Rezensionen Die Tochter meines Mannes

Die Tochter meines Mannes von Chiara Marchelli

Autorin: Chiara Marchelli, Genre: Psychologische Fiktion, Verlag: btb, ISBN: 978-3-442-76345-0, 1. deutschsprachige Auflage 10/2026, 288 Seiten, Preis Hardcover €24,00

Aus dem Italienischen von Verena von Koskull

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Eine knisternde und hochintensive literarische Geschichte über moderne Familie und Mutterschaft. Für alle Leser:innen von Rachel Yoder und Mareike Fallwickl.
Die Übersetzerin Livia ist vierzig Jahre alt, Italienerin und lebt in New York, als sie Arno kennenlernt, Vater einer fünfjährigen Tochter. Die beiden verlieben sich und werden ein Paar, doch von Anfang an beansprucht Arnos Tochter Emma mit ihren Bedürfnissen viel Raum. Emma sieht Livia als Eindringling, und Livia fällt es schwer, Emma als das Kind zu sehen, das sie ist, wenn sie Wutanfälle hat, Essen auf den Boden wirft oder provoziert. Livia, die eigentlich nie Mutter werden wollte, beginnt, die Tochter ihres Mannes als Gegenspielerin zu sehen. Sie entwickelt ungezügelte Gefühle, die sich in Emmas Wut und der Aggression ihr gegenüber widerspiegeln. Das Misstrauen zwischen den beiden wächst, droht gar zu eskalieren, doch dann passiert etwas, das die Beziehung zwischen Livia und Emma verändert.

Livia und Arno sahen sich auf Evelyns Party zum ersten Mal. Evelyn hatte ein schickes Lokal auf der Upper East Side gemietet. Livia saß an einem Ende des Tisches, Arno am anderen. Beide kannten niemanden, beobachteten das feucht-fröhliche Treiben. Man tauschte Handys, betrachtete Fotos, nickte anerkennend, lachte. Als Evelyn einige Gläser intus hatte, nahm sie sich zurück und überließ die Gruppe sich selbst. Livia und Arno schienen den gleichen Gedanken zu haben. Sie standen zeitgleich auf, gingen auf Evelyn zu und bedankten sich für den Abend. Sie verließen das Lokal gemeinsam und kamen draußen ins Gespräch, während Arno auf ein Taxi wartete. Livia wollte zur U-Bahn, doch er überredete sie, ein Stück mit ihm mitzufahren. Kurz bevor Arno ausstieg, gab er dem Fahrer genug Geld, damit er Livia Zuhause absetzte. Wenige Tage später lud er sie zum Essen ein und Livia sagte zu. Nach dem unglücklichen On-Off mit einem Musiker, der sie tagelang hinhielt, cancelte sie die … Ja was eigentlich? Nach mehreren Datings zur Fleischbeschau mit unschönen, als Komplimente verpackte Kommentare und gefakten Profilbildern verlor sie die Lust an solchen Treffen. Der Abend mit Arno verlief überraschend angenehm und sie freute sich auf seine nächste Einladung bei ihm Zuhause. Dort sah sie die Spielzeuginsel und erfuhr von Arnos kleiner Tochter Emma. Kinder hatten nie auf Livias Agenda gestanden. 

Sie lernte Emma kennen, weil Arno fand, dass sie lange genug zusammen waren. Er lud Livia zu Emmas Lieblingsvietnamesen ein. Sie waren schon dort, als Livia eintrat. Emma trug eine pinkfarbene Langhaarperücke und ignorierte Livia, die Arno begrüßte und sich setzte. Emma schmiss die Speisekarte von sich und flätzte mit dem Oberkörper auf der Tischplatte. Arno bestellte ihr Suppe und Frühlingsrollen. Als die Suppe kam, verschwand Emmas Gesicht und einige pinke Strähnen in der großen Schüssel. Sie spießte eine Frühlingsrolle auf, biss ab und schubste den Rest aufs Tischtuch. Als Livia ein Gespräch mit Arno versuchte, krähte Emma dazwischen, schaukelte mit den Beinen hin und her und traf Livias Knie, die etwas wegrückte.

Fazit: Die italienische Autorin und Literaturprofessorin Chiara Marchelli hat in dieser Geschichte die Beziehung zu dem Vater einer kleinen Tochter erzählt. Emmas Eltern leben getrennt. Er ist Informatiker, seine Ex-Frau Regisseurin. Emma ist fünf, als Livia in Arnos Leben tritt, es vergehen aber vier harmonische Jahre, bis Livia Emma kennenlernt. Von Anfang an entstehen Spannungen zwischen Livia und Emma. Beide buhlen um Arnos Aufmerksamkeit. Aus Livias Sicht ist Emma eine verwöhnte Göre, die mehr Konsequenzen bräuchte. Arno jedoch kann Emma keinen Wunsch abschlagen, sei er auch noch so kostspielig, weil er sie nur am Wochenende sieht und befürchtet, sie könnten sich entfremden. Arnos hat mit seinem Vater Ähnliches erlebt und kann sich noch gut an das Gefühl erinnern. Livia interveniert und stört das Beziehungsgeflecht zu Arno. Ein Beinahe-Unfall, auf dem Weg zum Supermarkt mit der bockigen Emma, zieht einen Riss durch die fragile Beziehung zwischen Emma und Livia. Danach hat Emma Angst vor Livia und Livia fragt sich, wie sehr sie sich gewünscht hat Emma auszuschalten. Die Geschichte hat mich aufgewühlt. Ich habe ein Kind kennengelernt, das die Macht hat zu terrorisieren, aber noch kein Gespür dafür hat, wirklich bösartig zu sein. Livia bekommt keinen Fuß in Emmas Tür. Und niemand sieht ihre Nöte und Bedenken. Livias Zerrissenheit zwischen, sie möchte mit diesem Mann alt werden und sie möchte sich dem Störfaktor Kind entziehen, ist schmerzlich. Alle stehen auf Emmas Seite „Sie ist nur ein Kind“. Ein gut ausgearbeiteter Plott, aus Sich Livias erzählt, den ich so noch nicht gelesen habe. Das hat mich ganz schön aufgewühlt. 

Die Autorin: Chiara Marchelli, geboren 1972 in Aosta, lehrt als Professorin Literatur und Kreatives Schreiben an der New York University. Ihr erster Roman ‚Die blauen Nächte‘ stand auf der Shortlist des italienischen Literaturpreises Premio Strega. Ihre Bücher erscheinen in 20 Ländern.

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