Trizeps Royal von Cécil Ludwig Röski
Autor: Cécil Ludwig Röski, Genre: Popkulturelle Tragikomödie, Queere Literatur, Verlag: Leykam, ISBN: 978-3-7011-8417-0, 1. Ausgabe 08/2026, 224 Seiten, Preis Hardcover €25,00
Mehrfach ausgezeichneter Autor. Für das Drehbuch der Punk-Webserie „Kummerveldt“ (ARD/arte) erhielt er 2024 den Grimme-Preis
Königlicher Softboy im Muskelreich – Skandal oder Slay?
Ein trans König im modernen Deutschland kämpft um sein Ansehen – zwischen Testosteron, royalen Intrigen, Herzschmerz und der Suche nach seiner eigenen Identität.
König Dedo II. von Sachsen hat ein Imageproblem: zu schlaksig, zu queer, zu introvertiert. Während er von Schloss Buzickitz aus übers Handy regiert und die Öffentlichkeit meidet, bricht sein Privatleben zusammen. Sein Partner Marfa verlässt ihn und die erzkonservativen Medien ziehen über ihn her. Also beginnt er zu pumpen, um sich als Monarch zu behaupten. Sein Ziel: Ein Herrscher aus Muskelmasse. Doch weder Medienskandale, Liebeskummer noch seine völlig unroyale Schwester lassen sich wegtrainieren und der selbsternannte Thronfolger Gero bringt sich in Stellung.
Cécil Ludwig Röski verknüpft Queerness, königliche Männlichkeit und deutsche Geschichte zur klugen Adelsrevue. ‚Trizeps Royal‘ ist eine popkulturelle Tragikomödie über ein Deutschland, das längst keine Monarchie mehr ist, sich aber noch immer nach Autorität sehnt. 1. Auflage mit Farbschnitt (Klappentext)
König Dedo II. von Sachsen verrottet in seinem Himmelbett. Er steckt seine Nase tief ins Kopfkissen,um die letzten Duftmoleküle von Marfa zu erschnüffeln, denn sein Liebhaber hat ihn verlassen. Dedo vermisst ihn schmerzlich, aber er vermisst sich auch selbst. Er muss dem beschränkten Terrain seines Schlafzimmers und dem morgendlichen Weckruf seines Beraters Richard entkommen und er weiß auch schon wie. Er wird Bodybuilder. Richard geleitet ihn als dann auch zügig zum Fitnessraum, froh seinen Monarchen wieder unter den Lebenden zu wissen. Darin zurückgelassen sieht Dedo, wie sein fescher Lover dort gepumpt hat. Dedo stand ihm lächelnd mit einem Handtuch zur Seite, jederzeit bereit, die Bäche von Schweiß aufzufangen oder sich auf seinen Schoß zu setzen. Die Tutorials, die Disziplin und Proteine verordnen, helfen ihm nicht weiter. Die Aussicht, tagelang an Hähnchenschlägeln rumzulutschen, schafft ein erhebliches Unbehagen.
Er versucht einen Klimmzug, weil es ja sein könnte, dass ungeahntes Talent in ihm schlummert, aber weit gefehlt. Er schaut in den Spiegel, ergreift zwei Hanteln und formt den Bizeps. Immer schön aus der Hüfte, der Rhythmus des Zählens gefällt ihm. Nach drei Wiederholungen à fünfzehn Beugungen schlagen die Gewichte hart auf dem Boden auf. Ein Personaltrainer muss her, am besten eine Sie.
Richard fühlt sich genötigt, Majestät durch ein Klopfen grob aus seinen Gedanken zu reißen, um Cousin Arno anzukündigen. Dedo verdreht theatralisch die Augen. Sie sind direkte Konkurrenten. Arno beansprucht noch immer den Thron, auf dem Dedo sitzt. Früher verstanden sie sich prächtig. Arno, der wilde Bube, der rechtmäßiger Thronfolger werden sollte und Dedo das freche Mädchen. Während Dedo unter der Fuchtel des Vaters dem König von Sachsen stand, geriet Arno in Beschlag seiner intriganten, garstigen Mutter Beatrix von Sachsen. Und so wurde aus dem Dream-Team das Duo infernale.
Fazit: Der mehrfach ausgezeichnete Roman- und Drehbuchautor (Grimme-Preis für die Punk-Webserie „Haus Kummerveldt“ ARD/arte 2024) hat hiermit die deutsche Monarchie wiederbelebt. Sein Protagonist leidet unter dem Verlust seines Partners. Er bietet sowohl Presse als auch intriganter Familie eine beachtliche Angriffsfläche und auch um seine psychische Verfassung steht es nicht bestens. Durch Muskelaufbau will er sein darbendes Image aufmöbeln, scheitert allerdings an der Anstrengung. Nach und nach entblättert Röski in seiner Inszenierung, durch welche Strapazen Dedo gegangen ist, um den Thron zu erklimmen. Die Sprache ist flapsig, lasziv und frivol und in Gänze unverhofft unterhaltsam. Hier wird das Thema Transgender in all seiner Tragik aufgegriffen und einer konservativen Gesellschaft gegenübergestellt, die veraltete Vorstellungen von Geschlechterrollen einfach immerweiterlebt. In dem Kontrast entsteht eine Komik, die so mitreißend wie kontrovers ist. Das war ganz großes Kino. Eine bildgewaltige, überraschende und so absurd lustige Tragikomödie, genau mein Humor. Es geht um Queerness, mediale Macht und mentale Gesundheit.
Der Autor: Cécil Ludwig Röski wurde 1994 in Schleswig-Holstein geboren und studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sein Debütroman „Poussi“ (Hoffmann und Campe 2023) wurde mit dem Retzhof-Preis für junge Literatur ausgezeichnet und war für den Debütpreis der Lit.Cologne nominiert. Für das Drehbuch der historischen Punk-Webserie „Haus Kummerveldt“ (ARD/arte) erhielt er 2024 den Grimme-Preis. Aktuell arbeitet er an seinen Spielfilmdebüts „In der Not frisst der Teufel die Wurst auch ohne Fliegen“ und 5 Lifehacks to fall apart and be spread by the wind (Schiwagofilm, WDR). Cécil lebt irgendwo in Sachsen-Anhalt.