Rezensionen Trost

Trost von Angelika Klüssendorf

Autorin: Angelika Klüssendorf, Genre: Gesellschaftsroman, Verlag: Piper, ISBN: 978-3-492-07267-0, 1. Auflage 7/2026, 210 Seiten, Preis Hardcover €24,00

Mehrfach ausgezeichnete Autorin

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Das neue Buch der Bestsellerautorin von DAS MÄDCHEN, APRIL und JAHRE SPÄTER Ein Jahr, das alles verändert: 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich aus der Welt. Für die siebzehnjährige Jane bekommt das Leben erste Risse. Zu Rita, ihrer Stiefmutter, hat sie eine tiefe Bindung. Und wie soll sie mit einem Krieg umgehen, dessen Gewalt sie nicht begreifen kann? Wird ihre Freundschaft mit Lea dieses abgründige Jahr überdauern? Joachim, ein Analphabet in der Seelenliebe, begegnet dagegen mit Ende sechzig einer unverhofften Liebe, die er nicht hinterfragen muss. Ein trotzig-heiterer Roman von beklemmender Aktualität, der nach Trost fragt in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. (Klappentext)

Rita zieht den Morgenmantel über den Schlafanzug. Der Januar ist bitterkalt. Joachim ist zurück nach Berlin gefahren, so halten sie es seit elf Jahren. Sie schaltet die Kaffeemaschine ein, zündet eine Zigarette an und öffnet das Fenster. Eine kleine Schar Marienkäfer hat sich im Fensterrahmen versammelt. Sie öffnet den Mund, atmet tief ein, erstaunt, hustet, spürt einen stechenden Schmerz. Ihr Herz eine Leerstelle, sie bekommt keine Luft. 

Der große Raum ist eingeheizt, auch den Kamin hat Rita bestückt. Der Weihnachtsbaum strahlt in bunten Farben. Sie muss Joachim vom Bahnhof abholen, weil der keinen Führerschein mehr hat. Ihr ist mulmig. Die letzten Male haben sie mehrfach gestritten. Er nimmt sie weder richtig wahr noch ernst. Wenn ihr der Kragen platzt, haut er zielsicher gleich nach Berlin ab. Sagt sie ihm, dass es vorbei ist, steht er mit Geschenken vor der Tür, gibt sich ein Weilchen Mühe, bis sie wieder verschwindet. Einzig seine Tochter Jane hält sie noch bei Laune. Sie hat sich noch nie in den Richtigen verliebt. Treffsicher findet sie den, der ähnlich verwaist ist, wie sie. Ihre Mutter starb, als sie sieben war, sie wuchs in einem Kinderheim auf. Seitjeher hat sie Angst, verlassen zu werden. 

Jane macht sich Sorgen um ihre beste Freundin Lea, die driftet gerade irgendwie weg. Ihre Mutter versinkt in ihren Netflixserien auf dem Sofa, Zigaretten und Wein neben sich. Russland hat die Ukraine angegriffen, gerade nachdem das Virus seinen Griff gelöst hat. Und jetzt liegt Rita im Koma. 

Fazit: Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Angelika Klüssendorf („Risse“ Longlist des Deutschen Buchpreises 2023), hat sich diesmal auf drei Menschen konzentriert. Gleich zu Anfang fällt ihre Protagonistin Rita durch einen Wespenstich ins Koma, gerade als die siebzehnjährige Jane sie am nötigsten braucht. Zuvor fühlte Rita sich in der Beziehung zu Janes Vater, dem launischen Gefühlsklotz nicht mehr gut aufgehoben. Auch Joachim fühlt sich nicht mehr so umsorgt und beachtet wie zu Anfang. Joachim sucht und findet die fehlende Zuneigung woanders und nicht nur das. Die Autorin lässt mich kapitelweise abwechselnd in Ritas, Janes und Joachims Köpfe schauen und bringt mir die Nöte und Bedürfnisse aller drei nahe. Die Geschichte ist im Präsens geschrieben und erleichtert das Gefühl des Dabeiseins. Durch ein paar kleine Schnitzer büßt das Ganze ein wenig Glaubwürdigkeit ein. Ein Wespenstich im Januar oder ein handschriftliches Testament, das rechtswirksam ist. Doch sonst wirkt alles souverän und realistisch. Ein leicht zu lesender Gesellschaftsroman, der mir gut gefallen hat. 

Die Autorin: Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute wohnt sie auf dem Land in Mecklenburg. Sie veröffentlichte mehrere Erzählbände und Romane und die von Kritik und Lesepublikum begeistert aufgenommene Romantrilogie ‚Das Mädchen‘, ‚April‘ und ‚Jahre später‘, deren Einzeltitel alle für den Deutschen Buchpreis nominiert waren und zweimal auch auf der Shortlist standen. Zuletzt wurde sie mit dem Marie Luise Kaschnitz-Preis (2019) ausgezeichnet. Die französische Übersetzung ihres Romans ‚Vierunddreißigster September‘ stand auf der Longlist des Prix Femina 2022. Ihr Roman ‚Risse‘ wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2023 nominiert.

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