Rezensionen Das dreiste Schweigen meines Kühlschranks

Das dreiste Schweigen meines Kühlschranks von Caro Reichl

Autorin; Caro Reichl, Genre: Psychologische Fiktion, Verlag: Leykam, ISBN: 978-37011-8416-3, 1. Auflage 08/2026, 226 Seiten, Preis Hardcover €24,00

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Wem glaubst du – deinem Mann oder deiner besten Freundin? Rosa wünscht sich eine Familie, doch kaum ist sie schwanger, beschuldigt ihre beste Freundin Rosas Mann, er hätte ihren vierjährigen Sohn missbraucht. Wem wird sie glauben? Ein Roman über Rivalität, toxische Beziehungen und die Wichtigkeit von Freundschaft.

Seit der Schule sind Rosa und Almut beste Freundinnen. Sie verbringen jede freie Minute miteinander und werden zu einer Einheit gegen den Rest der Welt. Auch als Erwachsene bleiben sie sich nah, beide arbeiten in derselben Agentur. Als X, eine frühe Affäre von Almut, auftaucht, gerät die Statik der Freundschaft ins Wanken. Rosa fühlt sich zu ihm hingezogen, Almut geht auf Distanz. Bis ihr Sohn eines Tages etwas ausspricht, was Rosa nach und nach zerbrechen lässt. Der Einzige, mit dem sie ihre Zweifel teilen kann, ist ihr leerer Kühlschrank. Und der schweigt, ziemlich dreist. Caro Reichl ist eine Meisterin der psychologischen Charakterstudie. Mit ihren Figuren stellt sie Fragen, die erst im Kopf der Lesenden beantwortet werden können. Dieser Roman hört sicher nicht auf mit der letzten Seite. Versprochen! (Klappentext)

Eine Geschichte, zwei Wirklichkeiten, dazwischen Rosa, die nicht weiß, was sie glauben soll. Alma sagte ihr, sie müsse sich von dem Monster trennen. Rosa hielt ihren Bauch, der noch gar kein richtiger war. Almuts Sohn habe ihr erzählt, was passiert sei, besonders dann, wenn er bei ihnen übernachtet hat. Er ist vier, Kinder denken sich so was nicht aus, sagte Almut. Da war er der Riss in ihrer jahrzehntelangen Freundschaft. Rosa zermarterte sich, wusste nicht, ob sie einem Vierjährigen trauen sollte, oder ihrem Mann, der auch nichts Besseres zu sagen wusste als: „Weißt du eigentlich, was das mit mir macht, wenn deine beste Freundin … Was ist das überhaupt für eine Freundin?“

Rosa war Einzelkind, erfrischend anpassungsfähig. Sie machte nie Ärger. Spielten sie im Kindergarten Vater-Mutter-Kind und Rosa sollte der Hund sein, war sie der Hund. Sie spielte mit Spielzeug, das niemand verlangte und leistete keinen Widerstand. Als Rosa das Gymnasium besuchte, saß Almut eine Reihe vor ihr. Sie bevormundete die Lehrer und diskutierte mit ihnen, das imponierte Rosa. Wenn Almut einen Raum betrat, nahm sie ihn ein, war präsenter als jeder Erwachsene, den Rosa kannte. Allerdings wurde Almut gehänselt. Sie war dick und die Jungs nannten sie Fettarsch. Die Mädchen lästerten, dass Almut Geschichten erfand, weil sie die Aufmerksamkeit brauchte. 

Rosa sitzt allein in ihrer Wohnung. Die Tochter ist mittlerweile erwachsen, der Mann vor einem halben Jahr ausgezogen. Ihr Kühlschrank namens Liebherr ist das verlässlichste Gerät in ihrem Haushalt, noch besser wäre er, wenn er mit ihr sprechen würde. Sie entnimmt morgens um zehn Uhr eine Flasche Chardonnay, die schön kalt ist. Sie will ihre Erinnerungen Revue passieren lassen, will sie aufschreiben. Sie weiß, wenn sie leicht einen sitzen hat, kann sie ihre Gedanken fließen lassen, dann blockiert sie nichts. Für das, was sie jetzt vorhat, wird sie Mut brauchen.

Fazit: Die österreichische Autorin Caro Reichl hat in ihrem zweiten Buch ein Vexierspiel von großer Tragweite geschaffen. Ihre Protagonistin sitzt in ihrer Wohnung. Die Tochter lebt ihr eigenes Leben, ihr Mann ist gegangen. Jetzt hat sie endlich Zeit, den Vorwurf, den ihre ehemals beste Freundin ihr damals vor die Füße geworfen hat, aufzuarbeiten. Mit großem Geschick zeichnet die Autorin die Charaktere zweier Frauen, die sehr unterschiedlich sind. Da ist die scheue, harmoniesüchtige Rosa, die auf die kesse, selbstbewusste Almut trifft, in deren Dunstkreis sie endlich die Aufmerksamkeit findet, die sie vermisst hat. Alma scheint Geschichten zu erfinden, die ihr den Anstrich von Wichtigkeit verleihen. Sie verliebt sich in den coolen X, den sie regelmäßig datet, bis er einfach verschwindet. Jahre später, Rosa arbeitet mit Alma in derselben Agentur, taucht X wieder auf und datet Rosa. Als Almut ihre Beschuldigung ausspricht, zerbricht die Freundschaft und in Rosa schwelt ein Misstrauen, das sie über die Jahre aushöhlen wird. Will Almut sich wieder wichtigmachen? Missgönnt sie ihrer Freundin ihr Glück mit X, weil der sie damals zurückgewiesen hat? Was für eine Aufbereitung eines wichtigen Themas, die nahezu ganz ohne das Opfer auskommt und sich ganz auf die Beteiligten konzentriert. Ein Buch, das mich auch nach dem Lesen weiterbeschäftigt hat. Ich kenne nichts Vergleichbares. 

Die Autorin: Caro Reichl (geb. 1993 in Linz) arbeitet als Kreativdirektorin und Autorin in Wien. Sie war Teilnehmerin des Klagenfurter Literaturkurses 2023, erhielt u. a. den Wiener Werkstattpreis und Stipendien des BMKÖ für ihr Debüt ‚Was glänzt, verschwindet mit uns‘ (2024, Leykam-Verlag). ‚Das dreiste Schweigen meines Kühlschranks‘ ist ihr zweiter Roman.

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