von kleinen Fäusten auf die Brust hämmern. Ab in den Kindergarten mit dem Energiebündel. Die SMS ihrer Mutter hatte sie gerade überflogen. Es geht um Maria und Helmut und es scheint dringend.
Helmut liegt im Bett, hört das Scharren der Hufe, das Schnaufen der Nüstern, das Wiehern und Grasen. Warum sollte er aufstehen, in seinem Alter pfeift ihn niemand mehr aus dem Bett. Alles im Leben war ihm passiert. Das Schmieden genau wie die Fohlenzucht. Die große Verwirrung am Ende der DDR. Nur Maria war ihm nicht passiert, für sie hatte er sich entschieden. Das feine Mädchen mit den vielen braunen Haaren und den langen Beinen. 1956 bei der Kartoffelernte hatte er am Besteck neben ihr gestanden. Sie trug ein selbst genähtes Städterinnenkleid in Rosa mit blauen Blumen. Ihre Arme voller Staub, der sich mit ihrem Schweiß vermischt hatte. Nur ihre gewaschenen Hände mit den langen Fingern waren schneeweiß. Jetzt liegt sie neben ihm und atmet schwer. Lunge, Endstadium. Sie haben sich entschieden, zusammen zu gehen. Ihre Tochter Sandra wird einen Weg finden und sie wird es Doreen sagen müssen.
Fazit: Die Wirtschaftsjournalistin Hanna Heim hat nach dem Tod ihrer Großeltern ihre Familiengeschichte aufgearbeitet. Ihre Protagonistin Doreen wuchs auf dem Pferdehof ihrer Großeltern im Osten Deutschlands, in Fallera auf. Später hat sie in München eine Familie gegründet. Ihre Mutter ist Kommunalpolitikerin in Fallera und kämpft gerade mit einem Skandal. Als ihre Eltern sich für einen assistierten Doppelsuizid entscheiden, will ihre Enkelin ihnen mit allen Mitteln das Leben wieder schmackhaft machen. Ich bin hin und her gerissen. Wirklich gut gefallen haben mir Helmuts Rückblicke. Ich erfahre realistisch, wie es war, in der DDR zu leben, kein Individuum zu sein, sondern ein winziges Rädchen im Getriebe gegen den Imperialismus. Das Thema finde ich interessant, der Wunsch in Würde zu altern und wenn das nicht mehr möglich ist, früher zu gehen. Ich konnte mich mit dem Schreibstil nicht anfreunden. Da war mir zu viel Pathos, der an Hysterie grenzte und die Dialoge waren flach:
„Bereit Baby?“ „Was meinst du Liebste?“ „Wer von euch zwei Schnuckies will denn anfangen?“
Grundsätzlich fand ich das Buch unterhaltsam und die Idee gut, aber der Stil hat mich nicht überzeugt.