Rezensionen Magisch

Magisch von Annika Büsing

Autorin: Annika Büsing, Genre: Gegenwartsroman, Verlag: S. Fischer, ISBN: 978-3-10397744-8, 1. Auflage 07/2026, 288 Seiten, Preis Hardcover €24,00

Mehrfach ausgezeichnete Autorin

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Von der Magie der zweiten Chancen, der Schönheit, die im Scheitern liegt und dem Mut, sich aufzubäumen -Der neue flirrende Roman der ‚Nordstadt‘-Autorin Magisch ist zurück. Natürlich in dem Haus hinter dem Knallerbsenwall, natürlich mit einem Job, der nicht ganz legal ist, natürlich mitten in der flirrenden Hitze des Spätsommers. Und alles fühlt sich an wie in ihren besten Zeiten, als Marie und Magisch erst enge Freunde und dann die erste Liebe wurden. Mehr als fünfzehn Jahre sind vergangen, und jetzt sitzen sie unten am Feldweg bei der Pferdekoppel im Schatten der Büsche und trinken Fanta-Korn als wären sie nie weg gewesen. Doch Andi, Maries Bruder, ist auch noch da, war tatsächlich nie weg, ist mittlerweile in der Partei, und noch immer gefährlich. Als Magisch bedroht wird, ist für Marie der Zeitpunkt gekommen, die Frage nach der Brandmauer in der eigenen Familie neu zu stellen. Von widerständiger Liebe, Geschwisterschaft, einer eigenwilligen Dorfgemeinschaft und einem Neuanfang am Rande des Ruhrgebiets
‚It-s magic, it`s you‘ (Klappentext)

Magisch ist wieder da, sagt Henning. Sofort sieht Marie die Bilder vor sich. Magisch und sie schliefen immer in einem Bett. Sie waren Kinder und er brauchte die Nähe, weil Mama Magisch nach dem Tod ihres Mannes krank vor Kummer war. Maries Eltern nahmen Magisch einfach zu sich. Vor sechzehn Jahren fing es an, dass sie nicht mehr nur nebeneinander schliefen. Ab da waren sie das Punk-Pärchen im Dorf. Warum weiß Marie eigentlich nicht. Ja, sie hatte blaue Haare und trug Nasen- und Lippenpiercing, aber das war eher in als punk. Und Magisch, der trug Sandalen und war ansonsten ein ganz normaler Typ, gut in Mathe, so dass alle dachten, aus dem wird mal was.

Ganz im Gegensatz zu ihrem älteren Bruder Andi, der hing mit Leuten rum, die Bierflaschen an Wände klatschten und auf Blechdosen schossen. Er verbot ihr, mit den Türken zu reden. Er hätte sich nie als Nazi bezeichnet, eher als einer, der sagte, was gesagt werden musste. Und dann hatten er und seine Jungs Langeweile und lauerten Magisch auf, als er nach einer Party auf dem Heimweg war. Sie hatten ihn so zurechtgestutzt, dass seine Mutter ihn nicht mehr erkannte. Dann ging Magisch irgendwann in die große Stadt zum Studieren und jetzt soll er wieder hier sein. 

Auch Marie war fünfzehn Jahre weg. Sie ist Noah gefolgt, weil sie sich in ihn verliebt hatte. Magisch hat das nicht gut verkraftet. Sie studierte auf Lehramt, was sich im Nachhinein als dumme Idee herausstellte, weil Marie gar nichts mit Kindern anfangen konnte. Nach einer Weile fiel ihr auf, dass sie mit Noah eine andere Marie geworden war. Eine, die mit Leuten über Filme sprach und Wein trank. Sie verreisten, gingen essen und es lief gar nicht schlecht. Doch dann zog es Marie wieder nach Hause. Ihr Vater freute sich, ihre Mutter war sauer. Sie hatte Noah gern gehabt, oder vielleicht die Marie, die sie mit Noah geworden war. 

Fazit: Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Annika Büsing hat mich mit ihrem vierten Roman wieder voll abgeholt. Diesmal erzählt sie eine Liebe mit Hürden und noch viel mehr. Ihre Protagonistin ist Mitte dreißig und zurück in ihr Heimatdorf gezogen. Das Leben, das sie geplant hatte, lässt sie hinter sich und fängt von vorne an. Ähnlich gestrandet ist ihre erste große Liebe Magisch. Als sie sich zum zweiten mal begegnen, ist die Anziehungskraft wieder da und doch tasten sie sich langsam aneinander heran, um Maries Vertrauensbruch zu überwinden. Auch das Trauma, das Maries Nazibruder ihrem Freund verpasst hat, bedarf einer Aufarbeitung, die die Autorin konfliktreich entwickelt. Die Autorin erzählt aus Maries Sicht und lässt mich in deren Kopf schauen. Dabei entsteht ein Bild von Magisch und Marie selbst, zwei Menschen, die man ins Herz schließen muss. Sehr gelungen finde ich auch Maries Interessenskonflikt, die zugleich Mitleid und Wut für ihren Nazibruder empfindet. Ich sehe, was ich längst ahne, dass Menschen, die einer Ideologie folgen, die sie intolerant und fanatisch macht, egal ob religiös oder politisch, sich verlaufen haben. Auch hinter dem Nacheifern stecken Menschen mit ihren eigenen Dämonen und Schicksalen und es schadet nicht, das im Hinterkopf zu behalten. Der Ton ist wie immer frisch, jung, rotzig und auch komisch. Wieder wurde ich mit Situationskomik reich beschenkt und durfte aus vollem Herzen lachen. Ich liebe alle ihre Bücher. („Nordstadt„, „Koller“ und „Wir kommen zurecht„) Annika Büsing hat ein unverkennbares Händchen für junge Menschen.

Die Autorin: Annika Büsing (*1981) lebt mit ihrer Familie in Bochum und unterrichtet an einem Gymnasium. 2022 gewann sie mit ihrem gefeierten Debüt ‚Nordstadt‘ den Deutschen Jugendliteraturpreis, den Literaturpreis Ruhr und den Mara-Cassens-Preis. Nominiert war sie außerdem für den Bayerischen Buchpreis, den Bloggerpreis Das Debüt und den Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals. Mit ‚Koller‘ schaffte sie es auf die Listen des Evangelischen Buchpreises und den Preis Das zweite Buch. Beide Romane wurden fürs Theater adaptiert. Ihr dritter Roman ‚Wir kommen zurecht‘ erschien im Frühjahr 2025 bei Steidl.

 

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