Rezensionen Kaskaden

Kaskaden von Louise K. Böhm

Autorin: Louise K. Böhm, Genre: Coming – of – Age, Verlag: Penguin (Penguinrandomhouse), ISBN: 978-3-328-60524-9, 1. Auflage 07/2026, 288 Seiten, Preis Hardcover €24,00

Debütroman

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„Kaskaden“ erzählt vom Erwachsenwerden in den 2010er-Jahren, von Freundschaft, die brechen und heilen kann und von Liebe in allen Dimensionen
‚Diese Autorin aus Hamburg ist anders als andere – da kommt was auf uns zu.‘ Hamburger Abendblatt
Wenn Jojo ihre Herkunft einfach ausradieren könnte, würde sie es tun. Zwar hat sie das Vorstadtgrau weit hinter sich gelassen, doch an der Uni hat sie trotzdem ständig Angst, jemand könnte herausfinden, dass sie nicht hierhergehört. Einzig die Arbeit im Labor gibt ihr Halt. Als Jakob in ihr Leben tritt, findet Jojo zu einer neuen Leichtigkeit. Doch dann erhält sie ein Lebenszeichen ihrer ehemals besten Freundin, und plötzlich ist alles wieder da: die Jahre mit Yara, mit der sie mehr Zeit verbrachte als mit ihren eigenen Eltern. Die auf jeden Spruch eine Erwiderung parat hatte. Und die von einem Tag auf den anderen verschwand, obwohl sie doch gemeinsam ausbrechen wollten aus der Vorstadt. Voller Klugheit und doch federleicht erzählt Louise K. Böhm die Geschichte einer tiefen Freundschaft. Ein elektrisierender Roman über Herkunft und Zugehörigkeit – mit zwei Heldinnen, die man nicht wieder vergisst. >’Kein simples Coming-of-Age. -Kaskaden- ist ein Buch über Schuld und Vergessen. (…) Und weil Böhm [ihre Figur] Jojo weder entschuldigt noch verurteilt, sondern sie im Schwebezustand zwischen Schuld und Selbstschutz belässt, gewinnt der Roman seine größte literarische Spannung (…) Sie erzählt mit einer Stimme, die so direkt, so ungeschönt und so präzise rhythmisiert ist, dass man sich fragt, warum nicht mehr Gegenwartsliteratur so klingt.‘ SWR Kultur ‚Was dieses Buch so besonders macht, sind die gesellschaftlichen Themen, die es anspricht: Klassizismus, Bafög-Struggle und psychische Belastungen. Böhm verleiht dem Roman eine große Authentizität und trifft den Sprachgebrauch einer ganzen Generation. Wer den atmosphärischen Schreibstil von Caroline Wahl mag, wird wahrscheinlich an -Kaskaden- Gefallen finden.‘ m94.5 Uniradio Bayern – Fettgedruckt (Literaturmagazin) ‚-Kaskaden- hat mich gut unterhalten. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind besonders spannend, denn die romantische Liebe ist für Jojo nicht die Lösung für all ihre Probleme, sondern eben nur eine wichtige unter vielen wichtigen Beziehungen ist. Das habe ich als sehr bestärkend und auch dem Zeitgeist entsprechend gelesen.‘ Deutschlandfunk Kultur ‚Ein Buch über Freundinnenschaft als Lebenslinie: -Kaskaden- erzählt messerscharf und zärtlich davon, wie tief dieses Band gehen kann.‘ Eva Pramschüfer ‚Dieses Buch zeigt so deutlich, wie Freundschaft die tiefste Form von Liebe sein kann: leise, kompliziert und prägend fürs ganze Leben.‘ Maria Popov (Klappentext)

Emine drückt Jojo eine DVD in die Hand „Die ist wohl für dich!“ Emine hatte gerade Thorsten beigesetzt, fünf Leute waren gekommen, Yara fehlte. Das Foto, das sie vor dem Sarg platziert hatte, zeigt ihn vor dreißig Jahren, vor der Halbglatze und dem Alkohol, die Grübchen schmeichelhaft hervorgehoben. Die DVD kann nur von Yara sein. Drei Jahre ist sie jetzt weg und Jojo kommt langsam damit klar. Schwer wiegt die Diskette in ihrer Hand. Sie will wissen, was darauf ist, weiß jedoch genau, wie traurig die Bilder sie wieder machen werden. 

Die ersten Tage auf dem Unigelände waren eine Grauzone. Sie malte sich den Gebäudeplan auf und baute sich Eselsbrücken: In Haus 26a da zahlt man nur in bar, weil davor ein Geldautomat stand. Mittlerweile schafft sie den Weg in die Lesungen und ins Labor spielend. Wenn sie die Erstlinge betrachtet in Nike, Dr. Martens, New Balance, die nachts in ihren Ikeabetten von der nächsten gelungenen Prüfung träumen, zieht sich die Gänsehaut über die Unterarme. 

Im Labor arbeitet sie an ihrer Polymerase-Chain-Reaktion, als er vor ihr steht. Fliederfarbene Wollmütze, Augenbrauenpiercing, lackierte Fingernägel aber nur an einer Hand. Er stellt sich allen als Tutor*in vor, drittes Semester. Er sei da, um zu helfen. Und dann lächeln seine Herbstaugen wie ein Raum voller Blumen und seine Stimme klingt warm wie frischgebackene Zimtschnecken.

Fazit: Louise K. Böhm hat in ihrem Debütroman einer Mittzwanzigerin eine Stimme verliehen. Ihre Protagonistin Jojo ist von der Provinz in die Stadt gegangen, um zu studieren. Ihre beste Freundin aus Kindertagen Yara hat den Kontakt zu ihr abgebrochen. Jojo hat enorme Schwierigkeiten, Menschen zu vertrauen. Die Autorin lässt mich Jojos Zwanghaftigkeit spüren und ihren Wunsch zu kontrollieren. Jojos Verhalten wirft in mir Fragen auf. Ganz allmählich enträtselt sich Jojos Geschichte, die sie so schwer getroffen hat, dass sie wichtige Ereignisse dissoziiert, verdrängt hat. Erst als ihr eine DVD aus ihrer Vergangenheit in die Hände fällt, um die sie wochenlang herumschleicht, lichten sich auch für Jojo die Schatten und sie kann die verdrängten Elemente verarbeiten. Was mir gut gefallen hat ist, dass die Autorin mit viel Feingefühl und Kenntnis der menschlichen Psyche zeigt, wie verstört Jojo ist. Die Hilflosigkeit im Umgang mit anderen Menschen, ihre Ängste, Befürchtungen und die Scham, das hat mich berührt. Louise K. Böhm schärft gekonnt meinen Blick auf eine Milleniumgeneration, über die ich so wenig weiß. Zeigt Unstimmigkeiten in der stets behaupteten Chancengleichheit auf und die Unsicherheiten finanziellen Mangels.  Schreibstil und Stimmung sind sehr kreativ und haben mich in die Geschichte hineingezogen. Es geht um Freundinnenschaft, Liebe und Vertrauensbrüche.

Die Autorin: Louise K. Böhm, geb. 2000 in Berlin, studierte nach einem ersten Studium im Medienbereich Literarisches Schreiben, Kulturjournalismus und Kulturpolitik in Hildesheim, bevor es sie beruflich in die Musikbranche und privat nach Hamburg verschlagen hat. Ihre Texte erscheinen in verschiedenen Literaturmagazinen und Anthologien. Auf Social Media teilt sie als @louschreibt_ Literaturempfehlungen, gibt Einblicke in ihren Alltag als Autorin und klärt über Klassismus in der Kulturbranche auf. ‚Kaskaden‘ ist ihr erster Roman.

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