Nach dem Ende von Elisabeth Schmidauer
Autorin: Elisabeth Schmidauer, Genre: Dystopie, Verlag: Picus, ISBN: 978-3-7117-2176-1, 1. Auflage 08/2026, 290 Seiten, Preis Hardcover €25,00
Die Welt ist nach unzähligen kleineren und größeren Katastrophen immer noch da. Die Menschen aber müssen von vorn beginnen: Familien sind zerrissen, Gemeinschaften ausgelöscht, Infrastruktur zerstört, Städte unbewohnbar geworden.
Wie es ist, wenn Menschen Zusammenhalt und Kooperation wieder erlernen müssen, wenn sie wieder lernen müssen, von und mit der Natur zu leben und dabei mit menschlichen Abgründen konfrontiert werden, davon erzählt Elisabeth Schmidauer in ihrem eindringlichen und erschütternden Roman aus einer Welt nach dem Ende der modernen Zivilisation. (Klappentext
Sie hatten den ersten Winter überstanden, auf dem Land im Haus ihrer Großeltern. Letztes Jahr kurz vor Ostern waren sie gekommen. In der Stadt wurde es nicht besser, also blieben sie. Es gab nichts mehr, was das Leben zuvor erleichtert hatte. Mit dem Wegfall der Elektrizität war alles unbrauchbar geworden. Kühlschränke, Radios, Handys, Tablets, Fernseher nur noch Elektroschrott. Sie teilten sich nach bestem Wissen ein, sammelten die Nahrungsmittel, die die Natur hergab und verarbeiteten sie. Die, die Zuhause blieben, kümmerten sich um Haus und Garten.
Bevor das alles losging, sagte Mira ihrem Vater, dass er auf ihre Matura und ihren Master verzichten werde. Sie wies ihre Mutter an, im Haus der Großeltern und in der Stadtwohnung Lebensmittel zu horten. Susa verstand den Sinn nicht, machte es aber. Mia war wie im Rausch, zuerst bei Fridays for Future engagiert, doch das reichte ihr bald nicht mehr und sie klebte sich mit der letzten Generation auf die Straßen. Sie hatten gegen die größten Industrieländer geklagt, doch der Verfassungsschutz hatte ihre Klage zurückgewiesen. Und dann passierte, was Mila die ganze Zeit prognostizierte. Die gesamte Infrastruktur brach zusammen. Hacker kaperten das Stromnetz und sabotierten die Gaszufuhr. Sie verloren ganz schnell den Kontakt zu ihrer Außenwelt. Die Leute in den Städten gerieten in Panik, warfen Fensterscheiben ein und plünderten. Jeder wurde sich selbst der Nächste.
Die Bürgermeisterin regelt das Zusammenleben. Die Höfe und Felder werden bewirtschaftet. Sollte das Benzin zur Neige gehen, werden die Tiere vor die Pflüge gestellt, die Saat von Hand eingebracht, von Hand geerntet. Die Ernte wird unter allen aufgeteilt. Ein Teil für die Bauern, ein Teil für die, die für sie arbeiten und deren Familien und einen Teil bekommen die Ärmsten, Schwächsten und Ältesten.
Fazit: Die Autorin Elisabeth Schmidauer hat eine Dystopie erzählt und sich dazu der aktuellen Bedrohungen auf unsere Infrastruktur bedient und die möglichen Auswirkungen weitergesponnen. In ihrer Geschichte flüchten Menschen aus den Städten und rotten sich zu kleinen dorfähnlichen Gemeinschaften zusammen. Es gibt immer noch eine Obrigkeit, die versucht, die Dinge nach den vorhandenen Gegebenheiten zu regeln. Die einzelnen Gemeinschaften sind von ihrer Umwelt abgeschnitten. Was ihnen geblieben ist, ist Wohnraum und alles, was die Natur hergibt. Einige wenige, die ahnten, wie die Situation sich zuspitzen wird, hatten sich Wissen angeeignet, wie man in der Natur überlebt und kennen sich mit Saatgut, Tierhaltung und Gerbtechniken aus. Im Grunde stehen die Zeichen auf Neuanfang und der könnte gelingen, wenn nicht all die Fieslinge überlebt hätten, die, die dem anderen die Butter nicht auf dem Brot gönnen, immer glauben, zu kurz zu kommen, oder die, die hungrig nach Macht sind und danach Schwächere zu unterwerfen. Die Geschichte lässt sich ausnehmend gut lesen. Ich hätte mir ein wenig mehr Show don´t Tell gewünscht. Es ist keine düstere Dystopie wie die Stimmung nach einer Totalzerstörung und das mochte ich. Was mir gut gefallen hat, waren die Naturdarstellungen. Falls die Autorin eine Botschaft transportieren wollte, könnte die vielleicht Back to the Roots lauten, uns mehr auf die natürlichen Vorgänge zu konzentrieren statt auf die neuesten technischen Errungenschaften, doch das scheint mir utopisch. Die Geschichte erinnert in Gänze an eine historische Fiktion, die ich immer gerne lese und ebenso mochte ich dieses Buch.
Die Autorin: Elisabeth Schmidauer, geboren 1961 in Linz, Studium der Germanistik und Geschichte, lebt und arbeitet in Wien. Mitglied des ur.theaters, Improvisationsschauspielerin im Theater Drachengasse in Wien. Im Picus Verlag erschienen ‚Das Grün in Doras Augen‘ (2015), ‚Am dunklen Fluss‘ (2016), ‚Mord für Anfänger und Fortgeschrittene‘ (2019) sowie ihr neuester Roman ‚Fanzi‘ (2021).