Fremde von Belle Burden
Autorin: Belle Burden, Genre: Memoir, Verlag: Luchterhand (Penguinrandomhouse), ISBN: 978-3-630-87873-7, 1. deutschsprachige Auflage 08/2026, 304 Seiten, Preis Hardcover €24,00
Aus dem Amerikanischen von Charlotte Breuer
New York Times Bestseller
Das gefeierte Memoir aus den USA: vom plötzlichen Ende einer glücklichen Ehe und vom Mut zum Neuanfang. ‚Belle Burden erkundet die Verletzlichkeit vieler Frauen.‘ Joyce Carol Oates ‚Genau das haben viele erlebt: Der eigene Partner wird plötzlich zu einem völlig Fremden.‘ Oprah Winfrey
‚Es war eine große Liebesgeschichte, eine für die Ewigkeit. Er wollte die Ehe, er wollte mich. Dann wollte er beides nicht mehr.‘ An einem kühlen Märztag 2020, zu Beginn der Pandemie, verkündet Belle Burdens Ehemann ohne Vorwarnung, dass er sie verlässt. Zwanzig Jahre sind sie verheiratet. Zuvor haben sie im Ferienhaus der Familie auf Martha’s Vineyard einen ganz normalen Tag verbracht: Feuer im Kamin gemacht, Whiskey Sours getrunken, Hähnchen gegrillt. Plötzlich wird aus dem zuverlässigen Ehemann und Vater ein Mensch, den sie kaum wiedererkennt. Er verlässt ihr gemeinsames Leben wie ein Schauspieler, der sein Kostüm ablegt. Mit fünfzig bricht für Belle Burden eine Welt zusammen. Mitten im Schock und Schmerz der Trennung muss sie erfahren, wie naiv es war, ihrem Mann blind zu vertrauen. Kennt man den Menschen, den man liebt, wirklich? Während sie auf schonungslos ehrliche Weise nach der Wahrheit sucht, erwächst in ihr eine beeindruckende innere Stärke. Aus der schüchternen, scheuen Belle, die sich in die Rolle einer traditionellen Ehefrau und Mutter wie selbstverständlich eingefunden hatte, wird eine Frau, die die Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnt. (Klappentext)
Als die Pandemie New York lahmlegte, beschlossen James und Belle, die Quarantäne mit ihren beiden jüngeren Kindern auf Marthas Vineyard auszusitzen. Belle hatte das Haus am See 2005 ungesehen gekauft, weil es James gefiel. Seine Familie hatte selbst ein Strandhaus besessen, aber durch den Konkurs seines Vaters verloren. Sie fuhren jeden Sommer dorthin und verbrachten die schönste Zeit ihres Familienlebens. James kochte Spaghetti à la Vongole oder grillte Burger. Sie machten Spaziergänge oder fuhren ans Meer. Am Abend tranken sie Whisky Sour und beobachteten den Sonnenuntergang. James war ihr Traummann, ist es immer noch. Vor zwanzig Jahren waren sie sich in der Kanzlei zum ersten Mal begegnet. Beide in einer Beziehung. Ihr Freund war gerade arbeitslos geworden und selbstverständlich in ihre Wohnung eingezogen. Obwohl sie kein gutes Gefühl dabei hatte, sprach sie nicht dagegen, das war einfach nicht ihre Art. Und dann kam der Tag, an dem James wieder ledig war und sie bat, ihren Freund zu verlassen, um mit ihm zusammen zu sein. Wie er sie umworben hatte, seine strahlenden blauen Augen, wenn er sie sah. Zwanzig Jahre war das jetzt her. Zwischenzeitlich hatten sie drei Kinder bekommen. Es war von Anfang an klar, dass sie zu Hause blieb und sich kümmerte, während James arbeitete, um die Familie zu ernähren. Sie wollte es anders machen als ihre Mutter, die nie wirklich für Belle da war. Und James wollte sich, nachdem er eine rebellischen Phase durchgemacht hatte, verbindlicher zeigen als sein Vater und die familiäre Verantwortung tragen. So hatten sie sich jahrzehntelang miteinander arrangiert.
Belle steht im Badezimmer und trocknet sich die Haare, sie will den Abend mit James auf der Terrasse ausklingen lassen. Sie lässt den eingehenden Anruf mehrmals klingen und geht allein wegen der Hartnäckigkeit ran. Eine fremde Männerstimme lässt sie wissen, dass James ein Verhältnis mit dessen Frau hat. Belle schnappt nach Luft, ihr Kopf arbeitet auf Hochtouren. das musste ein schlechter Scherz sein. Doch als Belle James zur Rede stellt, gibt er es zu. Es sei nichts Ernstes, nur einmal passiert. Doch dann wird die Affäre in die Klinik eingewiesen, sie habe Tabletten genommen und James macht sich auf den Weg zu ihr.
Fazit: Belle Burden hat sich mit ihrer Autobiografie in das eigene Leben zurückgeschrieben. Sie erzählt eine Geschichte, die oft passiert. Ein Mann verlässt seine Familie, um mit einer jüngeren Frau neu anzufangen. Die Autorin geht auf Spurensuche, um zu verstehen, wie das passieren konnte. Wo der Hinweis war, den sie übersehen hat. Beide sind privilegierte weiße Amerikaner. Sie stammt aus einer wohlhabenden Familie, ihre Großmutter war eine berühmte Mode-Ikone, ihr Vater ein Spross der Vanderbilt-Dynastie. Belle und James führen eine traditionelle Ehe mit klar definierten Rollenzuweisungen. Alles ist nice, alles ist happy. Sie leben den amerikanischen Traum. Sie weiß, dass er sie liebt, auch wenn er das nicht so zeigen kann. Ich muss gestehen, dass ich das nicht glauben mag. Zwanzig Jahre ohne Konflikte? Zwanzig Jahre, in denen man nicht irgendwann einmal genervt voneinander ist? Wie geht das? Das war mir alles zu stubenrein. Wenn jemand sein Leben vor mir ausbreitet, dann möchte ich diesen Menschen auch kennenlernen, also in dem Fall Belle. Und auch als der Rosenkrieg begann, war da nichts außer dem Gefühl von Ohnmacht. Ich bin auch schon betrogen worden und weiß, wie weh das tut, aber ich war auch stinkwütend und das hat mich beflügelt. Ich möchte auch an dieser Stelle einmal bemerken, dass jeder und jede das Recht hat, aus einer Beziehung, die ihre Erfüllung verloren hat, auszusteigen, auch wenn das Konstrukt Ehe heißt. Mir scheint der Appell, zeigen zu wollen, dass Männer mit bestimmten Verhaltensweisen nicht mehr durchkommen dürfen, zu kurz gegriffen, denn sie hat ihm ja zwanzig Jahre und darüber hinaus alle Verfügungsgewalten in die Hände gedrückt. Das war mir zu marginal und zu oberflächlich, auch wenn das Buch monatelang auf der New York Times Bestsellerliste stand.
Die Autorin: Belle Burden gelang mit ‚Fremde‘ ein Sensationserfolg. Das Buch stand in den USA 2026 monatelang auf der Bestsellerliste der New York Times. Belle Burden studierte in Harvard und an der New York University School of Law und leistete als Pro-bono-Anwältin Rechtshilfe für jugendliche Einwanderer. Sie stammt aus einer wohlhabenden New Yorker Familie. Ihre Großmutter Babe Paley war eine Mode-Ikone des 20. Jahrhunderts und gehörte zum Freundeskreis von Truman Capote und Jacqueline Kennedy. Ihr Vater entstammt der Vanderbilt-Dynastie. Belle Burden lebt mit ihren drei Kindern in New York City.