Popóm von Johanna Sebauer
Autorin: Johanna Sebauer, Genre: Humorvolle Fiktion, Verlag: Dumont, ISBN: 978-3-7558-0079-8, 1. Auflage 07/2026, 224 Seiten, Preis Hardcover €24,00
Mehrfach ausgezeichnete Autorin (Nincshof, Das Gurkerl)
Seine Endzwanziger hat sich Hendrik Popom anders vorgestellt. Nichts will ihm so richtig gelingen. In seinem Agenturjob sitzt er seine Zeit ab, mit seiner Freundin lief es schon einmal besser, und dann ist da plötzlich dieser Mann – Popóm. Er ist fast doppelt so alt und dennoch weiß Hendrik: Dieser Mann bin ich. Zögerlich nähern sich die beiden einander an. Ihre Beziehung ist voller Rätsel, Zuneigung und Widerstände. Hendrik hofft, in seinem anderen Ich das zu finden, was ihm in seinem Leben fehlt – Halt und Zuversicht. Doch je stärker er sich an Popóm klammert, desto mehr weicht dieser zurück. Als er sich einer Kollegin anvertraut, begreift er, welch hohen Preis man zahlt, wenn man sich dem Leben entzieht. In -Popóm- entfaltet sich das klassische Literaturmotiv des Doppelgängers vor der Kulisse einer immer unübersichtlicheren Gegenwart. Nach dem großen Erfolg ihres Debüts -Nincshof- und der beim Bachmann-Wettbewerb mehrfach ausgezeichneten Kurzgeschichte -Das Gurkerl- lotet Johanna Sebauer erneut die Grenzen zwischen Fiktion und Realität aus – leichtfüßig und mit feinem Humor. (Klappentext)
Hendrik Popom läuft zum Späti. Seine Angebetete hat noch Gelüste. Eine Fassbrause und diese Schokolade, deren einzelne Riegel in rosa Papier eingewickelt sind. Es ist früher Abend, die Schiebetüren öffnen sich und der Beat bumst in sein Ohr. Noch ist nicht viel los, die Mitarbeiter wappnen sich für den Ansturm und räumen Kühlschränke ein. Schon bald werden etliche Jugendliche in Feierlaune heranströmen. Hendrik schlurft durch die Gänge, findet begehrten Süßkram, nimmt noch ein Tütchen geröstete Pistazien für sich und macht sich auf den Weg zu den Limos. Etwas zwingt seinen Blick geradeaus. Da steht er, ein großer Mann in saharagelbem Mantel und grauem Hut. Er steht mit dem Rücken zu ihm, in der einen Hand eine Dose sonnengereifter Pfirsiche. Etwas an seiner Aura kommt Hendrik bekannt vor. Nein anders, dieser fremde Mann, der mindestens doppelt so alt ist wie er, ist Hendrik selbst. Hendrik weiß das mit einer gruseligen Sicherheit. Es ist wie ein Dejavu. Man betritt einen Raum, in dem eine bestimmte Atmosphäre herrscht, die sich als Gewissheit auf einen legt, gleich wird mich die Person dort hinten ansprechen, als habe man es genau so schon einmal erlebt. Wer kennt es nicht?
Der Mann geht zur Kasse, Hendrik folgt ihm und bleibt direkt hinter ihm stehen. Der Laden hat sich gefüllt, die Schlange ist lang. Kühltüren werden aufgerissen, zugeschlagen, Flaschen klirren auf Metall, lachen. Der Mann ist an der Reihe, er zahlt bar, lupft den Hut, verabschiedet sich. Hendrik sieht ihm hinterher, die Gewissheit, dass er ihm folgen muss, ihn ansprechen, sitzt ihm im Genick. Der Kassierer fragt: „Wat is´n jetza?“ Hendrik guckt ihn an, schaut sich um, spürt die Unruhe hinter sich. Er räuspert sich, legt die Sachen auf die Theke, entschuldigt sich, läuft auf die Straße, sieht den, der sich mit großen Schritten entfernt. Er geht hinterher, so schnell seine Adiletten, die ihm an die Fersen klatschen, das eben zulassen. Leute weichen aus, drehen sich nach ihm um, lachen.
Fazit: Die mehrfach ausgezeichnete Autorin (Nincshof und Das Gurkerl) hat für diese Geschichte einen Endzwanziger Protagonisten erschaffen, der seinem älteren Selbst begegnet. Hendrik Popom arbeitet in der Werbebranche, seine jahrelange Lebensgefährtin trennt sich von ihm, als er Hendrik Popóm zum ersten Mal begegnet ist. Zwischen den beiden Männern entspinnt sich eine Vater-Sohn-Beziehung. Der junge Mann ist mit den Veränderungen des Lebens überfordert und gibt am liebsten die Verantwortung ab. Er fühlt sich nirgendwo dazugehörig, geradezu fremd in der Welt. Mir schien während des Lesens dieser absurden Geschichte, dass er bisher keine der größeren Hürden des Lebens nehmen durfte, so verzagt, verzweifelt und verloren wirkt er. Diese Mischung aus Überforderung, Selbstbezogenheit und Abhängigkeit hat mich abgestoßen und angestrengt. Ich habe auch leider Johanna Sebauers Humor nicht verstanden, denn der Text wird als humoristisch, gar satirisch angepriesen. Das war nicht meins.
Die Autorin: JOHANNA SEBAUER, 1988 in Wien geboren, ist im Burgenland aufgewachsen. Ihr Roman -Nincshof- (DuMont 2023) wurde mit dem Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für das Hamburger Buch des Jahres 2023. Ihre Kurzgeschichte -Das Gurkerl- (DuMont 2026) erhielt beim Bachmann-Wettbewerb 2024 den 3sat-Preis und den Publikumspreis. Nach vielen Jahren in Hamburg lebt Johanna Sebauer heute wieder in einem kleinen Dorf im Burgenland.