Rezensionen All these pretty Girls

All these pretty Girls von Evelyn Bubich

Autorin: Evelyn Bubich, Genre: Frauen in der Gesellschaft, Misogynie, Verlag: Otto Müller Verlag, ISBN: 978-3-7013-1347-1, 1. Auflage 10/2026, 170 Seiten, Preis Hardcover €24,00

Debütroman

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Am Rand eines Waldes zieht eine Frau in ein verlassenes Haus. Zwischen bröckelnden Mauern und vergessenen Gegenständen stößt sie auf die Spuren der früheren Bewohnerin Jozsefa und auf Elisabeth, die Jahrzehnte zuvor gestorben ist. Was damals geschah, lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Das Haus gibt seine Erinnerungen nur zögerlich preis.
Als eines Tages Yulia, eine Jugendliche auf der Flucht aus ihrem Zuhause, vor der Tür steht, beginnt sich die Gegenwart mit der Vergangenheit zu verschränken. Nach und nach verweben sich ihre Erfahrungen mit jenen anderer Frauen zu einem Geflecht aus Gewalt, Verschweigen und Überleben. Jozsefa, Elisabeth, Yulia, Maria und Ana – auch das, was ihnen widerfährt, ereignet sich im engsten Umfeld – im scheinbar Vertrauten.
Immer wieder kehrt der Roman zur eindringlichen Du-Erzählung zurück und folgt darin den Mustern männlicher Gewalt gegen Frauen* und Mädchen*. Ausgehend von realen Geschehnissen entfaltet sich eine radikale, poetisch verdichtete und fragmentarisch erzählte Auseinandersetzung mit den patriarchalen Strukturen, die tief in unsere Gesellschaft eingeschrieben sind und über Generationen fortwirken. Dabei richtet er den Blick nicht nur auf individuelle Traumata, sondern auch auf kollektive Verantwortung.
All These Pretty Girls ist ein Roman, der verstört, berührt und Mut machen soll, nicht länger zu schweigen.
Über strukturelle, häusliche und sexualisierte Gewalt an Frauen als Gegen-Erzählung zur Verdrängung und kollektivem Wegsehen. Ein Geflecht aus Erinnerungen, Traumata und Bruchlinien weiblicher Biografien zwischen Realität und surrealen Bildern. Für Leser:innen radikaler Gegenwartsliteratur, die Wahrnehmung verschiebt und Gewissheiten unterläuft. (Klappentext)

Jozsefa 1996

„Halt endlich still.“ Das Haus hat sich verlebt mit der Zeit. Zimmertüren lichtweiß, schmierig. Die Böden knarzen. Jozsefa lichtwandelt durchs Erdgeschoss. Geradeaus die Kommode mit den dunklen Rahmen, in denen verblasste Fotos stecken. Auf einem eine Blume vergilbt, Elisabeth hinter Glas. „Halt endlich still.“

Gegenwart

Du gehst durch den Ort. Der alte Schenker fällt dir ein. Den Groll, den er getragen, wie den alten, grauen Schal. Schätze hat er geborgen und dann in seinem Geschäft ausgestellt, in dem er sich gut versteckte. 

Maria 1980

Sticht den Spaten tief in die Erde

Vor der Gegenwart

Kleine Kinderfüße in blauen Hosenbeinen tapsen die Kellertreppe hinab. Tasten mit den Zehen nach der Stufenkante.

Maria 1979

„Bald trifft sie einen beeindruckenden Mann. Na, da schau her. Die beiden werden ein Ehepaar. Na, da schau halt her. Gott sei Dank. Er hat sie genommen.“ S. 37

Sie liebt ihn sehr, den feschen Kerl. Hält ihm die Tür auf, wenn er heimkommt. Hält ihm jede Türe auf. So starke Arme. So viel Leidenschaft sagt man über den starken Mann. „Jetzt halt halt still.“

Fazit: Der Lektorin, Rezensentin und Literaturvermittlerin Evelyn Bubich ist mit ihrem Debüt definitiv etwas Außergewöhnliches gelungen. Ihre Protagonistin zieht in ein verlassenes Haus, das noch Spuren der Vergangenheit in sich trägt. Ganz allmählich entblättert es eine Litanei an Grausamkeiten, die die Autorin nebulös schildert. Von Anfang an entsteht eine verstörende, beklemmende Atmosphäre. Ich erfahre mehr oder weniger über die Schicksale von Jozsefa, ihre Schwester Elisabeth, über Maria, Ana und über die gegenwärtige Yulia. Allen, außer Yulia ist gemein, dass sie durch Männer ihr Leben ließen. Schwach belichtet wird auch die Rolle der Gesellschaft. Die Freundin, die den harten Kerl als fesch und leidenschaftlich bezeichnet und dabei an ihrer Fantasie errötet. Die Nachbarn, die das noch nicht geborene Kind als „Hurenkind“ schimpfen. Es geht um Misogynie und Femizid, das mangelnde Verantwortungsbewusstsein, das sich durch Wegsehen zeigt. Die wenigen Meinungen zum Buch, die ich bisher gesehen habe, zeugen von Begeisterung und halten dieses 170 Seiten Kleinod mit dem seltsam unpassenden Cover für wichtig, weil es eine Botschaft transportieren möchte. Wie berührt sie waren und wie angefasst. Ich muss ehrlich gestehen, dass die experimentelle Herangehensweise, das Fragmentarische, teils in Prosa, teils als Lyrik überhaupt nicht mein Fall ist. Ja, ich habe Beklemmung verspürt durch drohendes Unheil. Aber mein Herz wurde nicht berührt, weil ich mich mit keiner der Frauen identifizieren konnte (zu kurz waren ihre Auftritte). Ich habe keine Ahnung von dieser Art Literatur, weil ich mich damit kaum beschäftige. Mir ist eine ehrliche Prosa, die mich beeindruckt wie „Lieblingstochter“, oder „Die Nacht der Bärin“ einfach lieber. Und weil ich keine Ahnung habe, möchte ich das Buch auch gar nicht bewerten. Lest es und macht euch selbst ein Bild.

Die Autorin: Geboren 1988 in Klagenfurt, hat Vergleichende Literaturwissenschaft und Digital Media Publishing studiert und lebt und arbeitet als Autorin, Lektorin, Rezensentin und Literaturvermittlerin in Wien. Sie erhielt mehrere Stipendien, ist Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift Podium und kuratiert verschiedene Literaturformate. Nach zahlreichen Veröffentlichungen in Anthologien, Literaturzeitschriften und Zeitungen (u. a. Lichtungen, Literatur und Kritik, perspektive) legt sie mit All These Pretty Girls ihren Debütroman vor.

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